Die albanische Volkszählung von 1918
The Albanian census of 1918: data entry and basic analysis
Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (50%); Soziologie (50%)
Keywords
-
ALBANIEN,
GESCHICHTE,
BEVÖLKERUNG,
DEMOGRAPHIE,
KULTURWISSENSCHAFT,
VOLKSZÄHLUNG
Die österreichisch-ungarischen Besatzungstruppen führten im März 1918 im Großteil Albaniens eine Volkszählung durch. Um die Zählung durchführen zu können, mußten erst im ganzen Gebiet die Häuser nummeriert und Familiennamen festgelegt werden. Die Zählungsunterlagen sind durch einen Zufall auch in den Detailergebnissen erhalten geblieben und sind im Archiv der Österreichischen Akademie der Wissenschaften verwahrt. Die Ergebnisse der Volkszählung sind von großer Bedeutung, nicht nur, weil sie die erste war, die seit dem Bestehen des albanischen Staats durchgeführt wurde, sondern auch, weil die zwei weiteren Volkszählungen vor 1945 nicht an die Präzision dieser Volkszählung heranreichen. Da diese nicht nur bloß die Bevölkerung zählte, sondern auch viele weitere Angaben über jede einzelne Person sammelte, stellt sie eine einzigartige Quelle für kulturwissenschaftliche, historische und demographische Fragestellungen dar. Das Ziel des Forschungsprojektes ist es, die Volkszählungsergebnisse elektronisch zu erfassen und erste Basisauswertungen durchzuführen. Damit wäre die Grundlage für weitere Forschungen und Studien geschaffen.
Das Forschungsprojekt beruht auf den Ergebnissen der ersten in Albanien durchgeführten Volkszählung, die 1918 unter österreichischer Leitung durchgeführt wurde. Die entsprechenden Unterlagen sind erhalten geblieben und liegen im Archiv der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Im Rahmen des Projektes wurden aus allen Regionen Albaniens insgesamt ca. 120.000 Personen erfasst. Im folgenden einige wichtige Ergebnisse des Projektes: Das durchschnittliche Heiratsalter der Frauen betrug 18,8 Jahre und das durchschnittliche Heiratsalter der Männer betrug 26,4 Jahre. Die einzelnen Kreise bzw. Städte wichen in diesem Zusammenhang teilweise stark voneinander ab: bei Frauen reichte das durchschnittliche Heiratsalter von 16,0 bis 22,5 Jahre und bei Männern von 20,7 bis 33,5 Jahre. Das niedrigste Heiratsalter war an der Küste zu finden und das höchste Heiratsalter in den Städten. Das unterschiedliche Heiratsalter von Männern und Frauen führte zu einem durchschnittlichen Altersunterschied von beinahe 10 Jahren zwischen den Eheleuten. 6,2 % aller verheirateten muslimischen Männer waren mit mehr als einer Frau verheiratet. Dieses Heiratsverhalten war in den Stammesgebieten in Nordalbanien am häufigsten. Es gab auch vereinzelte Fälle von christlichen Männern, die trotz Verbotes mit zwei Frauen zusammen lebten. Ehen zwischen Angehörigen zweier unterschiedlicher Ethnien oder Religionsgemeinschaften waren äußerst selten. Nach der Eheschließung war es beinahe durchgehend der Fall, dass die Ehefrau in den Haushalt des Mannes bzw. des Vaters des Mannes übersiedelte, während eine Übersiedlung in den Haushalt der Frau äußerst selten war. 45 % der Bevölkerung lebte in komplexen Haushalten, d.h. in Haushalten mit mehr als einem Ehepaar und nur 25 % der Bevölkerung lebte in Kernfamilien. Diese komplexen Haushalte waren vor allem in den Stammesgebieten des Nordens verherrschend, während in den Städten die Kernfamilien wesentlich häufiger waren. Das patriarchale Denken betrachtete es als besonders wichtig, dass der Haushalt in der männlichen Linie weiterbestand und deshalb wurde besonderer Wert auf die Geburt von Söhnen gelegt. Die Wiederverheiratung von Witwern, die Heirat mit einer zweiten Frau und das Zusammenleben von verheirateten Brüdern erhöhten die Wahrscheinlichkeit, dass der Weiterbestand gesichert wurde. Trotz all dieser Bemühungen war aber ein Anteil von ungefähr einem Viertel der Männer nicht erfolgreich in ihrem Bemühen, im Alter wenigstens einen Sohn im gemeinsamen Haushalt zu haben, weil die hohe Sterblichkeit viele dieser Söhne bereits als Kinder ereilte.
- Universität Graz - 100%
- Karl Kaser, Universität Graz , assoziierte:r Forschungspartner:in
Research Output
- 126 Zitationen
- 2 Publikationen
-
2012
Titel RESCALE: Voxel-specific task-fMRI scaling using resting state fluctuation amplitude DOI 10.1016/j.neuroimage.2012.12.019 Typ Journal Article Autor Kalcher K Journal NeuroImage Seiten 80-88 Link Publikation -
2013
Titel Effects of transcranial direct current stimulation on risky decision making are mediated by ‘hot’ and ‘cold’ decisions, personality, and hemisphere DOI 10.1111/ejn.12375 Typ Journal Article Autor Pripfl J Journal European Journal of Neuroscience Seiten 3778-3785