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Die Debattenlehre im Kontext der indischen Medizingeschichte

´Debate´ in the Context of the History of Indian Medicine

Karin Preisendanz (ORCID: )
  • Grant-DOI 10.55776/P14451
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 16.03.2001
  • Projektende 16.03.2004
  • Bewilligungssumme 160.233 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Andere Humanmedizin, Gesundheitswissenschaften (10%); Philosophie, Ethik, Religion (10%); Sprach- und Literaturwissenschaften (80%)

Keywords

    INDOLOGIE, MEDIZINGESCHICHTE, INDISCHE PHILOSOPHIEGESCHICHTE, AYURVEDA, DEBATTENLEHRE, LOGIK

Abstract Endbericht

Forschungsprojekt P 14451Die Debattenlehre im Kontext der indischen MedizingeschichteKarin PREISENDANZ08.05.2000 Ziel des Projektes sind die kritische Edition und annotierte Übersetzung des achten Kapitels des Vimanasthana der Carakasamhita, einem der wichtigsten und ä1testen Zeugnisse der klassischen indischen Medizin (Ayurveda). Es ist geplant, hierbei möglichst alle verfügbaren Manuskripte und Editionen sowie die erhaltenen Kommentare zu berücksichtigen. Einerseits soll eine philologisch verläßliche Grundlage für das bessere Verständnis der Tradition der Debatte in der Frühzeit der indischen Philosophie erarbeitet werden, andererseits Licht auf didaktische und wissenschaftssoziologische bzw. -geschichtliche Gesichtspunkte der klassischen indischen Medizin sowie auf die spätkolonialzeitliche Überlieferung und Rezeption der Carakasamhita geworfen werden. Dem Indologen soll damit erstmals ein gut abgesicherter Zugang zum Quellenmaterial, das den für die frühe Philosophiegeschichte bedeutsamen Abschnitt über die Debatte, (sambhasavidhi) in der Carakasamhita einschließt, eröffnet werden. Dem nicht indologisch ausgebildeten Wissenschafts- und Philosophiehistoriker soll darüber hinaus ein authentischer Einblick in dieses wertvolle Zeugnis der indischen Medizingeschichte und Debattenlehre vermittelt werden. Das Projektziel soll durch folgende Teilergebnisse verwirklicht werden: 1. Kritische Edition von Carakasamhita, Vimanasthana 8, inklusive der stemmatologischen. und paläographischen Untersuchung der Manuskripte, unter Berücksichtigung möglichst aller verfügbarer Manuskripte und Editionen. 2. Arbeitsedition. der Ayurvedadipika (um 1100 n. Chr.), des ä1testen erhaltenen Kommentars zur Carakasamhita, eventuell auch anderer, noch nicht identifizierter anonymer Kommentare zum sambhasavidhi anhand der Manuskripte. 3. Annotierte Übersetzung des gesamten Textes von Vimanasthana 8 auf Grundlage der kritischen Edition und unter Berücksichtigung der Kommentare. 4. Kompositionsanalyse des gesamten Textes von Vimanasthana 8 unter Berücksichtigung von Struktur und Stil. 5. Ideengeschichtliche Studie zum sambhasavidhi, begleitet von einer vergleichenden Analyse von Nyayasutra I und 5.2 unter Berücksichtigung des Nydyabhdsya. 6. Rekonstruktion und Bewertung der Publikationsgeschichte der Carakasamhita als Beitrag zur Erforschung der spätkolonialzeitlichen Überlieferung und Rezeption. des Ayurveda.

Im Zentrum des Projektes zur Debattenlehre im Kontext der indischen Medizingeschichte stand die ideengeschichtliche Erarbeitung der frühen Debattenlehre in Indien, wie sie sich im ältesten erhaltenen medizinischen Kompendium Indiens, der Carakasamhita, findet (ca. 1.-2. Jahrhundert). Überlegungen zur Methode der Debatte, dabei besonders zur adäquaten Begründung einer These, zu ihrer Struktur und ihren Bestandteilen im weitesten Sinne und zu ihren Regeln stehen in Indien ideengeschichtlich in engem Zusammenhang mit der Entwicklung der philosophischen Dialektik und der Logik; über die Betrachtung der in einer Debatte zulässigen Erkenntnisquellen besteht weiters ein Bezug zur Entwicklung der Epistemologie. Die ausführliche Darstellung der Debatte im dritten Kapitel der Carakasamhita stellt in der Zusammenschau mit anderen frühen Quellen ein wertvolles Zeugnis für die detaillierte Erforschung dieser Zusammenhänge dar. Bis jetzt war der vielfach veröffentlichte umfangreiche Sanskrit-Text der Carakasamhita jedoch nur in einer unkritischen Ausgabe zugänglich und es bestand der Verdacht, dass die Herausgeber in den originalen Text eingegriffen haben. Aus diesem Grunde wurden im Projekt bis jetzt fünfundachtzig in Indien und in Europa aufbewahrte Manuskripte der Carakasamhita - darunter viele vollständige, aber auch solche, die andere philosophiegeschichtlich relevante Kapitel des Werkes enthalten - in unterschiedlicher Form zugänglich gemacht; dabei konnten durch Recherchen vor Ort in Indien auch Kopien von Manuskripten beschafft werden, deren Existenz bis jetzt nicht bekannt gewesen ist. Die vierunddreissig direkt projektrelevanten, in verschiedenen indischen Schriften geschriebenen Manuskripte dieser einzigartigen Materialsammlung wurden ihrer Bedeutung gemäss ausführlich beschrieben, womit auch ein Beitrag zu Kodikologie indischer Manuskripte, besonders zur Kenntnis der Schreibertraditionen, geleistet wurde. Parallel wurden die abweichenden Lesungen der Manuskripte zum relevanten Textteil gesammelt und auf dieser Grundlage eine Hypothese zum historischen Zusammenhang der Manuskripte erarbeitet, die zwei Überlieferungstraditionen des Textes aufzeigt. Diese beiden Traditionen stellten sich auch als in der komplizierten Publikationsgeschichte der Carakasamhita reflektiert heraus, die im Projekt erstmals erhellt werden konnte. Die Sammlung der unterschiedlichen Lesungen, wobei sich der Verdacht der Textmanipulation durch Herausgeber bestätigte, erlaubte es, mit der Erstellung eines neuen und verlässlichen kritischen Textes auf dieser Basis zu beginnen; ferner wurden bereits Einzelstudien zu dialektischen und logischen Themen, wie z.B. der Rolle gegnerischer Einwände für die Feststellung der logischen Verbindung zwischen Grund und Folge und der Rolle des Beispiels, im Vergleich mit anderen frühen Quellen durchgeführt.

Forschungsstätte(n)
  • Österreichische Akademie der Wissenschaften - 100%

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