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Beckenanalyse im Mittel- und Ober-Jura im Mittelabschnitt der Nördlichen Kalkalpen (Berchtesgaden) - Paläogeographie, Stratigraphie, Fazies und Tektonik

Middle to Late Jurassic Basin analysis in the NCA

Hans-Jürgen Gawlick (ORCID: 0000-0002-6172-215X)
  • Grant-DOI 10.55776/P14131
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 24.07.2000
  • Projektende 31.10.2003
  • Bewilligungssumme 128.777 €

Wissenschaftsdisziplinen

Geowissenschaften (100%)

Keywords

    BECKENENTWICKLUNG, GEODYNAMIK, FAZIES, SEDIMENTOLOGIE, STRATIGRAPHIE, PALÄONTOLOGIE

Abstract Endbericht

Forschungsprojekt P 14131Beckenanalyse im Mittel- und Ober-Jura im Mittelabschnitt der Nördlichen Kalkalpen (Berchtesgarden) - Paläogeographie, Stratigraphie, Fazies und TektonikDr. Hans-Jürgen GAWLICK 26.06.2000 Ziel des geplanten Projektes ist es, auf der Basis von stratigraphischen, faziellen und sedimentologischen Untersuchungen die mittel-bis oberjurassische Beckenentwicklung im Bereich des westlichen Mittelabschnittes der Nördlichen Kalkalpen zu untersuchen. Geplant ist eine Traverse vom Nordrand des Steinernen Meeres bis Bad Reichenhall durch die verschiedenen tektonischen Einheiten zu untersuchen. Durch die Rekonstruktion der Beckenentwicklung in diesem Raum, werden neue Erkenntnisse über die Steuerung von Sedimentationsprozessen beim Übergang von passiven zu aktiven Kontinentalrändern erwartet. Darüberhinaus werden die erwarteten Ergebnisse die Kenntnis des Verlaufes der oberjurassischen Kollisionstektonik im Bereich des Tethysnordwestrandes deutlich verbessern. Die meisten Vorstellungen der geologischen Entwicklung im Bereich des westlichen Tethysraumes gehen heute von einer Dehnung im Oberjura aus, während der Antragsteller aufgrund seiner mehr als zehnjährigen Arbeit im Bereich der Nördlichen Kalkalpen von einer generellen Umstellung des Ablagerungsraumes im Dogger/Malm- Grenzbereich und einer generellen Einengung im Zusammenhang mit dem Schließen des Tethysozeans ausgeht (GAWLICK et al. 1999 - cum lit). Entlang der geplanten Nord-Süd-Traverse durch das Berchtesgadener Land und seinem komplexen Aufbau sind ideale Voraussetzungen für die Rekonstruktion des zeitlichen Verlaufes dieser Kollisionstektonik gegeben, besonders hinsichtlich der Frage der zeitlichen Platznahme der hochjuvavischen Decken (Berchtesgadener Decke), die hier z. Zt. diskutiert wird (Oxford, Kimmeridge, Tithon oder höhere Unterkreide). Dabei erfogt die Platznahme der juvavischen Einheiten wahrscheinlich mehrphasig. Die Voraussetzungen für diese Untersuchungen sind durch zahlreiche (z. T. eigene) Vorarbeiten und neuere Publikationen gegeben, zumal einige Detailkenner des Gebietes kooperieren. Die Untersuchung und Rekonstruktion dieser Beckenentwicklung (Obergang von passiven zu aktiven Kontinentalrändern) ist nicht nur für die Kenntnis der tektonischen Entwicklung der Nördlichen Kalkalpen und damit für den gesamten nordwestlichen Tethysraum von Bedeutung, sondern ist auch für das allgemeine Verständnis von sedimentären Prozessen und Beckenentwicklung am Übergang von passiven zu aktiven Kontintairändern von großer Wichtigkeit. Das Untersuchungsgebiet ist aufgrund seiner Komplexität und der guten bisherigen Erforschung für diese Zielsetzung hervorragend geeignet.

