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Etrusker und Umbrer: politische und kulturelle Beziehungen

Etruscans and Umbrians

Luciana Aigner-Foresti (ORCID: )
  • Grant-DOI 10.55776/P14210
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.04.2000
  • Projektende 31.05.2003
  • Bewilligungssumme 42.092 €

Wissenschaftsdisziplinen

Geschichte, Archäologie (100%)

Keywords

    ETRUSCANS, ORVIETO, UMBRIANS, TODI, CULTURAL RELATIONS

Abstract Endbericht

Forschungsprojekt P 14210Etrusker und Umber: politische und kulturelle BeziehungenLuciana AIGNER-FORESTI 24.01.2000 In der ausgehenden Bronzezeit bzw. frühen Eisenzeit begann die rasante kulturelle Entwicklung der zwischen Tyrrhenischem Meer und Tiber ansässigen Etrusker, die nicht ohne Einfluß auf die indoeuropäischen Nachbarvölker blieb, von denen vor allem die Umbrer durch eine langen Grenzverlauf (Tiber) mit Etrurien verbunden waren. Ziel des Projektes ist eine umfassende Analyse der etrusko-umbrischen Wechselbeziehungen auf kulturellem, sozio-ökonomischen und politischen Gebiet, und zwar innerhalb eines zeitlichen Rahmens, der sich von der Protovillanovakultur (10.Jh.v.Chr.) bis zum verstärkten Auftreten Roms in diesen Gebieten (3.Jh.v.Chr.) erstreckt. Von besonderem Interesse ist dabei auch die Frage nach der Rolle einer umbrischen Komponente bei der Volkwerdung der Etrusker. Quellenmaterial archäologischer (nur publiziert), ikonographischer, epigraphischer, linguistischer, numismatischer und literarischer Natur soll für diese Untersuchung herangezogen werden, wobei auf umbrischer Seite vor allem die Grenzstädte Gubbio und Todi und das weiter südlich gelegene Terni mit seiner protovillanovazeitlichen Nekropole, auf etruskischer Seite die Städte Chiusi, Orvieto/Volsinii, Cortona und Perugia im Mittelpunkt der Betrachtungen stehen. Grabritus (Verbrennung, Grabtyp), Siedlungsstruktur (Urbanisierung), Handelsprodukte und -wege, Kunsthandwerk (Bronzeverarbeitung, Funerärplastik), etruskisches Bildmaterial (Chiusi), numismatische Evidenz (Verbreitung etruskischer und umbrischer Münzen) und epigraphisches Material der Grenzgebiete (Namenformular) zeigen Berührungspunkte, deren Ausmaß näher untersucht und gedeutet werden muß. Von großer Bedeutung sind die Ergebnisse der Sprachwissenschaft, die den umbrischen Einfluß auf etruskische Wortformen im sozio- politischen Bereich (Lehnwörter für die Bezeichnung von Familienmitgliedern, Magistraten) betont. Eine Zusammenarbeit mit Vertretern des Faches ist geplant.

Die im westlichen Mittelitalien zwischen Arno und Tiber lebenden Etrusker waren unmittelbare Nachbarn der in historischer Zeit im Gebiet zwischen Tiber und Apennin (und darüber hinaus) ansässigen Umbrer, die im Gegensatz zu den Etruskern zur großen Gruppe der indoeuropäischen Italiker gehören. In einer rund 1000-jährigen Geschichte von der ausgehenden Bronzezeit im 11.Jh.v.Chr. bis zur endgültigen Romanisierung im 1.Jh.v.Chr. verband sie eine lange Phase wechselseitiger Einflußnahmen. Dabei ist von besonderem Interesse, daß in sprachwissenschaftlicher (so z.B. bei der Entlehnung von Wörtern aus der einen in die andere Sprache) und kultisch-religiöser Hinsicht der umbrische Einfluß auf Etrurien dominierend war - und nicht etwa umgekehrt, wie bei dem zivilisatorisch weiter fortgeschrittenen Volk der Etrusker zu erwarten gewesen wäre. Dies läßt sich damit erklären, daß in der tibernahen Zone des nordöstlichen Etrurien mit einer umbrischen Vorbevölkerung zu rechnen ist, deren Wurzeln in der späten Bronzezeit liegen und die sich im Laufe der Eisenzeit mit den expandierenden Etruskern vermischte. In wirtschaftlicher Hinsicht wiederum übten ab dem 6.Jh.v.Chr. vor allem die ökonomisch potenten Städte Inneretruriens - wie Orvieto, Chiusi, Perugia, Cortona und Arezzo - eine große Anziehungskraft auf die umbrischen Gemeinden aus, besonders in den tibernahen Zonen des südlichen Umbrien (Todi, dessen Name von umbrisch Tuder = "Grenze" kommt, Amelia) und der oberen Valle Umbra (Bevagna, Assisi). Konkret territoriale Expansion in umbrisches Gebiet betrieb das grenznahe Perugia ab dem 4.Jh.v.Chr. Die im 3.Jh.v.Chr. in einigen wenigen umbrischen Siedlungen wie Todi und Gubbio entstehenden Münzwerkstätten folgten stark dem etruskischen Vorbild. Auch der kulturelle Niederschlag ist beachtlich: Das ab dem Ende des 5.Jhs. punktuell in Umbrien (z.B. Todi) übernommene Alphabet stammt zunächst aus Etrurien. Die weit verbreitete umbrische Votivkleinplastik fußt auf der etruskischen Bronzeplastik. Befestigungtechnik und damit verbundene städtische Organisation zeigen in manchen Bereichen deutlich etruskische Einflüsse. In einer Reihe mit diesen Berührungspunkten steht das politisch-militärische Zusammengehen beider Völker gegen die Expansionsbestrebungen Roms, das letztendlich jedoch erfolglos war und in einer weitgehenden Romanisierung sowohl der Etrusker als auch der Umbrer endete.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Wien - 100%

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