Musikdarstellungen in Handschriften der Österreichsichen Nationalbibliothek (14.-15. Jahrundert). Untersuchungen zur Visualisierung der Musik im Spätmittelalter
Music images in manuscripts of the OeNB
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Geisteswissenschaften (20%); Kunstwissenschaften (80%)
Keywords
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MUSIKIKONOGRAPHIE,
SPÄTMITTELALTER,
WIEN,
ÖSTERREICHISCHE NATIONALBIBLIOTHEK,
BUCHMALEREI
Die Österreichische Nationalbibliothek in Wien besitzt eine der bedeutendsten Handschriftensammlungen der Welt. Alle wichtigen Gattungen der Buchmalerei sind in Exemplaren von z. T. herausragender künstlerischer Qualität vertreten: Stundenbücher, Breviere, Bibel- und Psalterhandschriften, Welt- und Landeschroniken, höfische Romane, das Speculum Humanae Salvationis, Prachthandschriften liturgischer Ein- und Mehrstimmigkeit, Enzyklopädien, astrologische Sammelhandschriften, das Tacuinum Sanitatis u.a. Eine systematische Erschließung der Musikdarstellungen französischer, niederländischer, deutscher und italienischer Handschriften des 14. und 15. Jhs. ist Ziel des auf zwei Jahre angelegten musikwissenschaftlichen Forschungsprojekts. Die prinzipiellen Möglichkeiten der Visualisierung von Musik sind gattungs-, landes- und epochenübergreifend zu verfolgen: in Zentren wie in Peripherien der spätmittelalterlichen Handschriftenproduktion, ohne Beschränkung auf eine `Schule` oder Gattung, ohne Trennung zwischen weltlichem und geistlichem Bereich. In der Auswertung greifen synchrone und diachrone Aspekte gleichberechtigt ineinander. Im Gegensatz zu einem in der bisherigen Musikikonographie zu spätmittelalterlichen Quellen verbreiteten Ansatz sollen Musikdarstellungen weder als bedeutungskonstante Topoi begriffen noch auf ihr motivisches oder organologisches Substrat reduziert werden. Unter besonderer Berücksichtigung der Text-Bild-Relation gilt es, diejenigen Faktoren im Spannungsfeld zwischen Gattungstraditionen, Darstellungskonventionen und praktizierter Musik zu rekonstruieren, die zur Wahl bestimmter Instrumentenformen für bestimmte Darstellungsaufgaben geführt haben. Eine der Leitfragen betrifft die Hierarchien im Instrumentarium. Zu verfolgen ist insbesondere der Stellenwert neuartiger Instrumente oder Ensemblegruppierungen und die Reaktion auf die Musik selbst (Orgel im Gottesdienst, weltliche Repräsentationsmusik). Kehrseite derartiger Aktualisierungen ist die Historisierung oder exotische Verfremdung von Instrumenten und Musiziersituationen. Aufzuarbeiten sind weiterhin Detailfragen: Welche Verbreitung findet das Bildmotiv musizierender Engel seit dem 14. Jh.? Wie entwickeln sich die Ikonographien König Davids und der apokalyptischen Ältesten vor diesem Hintergrund? Welche Konsequenzen hat die aristotelische Diskussion um den Nutzen von Spiel und Unterhaltung für das Gemeinwohl für das Bild weltlicher Musiker? Die Verbildlichung von Musik dürfte sich als vielschichtige Darstellungsaufgabe erweisen, deren als vielschichtige Darstellungsaufgabe erweisen, deren Eigenheiten an Entstehungszeit und -ort, Handschriftengattung und Milieu gebunden sind.
- Universität Innsbruck - 100%