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Die Welt im Kleinen: Die Weltausstellungen im 19. Jahrhundert

The World in a Village: The Word Exhibitions in the 19th century

Michael Gehler (ORCID: )
  • Grant-DOI 10.55776/P14427
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.04.2001
  • Projektende 31.03.2004
  • Bewilligungssumme 137.855 €

Wissenschaftsdisziplinen

Andere Geisteswissenschaften (10%); Geschichte, Archäologie (70%); Soziologie (10%); Wirtschaftswissenschaften (10%)

Keywords

    WORLDEXHIBITIONS, INDUSTRIAL HISTORY, GLOBALISATION, TRANSNATIONAL CULTURETRANSFER, SOCIETAL RELATIONSHIPS, ECONOMIC AND POLITICAL ELITES

Abstract Endbericht

Forschungsprojekt P 14427Die Welt im Kleinen: Die Weltausstellungen im 19. JahrhundertMichael GEHLER08.05.2000 Das Projekt will zur Erforschung der Konstituierung und inhaltlichen Ausgestaltung globaler Kommunikationsräume in historischer Perspektive beitragen. Am Beispiel der Weltausstellungen des 19. Jahrhunderts, die solche globalen Kommunikationsräume schufen, soll untersucht werden, wie darin weltgesellschaftliche Vorstellungen definiert und diskursiv transformiert wurden, wie wirtschaftliche, politische und soziale Entwicklungsoptionen der Menschheit symbolisch inszeniert wurden und wie so allmählich ein weltöffentlicher institutioneller Wettbewerb entstand, der den internationalen Kulturtransfer erleichterte. Forschungsleitende Hypothese ist die Annahme, daß Industrialisierung, Ausweitung des internationalen Handels und moderne Verkehrs- und Kommunikationstechnologien in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erstmals einen breiteren internationalen politischen Diskurs über wirtschaftliche, politische und soziale Entwicklungsfragen ermöglichte. Die Weltausstellungen waren dafür ein zentrales Medium. Ausstellungsbesuche und eine umfangreiche internationale Berichterstattung erhöhten deren Reichweite. Drei Leitfragen werden gestellt. Die erste betrifft die symbolische Konstruktion und die Diskussion globaler nationaler, kultureller und gesellschaftlicher Hierarchieebenen und inwieweit es staatlichen (Japan) und gesellschaftlichen Akteuren (Gewerkschaften, Frauenbewegung) mit ihren Ausstellungsbeiträgen gelang, das anfangs dominante, westlich, bürgerlich und männlich geprägte Weltbild zu erweitern. Die zweite Leitfrage richtet sich auf die Repräsentation und den internationalen Transfer politisch-gesellschaftlicher Leitbilder auf den Weltausstellungen. Es soll untersucht werden, wie auf den Weltausstellungen die drei zentralen Fragen nach der effizientesten wirtschaftlichen Organisationsform, der modernsten und stabilsten politischen Verfassung und den erfolgversprechendsten Ansätzen zur Lösung der "sozialen Frage" diskutiert wurden. Schließlich betrifft die dritte Leitfrage die Aneignung und Abwehr der symbolisch vermittelten Botschaften durch die Besucher und Berichterstatter und somit deren gesellschaftliche Reichweite.

Dieses Forschungsprojekt hatte zum Ziel, die Funktion der Weltausstellungen für die politische Kultur der Internationalisierung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu analysieren. Es hat die Bedeutung der nationalen Repräsentation auf den Weltausstellungen für die Genese und Erweiterung einer wirtschaftlich, politisch und kulturell definierten "westlichen" Welt untersucht; weiterhin die Funktion der Ausstellungen für die Popularisierung und den grenzüberschreitenden Transfer von gesellschaftlichen Arrangements wie dem Freihandel; sowie schließlich die Rezeption der dominanten Botschaften der Ausstellungen bei drei sozialen Gruppen: Arbeitern, Frauen und indigener Bevölkerung aus europäischen und amerikanischen Kolonien. Obwohl alle Organisatoren international bedeutender Weltausstellungen bestimmte hegemoniale Botschaften mit ihrer jeweiligen Konzeption und Struktur verbanden, hat das Forschungsprojekt vor allem gezeigt, dass die Kommunikationsräume der Weltausstellungen nur sehr bedingt kontrollierbar waren und somit zur Organisation und Artikulation alternativer Konzeptionen von "Globalisierung" unter den Bedingungen des 19. Jahrhunderts einluden. Diese Pluralisierung förderte letztlich grenzüberschreitende emanzipatorische Forderungen von Arbeitern, Frauen und indigenen Bevölkerungsgruppen nach Mitbestimmung und sozialer Besserstellung, Gleichberechtigung bzw. Autonomie und Unabhängigkeit.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Innsbruck - 100%

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