Denkmäler der Situlenkunst in Österreich (7.-4. Jh. v. Chr)
Situla Art Monuments in Austria (7th - 4th century BC)
Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (100%)
Keywords
-
SITULA ART,
ORIENTLIZING STYLE,
ART OF THE IRON AGE,
TRIBAL FEAST,
MUSIC AND ATLETHIC AGONES,
RELIGIOUS ITEMS
Forschungsprojekt P 14177Denkmäler der Situlenkunst in Österreich (7. - 4. Jh. V. Chr.)Alexandrine EIBNER 24.01.2000 Das hier vorgelegte Projekt ist ein Beitrag zur Kultur der Eisenzeit Europas, wie sie sich vor allem im Südostalpenraum ausprägte. Seit 1962 (LUCKEFREY) kamen weitere bedeutende Situlendenkmäler zum Vorschein, sodaß es mehr als angebracht erscheint, sich diesem Themenkreis, erneut zu nähern. Die Bedeutung des hier angesprochenen Materials liegt darin, daß sich in der Situlenkunst Kulturzusammenhänge der eisenzeitlichen Kulturen des mitteleuropäischen Raumes wie unter anderem dem Osthallstattkreis, (Österreich, Ungarn, Slowakei) mit den Kulturen der Veneter, Rater und Kelten ergeben. Zugleich hatte dieser Raum aber auch die Funktion einer Berührungszone bzw. einer Peripherie zu den mediterranen Hochkulturen wie der estruskischen und dem archaischen Griechenland zu erfüllen, indem er Anregungen aufnahm und weiterverarbeitete. Über Vermittlung dieser Hochkulturen in der sog. orientalisierenden Phase gelangten auch Einflüsse aus dem Vorderen Orient in den noch in prähistorischem Milieu verharrenden Kulturraum, der dadurch Anstöße für seine Entwicklung bis an die Schwelle zur Geschichtlichkeit erfuhr. Diese wird vor allem durch die Schriftdenkmäler widergespiegelt, die sich in einigen Varianten bis nach Slowenien, Kärnten und Nordtirol nachweisen lassen. Durch die Bilder der Situlenkunst lassen sich aber vielleicht auch das Leben und die religiösen Sitten und Gebräuche der Bewohner dieser Gebiete erschließen: Eine Repräsentation der Herren/Fürsten in weltlichen und religiösen Belangen, dem die Frau als Vorsteherin des Oikos/Familienverbandes zur Seite steht, wie solches bei Homer anschaulich geschildert wird.
Das Projekt führte zu einer Neubewertung der Situlendenkmäler, sowohl was den Bildaufbau als auch die Ausführung anbelangt. Sensibilisiert durch die Entdeckung eines Vorentwurfes auf dem estensischen Eimerdeckel von Hallstatt gelang es Qualitätsunterschiede in der Formulierung und Ausführung von Situlendenkmälern unabhängig von der Größe der Objekte festzustellen. Dies konnte insbesondere am Fundbestand des Opferplatzes von Mechel/Meclo (Norditalien) hinsichtlich der Verwendung von ausgeschnittenen Altstücken und der Eigengestaltung von Blechen studiert werden. Die Wiederverwendung und Überarbeitung von Situlen und deren Deckeln zu Votivblechen unterstreicht ferner den prestigeträchtigen Charakter der im Situlenstil verzierten Gegenstände, der auch durch die Flickung bei den Gürtelblechen zum Ausdruck kommt. Damit gewinnen wir ebenfalls einen Einblick in Devotionaliengebräuche lange vor dem Christentum, denn es gibt auch eigens, wohl aufgrund eines Gelöbnisses, angefertigte Votivbleche. Diese finden sich in Heiligtümern, vor allem in Venetien, und auf den zahlreichen Nord- und Südtiroler Brandopferplätzen, die derzeit intensiv untersucht werden. Die Entdeckung der Vorzeichnungen auf der Vorderseite des Eimerdeckels von Hallstatt mittels einer fein eingeritzten Linie führte zu einer intensiven Suche danach auch bei den anderen Situlendenkmälern. Diese war auch insofern erfolgreich, wenn die Nachzeichnung mit dem Stichel nicht exakt der Vorritzung folgte. Bei der älteren Punkt-Buckel-Technik konnten ebenfalls Vorzeichnungen - hier allerdings auf der Rückseite - bei Votivblechen aus Mechel und von der Gurina (Kärnten) erkannt werden. Durch diese Forschungsarbeit angeregt, fanden Kollegen in Mainz bei neuerlichen Restaurierungsarbeiten auch auf den Bronzegefäßen aus den Fürstengräbern von Kleinklein (Steiermark) bei der in Punkt-Buckel-Technik ausgeführten Figuralverzierung Vorritzungen auf der Rückseite. Die sehr schlecht erhaltenen Situla von Toplice (Slowenien) mit fast irreparablen Korrosionsschäden konnte ebenfalls in Mainz restauriert werden. Im Zuge der Restaurierung tauchte unerwartet eine Jagdszene auf. Von dort liegt auch eine Einladung zur gemeinsamen Publikation einer Neuvorlage dieses Werkes vor. Aufgrund der Ergebnisse des Projektes verstärkt sich die Auffassung, dass in den figürlichen Darstellungen dieser Blechtreibkunst die Vorstellungswelt eisenzeitlicher Kulturen kodiert wurde, und damit eine wesentliche Ergänzung zu den Ideenwelten gebildet wird, die wir sonst nur aus archäologischen Zeugnissen rekonstruieren können.
- Universität Salzburg - 100%