Medien und Popkultur in der Erzählliteratur jüngerer deutschsprachiger Autorinnen der 90er Jahre
Media and popculture in the narrative litterature (women writers)
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Geisteswissenschaften (20%); Medien- und Kommunikationswissenschaften (30%); Sprach- und Literaturwissenschaften (50%)
Keywords
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POPLITERATUR,
FRAUENLITERATUR,
GEGENWARTSLITERATUR,
NEUE MEDIEN,
NARRATIVIK,
POPKULTUR
Forschungsprojekt P 14164 Projekttitel: Medien und Popkultur in Frauenliteratur der Neunziger ProjektleiterIn: Klaus ZEYRINGER Bewilligungsdatum: 06.03.2000 Seit den 50er und 60er Jahren bestimmen Massenmedien (Radio, Fernsehen, Zeitungen, Magazine, seit kürzerem auch Computer und Internet) die sogenannte "Alltagskultur", in der sich als eigene kulturelle Matrix das Überschreitungs-Modell "Pop" abzeichnet. Aufgrund der enormen Wirksamkeit und Präsenz der auf kommerziellen Erfolg ausgerichteten elektronischen Massenmedien wird in kulturwissenschaftlichen Studien das Ausklingen des "Buchzeitalters" debattiert und in der Folge häufig eine gesellschaftliche Marginalisierung und Bedeutungsminderung der Literatur beklagt; mögliche Neupositionierungen und -definitionen zur notwendigen "Aktualisierung" der Literatur wurden und werden permanent gefordert, deklariert und getestet. Im Zentrum des Forschungsansatzes steht die Frage, wie in der Erzählliteratur jüngerer deutschsprachiger Schriftstellerinnen der 90er Jahre mit Medien und Populärkultur umgegangen wird: inwieweit/in welcher Weise ist deren Literatur inhaltlich und formal bereits davon geprägt? "Erneuert" sich die Literatur durch intermediale Ansätze? Welchen Anteil hat die Literatur andererseits am Überschreitungsphänomen "Popkultur"? Das Forschungsprojekt soll über konkrete Einflüsse der Medien/Popkultur auf die erzählende Literatur von Frauen im deutschsprachigen Raum Auskunft geben. Die Untersuchung beschränkt sich auf die jüngere Generation von Autorinnen, die mit der alltäglichen Präsenz der Medien bereits aufgewachsen ist, und von der daher angenommen werden kann, daß die Wahrnehmungsweisen, das ästhetische Empfinden und Denken davon beeinflußt sind. Anhand der Analyse einer größeren Anzahl von Texten soll ein Querschnitt narrativer Techniken, Erzählinhalte und -haltungen, die aus populären kulturellen Praktiken oder Kunstformen übernommen sind bzw. diese mehr oder weniger bewußt reflektieren, erarbeitet werden. Auf der Basis dieser Einzelanalysen und vor dem Hintergrund von rezeptions- und produktionsästhetischen Aspekten werden Literaturansätze sowie weibliche und künstlerische Rollenbilder in Überschreitungskontexten zur Medienkultur abgeleitet, die für die betreffende Gruppe von Autorinnen charakteristisch erscheinen und darüber hinaus in ihrer möglichen Paradigmen-Funktion überprüft werden können. Die Aufbereitung der Forschungsergebnisse erfolgt in Form eines Buchmanuskripts und eines spezifisch entwickelten Internetprojekts aufzubereiten.
Literatur in Buchform steht als erzählendes Medium in Konkurrenz zu anderen mächtigen Systemen der Narration. Dennoch war in den ausklingenden 90er Jahren von einem Boom und einer Erneuerung in der deutschen Literatur die Rede. Ausgangspunkt des Projekts war die Frage, wie jüngere Autorinnen, die mit der alltäglichen Präsenz der Medien bereits aufgewachsen sind, in ihrer Literatur auf diese Situation reagieren. Im Zentrum der Analyse standen Texte, die Bezüge zu Popkultur und Medien aufweisen, die Gegenwärtigkeit und Trendbewusstsein thematisch aufgreifen und / oder in der Diskussion um das "Fräuleinwunder" im Feuilleton Aufmerksamkeit erlangten. Es wurden Bücher folgender Schriftstellerinnen ausgewählt: Karen Duve, Silvia Szymnaski, Alexa Hennig von Lange, Sarah Khan, Lena Kugler, Zo Jenny, Julia Franck, Else Buschheuer, Carmen von Samson, Bettina Galvagni, Ildik von Kürthy, Bettina Balàka, Sibylle Berg, Tanja Dückers, Antje Rvic Strubel, Elke Naters, Robby Dannenberg/ Anke Stelling, Susanna Grann, Kathrin Dorn. Bei der Lektüre stellte sich heraus, dass viele Autorinnen (und Autoren) der jüngeren Generation nicht Verfahren anderer Medien mit literarischen Mitteln zu imitieren versuchen, sondern in bestimmter Hinsicht in ureigenste Gefilde des Schreibens zurückkehren: Ein Trend zur Verwendung der Ich-Form, die sich als Erzählhaltung auf das Innenleben der Figuren spezialisiert, ist deutlich wahrnehmbar. Viele Romane sind einfach konstruiert - Ich- Erzähler berichten aus ihrem Leben - folgen dabei aber nicht unbedingt und vor allem nicht durchgängig den erprobten Mustern der Unterhaltungsliteratur. Auf Experimente lassen sich die neuen AutorInnen eher im außerliterarischen Bereich ein. Mit der Bereitschaft zu untypischen Werbemaßnahmen oder, indem sie sich biografiebezogene Deutungen ihrer Werke gefallen lassen (oder sogar fördern), durchbrechen sie bisher als seriös geltende Konzepte der Autorschaft. Die scheinbare Authentizität ihrer Bücher wird von den Autorinnen selten zum Zweck der Demontage eines männlichen Blicks und Korrektur aus weiblicher Sicht eingesetzt, - unterstützt also auch eine Abgrenzung von der feministischen Tradition. Auch wenn die Ich-Form eine Erzählweise ist, deren Möglichkeiten vor allem mit sprachlichen Mitteln voll ausgeschöpft werden können, ist die multimediale Informationsgesellschaft trotzdem sehr präsent. Die scheinbare Autonomie des Subjekts und die Eindimensionalität des Erzählens werden durch explizite und implizite Medienspuren (Zitate, Themen, Handlung, Sprache etc.) zugleich wieder fragmentiert und erweitert. Die Ergebnisse der Projektarbeit werden in einem Buchmanuskript dargestellt, das nicht nur an ein wissenschaftliches Fachpublikum, sondern auch an literaturinteressierte Laien gerichtet ist. Aus diesem Grund wurde besonders auf allgemeine Verständlichkeit der Sprache und hohen Informationsgehalt wertgelegt.
- Institut de Perfectionnement en Langues Vivantes - 100%
Research Output
- 10 Zitationen
- 1 Publikationen
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2017
Titel Short-term carbon allocation dynamics in subalpine dwarf shrubs and their responses to experimental summer drought DOI 10.1016/j.envexpbot.2017.07.006 Typ Journal Article Autor Anadon-Rosell A Journal Environmental and Experimental Botany Seiten 92-102