Publikationserstellung: Der römische Vicus von Kalsdorf
Preparing the Publication: The Roman Vicus of Kalsdorf
Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (100%)
Keywords
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ROMAN SETTLEMENT,
PROVINCE NORICUM,
VICUS,
KARLSDORF BEI GRAZ
Forschungsprojekt P 14329Publikationserstellung: Der römische Vicus von KarlsdorfGerda SCHWARZ06.03.2000 Das Institut für klassische Archäologie der Universität Graz hat in den Jahren 1990 bis 1995 ca. 4.000 qm eines römerzeitlichen Vicus in Kalsdorf bei Graz freigelegt. Bis zum Herbst 1999 kam es zu weiteren Untersuchungen im Vicus-Gelände. Während der letzten Jahre wurde mit der Bearbeitung des baulichen Befundes sowie ausgewählter Fundkategorien begonnen. Ein Teil der Resultate liegt nun seit Herbst 1999 vor. Während der Bearbeitung des baulichen Befundes konnten zwei Siedlungsperioden festgestellt werden: Die erste Siedlungsperiode beginnt im 3. Viertel des 1. Jhs. n. Chr. Sie wurde hauptsächlich durch die Reste von langgezogenen Holzbalken und Pfostenlöchern nachgewiesen. Im Laufe der 1. Hälfte des 2. As. n. Chr. wurde diese Bauweise aufgegeben. Es entstanden in einer 2. Siedlungsperiode vorerst Einraumbauten, von denen der gemauerte Fundamentsockel erhalten blieb. In einer 2. Bauphase wurden diese einfachen Häuser an drei Seiten mit einem Umgang versehen, sodass der für die Vicus-Gebäude von Kalsdorf typische Hausgrundriß (annähernd quadratischer Hauptraum mit dreiseitigen Umgang) entstand. Das Ziel dieses Projektes soll die Erstellung einer Gesamtpublikation sein. Es soll das nach 1996 bei Baustellenbeobachtungen und kleineren archäologischen Aktivitäten hinzugekommene Fundmaterial und die noch nicht untersuchten Funde (Bronze, Eisen, Amphoren, italische Sigillata) bearbeitet und für eine Gesamtschau vorbereitet werden. Die Schichten der einzelnen Siedlungsperioden müssen mit dem jüngst bearbeiteten Material vergesellschaftet werden, sodass es zu einer Gesamtauswertung des Baubefundes und zu einer Gesamtbetrachtung der Siedlungsstruktur kommen kann. Mit der Aufarbeitung des zivilen Vicus von Kalsdorf, der fernab der großen Handelsrouten im sogenannten "Hinterland" im Gebiet des municipium von Flavia Solva entstand, wurde ein weiterer Forschungsschwerpunkt in der Provinz Noricum geschaffen. Das Ziel ist es, die Ergebnisse der Öffentlichkeit in Form einer Publikation zugänglich zu machen. Für die allgemeine Forschung hat die Arbeit nur Sinn, wenn die umfangreichen Ergebnisse in einer Publikation vorliegen, damit die Aktualität der Wissenschaft gewährleistet wird.
Mit der Untersuchung und Publikation ziviler Siedlungen mit kleinstadtartigem Wesen (Vici) setzte das Institut für Archäologie der Universität Graz einen Forschungsschwerpunkt für die Provinz Noricum. Im Zuge größerer Ausgrabungskampagnen von 1988 bis 1990 wurde in Gleisdorf in der Oststeiermark ein Teil eines römerzeitlichen Vicus freigelegt. Im Anschluss an diese Untersuchung wurde ein längerfristiges Forschungsvorhaben im römerzeitlichen Vicus von Kalsdorf bei Graz unweit der römerzeitlichen Stadt Flavia Solva durchgeführt. Die planmäßigen Ausgrabungen dauerten von 1990 bis 1995 auf der Parzelle 421/1 auf einem zur Verbauung frei gegebenem Areal und erstreckten sich über eine Fläche von ca. 4000 m 2 . Bis 1999 kam es immer wieder zu Baustellenbeobachtungen im Areal der römerzeitlichen Siedlung. Parallel zu den Ausgrabungen wurde mit der Auswertung des Baubefundes und des Fundmaterials begonnen. Die Publikation behandelt einerseits die Forschungsgeschichte, die Auswertung des baulichen Befundes der Ausgrabungen auf der Parz. 421/1 mit Fragen zur Ausstattung sowie weiteren Befunden bis zum Jahr 2000, als auch ausgewählte Fundkomplexe und Fundgattungen und einer Zusammenfassung der Siedlungsgeschichte. Das Areal der späteren römischen Siedlung wird bereits im frühen 1. Jh. n. Chr. vereinzelt von einheimischen Kelten besiedelt gewesen sein, worauf überlieferte Namen und dafür typische Keramik und Münzen hinweisen. Im Zuge der fortschreitenden Romanisierung der Provinz Noricum seit der Mitte des 1. Jh. n. Chr. wurde die Siedlung nach einem planmäßigen Schema angelegt. So konnten in einer 1. Phase langrechteckige Holzbauten freigelegt werden, die an eine langgezogene Umfassungsmauer anschließen. Ein Ausbau in Stein erfolgte in zwei weiteren Bauphasen, wo sich auch der für die Siedlung typische Hausgrundriß entwickelte: um einen annähernd quadratischen Haupt(wohn)raum wurde an drei Seiten ein schmaler Umgang gebaut, der noch weitere Nebenräume beinhalten konnte, hauptsächlich jedoch wirtschaftlichen Zwecken diente. Anhand des Fundmaterials - darunter importierte Keramik, Münzen und Glasfunde - kann der Beginn der Siedlung ab frühestens neronischer Zeit angesetzt werden. Der Höhepunkt war in der 2. Hälfte des 2. Jh. n. Chr., während das Ende im 4. Jh. n. Chr. anzusetzen ist.
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