Das Ziel des Projektes (Juli 2000 bis Okt. 2003) war die Erforschung der Becken und Schwellen Entstehung im Jura im Zentralteil der Nördlichen Kalkalpen (NKA) entlang einer Nord-Süd Traverse durch die Berchtesgadener Kalkalpen. Aus einer Unzahl von neuen Daten wurde die tektonische Geschichte rekonstruiert. Die Ergebnisse führten zu einer Neuinterpretation, die für den gesamten westlichen Tethysraum Bedeutung hat. In diesem Projekt wurde der gesamte Sedimentationsverlauf in jeweils unterschiedlichen Ablagerungsräumen neu untersucht und daraus die tektonische Geschichte der Berchtesgadener Kalkalpen in ihrer Entwicklung auf eine neue Grundlage gestellt. Das erarbeitete geodynamische Konzept beruht auf biostratigraphischen, sedimentologisch-faziellen Daten und Beckenanalyse und steht im krassen Gegensatz zu allen bisherigen Interpretationen, die eine kretazische Deckenstapelung annehmen. Am Beispiel der polyphasen oberjurassischen Radiolarit-Beckenentwicklung in den Berchtesgadener Kalkalpen (Lammer Becken, Tauglboden Becken, Sillenkopf Becken) wird gezeigt, daß sich die Beckenachsen durch Raum und Zeit vom Südrand der Nördlichen Kalkalpen in den zentralen Teil verlagern. Diese Becken stellen hierbei intrakontinentale Tiefseerinnen mit karbonatklastischen, radiolaritischen flyschoiden Beckenfüllungen vor Akkretionsfronten dar. Die Kieselsedimente bilden die Matrix der Brekzienkörper bzw. der Gleitschollen. Das umgelagerte Material in den einzelnen Becken unterscheidet sich durch seine Herkunft. Beim Übergreifen der Subduktionsfront auf den kalkalpinen Raum endet die Sedimentation im Lammer Becken im Ober-Oxford. Ab dem Unter-Oxford beginnt sich nördlich davon die Trattberg Schwelle zu heben, die Material in das Tauglboden Becken schüttet. Im Zuge der weiteren tektonischen Verkürzung entsteht im Kimmeridge am heutigen Kalkalpensüdrand als neue Generation von Radiolaritbecken das Sillenkopf Becken, an deren Rändern sich im Unter-Kimmeridge eine Ober-Jura Flachwasser-Karbonatplattform entwickelt und die die Beckenfüllungen diskordant überlagert. Tektonische Lineamente, die sich frühestens im höheren Ober-Jura und spätestens während der miozänen Extrusionstektonik gebildet haben, trennen und versetzen diese Becken gegeneinander. Der heutige geologische Aufbau des Gebietes entspricht einem Block Puzzle (u. a. Berchtesgaden Block). Der Berchtesgaden Block ist ein im Oligozän nach Norden überschobener Block, der relativ an Ort und Stelle gebildet wurde und kann nicht als Decke angesehen werden, die in der Kreide überschoben wurde. Diese Ergebnisse verbessern das Verständnis von Sedimentationsprozessen vor orogenen Fronten und zeigen erstmals, wie eine polyphase tektonische Geschichte mit Hilfe von detaillierten Brekzienanalysen entschlüsselt werden kann. Die Erkenntnisse aus diesem Projekt sind somit für alle vorhandenen alpinen Gebirge in Europa von erheblicher Bedeutung, die nun unter Berücksichtigung unserer Ergebnisse detailliert neu untersucht werden sollten.

Forschungsstätte(n)
  • Montanuniversität Leoben - 100%
Internationale Projektbeteiligte
  • Heinrich Zankl, Philipps-Universität Marburg - Deutschland
  • Hans-Jürgen Gursky, Technische Universität Clausthal-Zellerfeld - Deutschland
  • Hisashi Suzuki, Otani University - Japan
  • Martin Algarra Agustin, Universidad de Granada - Spanien

Research Output

  • 215 Zitationen
  • 4 Publikationen
Publikationen
  • 2016
    Titel Middle and Late Jurassic radiolarians from the Neotethys suture in the Eastern Alps
    DOI 10.1017/jpa.2016.96
    Typ Journal Article
    Autor O’Dogherty L
    Journal Journal of Paleontology
    Seiten 25-72
    Link Publikation
  • 2015
    Titel Keratins Stabilize Hemidesmosomes through Regulation of ß4-Integrin Turnover
    DOI 10.1038/jid.2015.46
    Typ Journal Article
    Autor Seltmann K
    Journal Journal of Investigative Dermatology
    Seiten 1609-1620
    Link Publikation
  • 2010
    Titel Evidence for Jurassic subduction from the Northern Calcareous Alps (Berchtesgaden; Austroalpine, Germany)
    DOI 10.1007/s00531-010-0552-z
    Typ Journal Article
    Autor Missoni S
    Journal International Journal of Earth Sciences
    Seiten 1605-1631
  • 2010
    Titel Jurassic mountain building and Mesozoic-Cenozoic geodynamic evolution of the Northern Calcareous Alps as proven in the Berchtesgaden Alps (Germany)
    DOI 10.1007/s10347-010-0225-1
    Typ Journal Article
    Autor Missoni S
    Journal Facies
    Seiten 137-186

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