Geschichte des Österreichischen Alpenvereins
History of the Austrian Alpine Club
Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (35%); Soziologie (35%); Wirtschaftswissenschaften (30%)
Keywords
-
ALPENVEREIN/ ALPINE CLUBS,
VEREINSENTWICKLUNG,
GESCHICHTE/ HISTORY,
ALPENLÄNDER/ ALPINE REGIONS,
ALPINISMUS/ ALPINISM,
DEVELOPMENT OF SOCIETIES
In seinen 140 Tätigkeitsjahren hat der Oesterreichische Alpenverein eine Größenordnung und eine derart starke Breitenwirkung erreicht, dass er zu einer gesellschaftlichen Institution wurde, die die Entwicklung der Alpenländer nachhaltig mitprägte. Der Oesterreichische Alpenverein, der im Jahre 2000 mehr als 271.000 Mitglieder zählte, beeinflußte nicht nur das Leben und die Freizeitgestaltung seiner Mitglieder, sondern trug auch wesentlich zu den wirtschaftlichen und soziokulturellen Veränderungen der letzten eineinhalb Jahrhunderte in den Alpenländern bei. Der alpine Tourismus in seiner heutigen Form, mit all seinen direkten und indirekten Auswirkungen, die Erschließung der Berge durch Hütten- und Wegebau, die Erforschung der Alpen oder die Ausbildung der Bergführer - um nur einige Aspekte zu nennen - wären ohne die Tätigkeiten des Alpenvereins nicht denkbar. Von der Gründung des Alpenvereins 1862 bis zur Gegenwart soll eine breite und wissenschaftlich fundierte Analyse des Oesterreichischen Alpenvereins vor dem Hintergrund der österreichischen Gesellschafts- und Wirtschaftsgeschichte gegeben werden. Dabei gilt es, sowohl die Vereinsentwicklung des Oesterreichischen Alpenvereins selbst als auch das Wirken des Alpenvereins nach außen zu untersuchen. Die Erfassung des Phänomens Alpenverein beinhaltet die Vereinsmitglieder, die Organisation und Struktur des Vereins, seine Ziele und die Vielfalt seiner Sektionen und Aktivitäten. Sein Wirken nach außen umfaßt neben der wissenschaftlichen Erforschung der Alpen und dem Hütten- und Wegebau, der die Infrastruktur der Alpenländer nachhaltig prägte, auch die Einführung der Bergrettung und des Bergführerwesens, die Förderung von Kunst und Expeditionen sowie und die Entwicklung des Bergsports. Weiters sollen die Bestrebungen des Alpenvereins um den Naturschutz und das internationale Wirken des Alpenvereins beleuchtet werden. Ebenfalls im Zentrum des Interesses sind die gesellschaftlichen Veränderungen, die vom Alpenverein bewirkt wurden. Er war wesentlich daran beteiligt, die Menschen in den Städten mit den Alpen in Kontakt zu bringen und vertraut zu machen, was in der Folge Alpenbegeisterung auslöste und das Urlaubsverhalten zahlloser Menschen mitbestimmte. Die bewusstseinsbildende Kraft des Alpenvereins ging jedoch über die Vermittlung des Alpenerlebnisses hinaus. Aufgrund seiner gemeinschaftsfördernden Aktivitäten, vermochte er die Menschen auch in anderer Hinsicht zu beeinflussen. Es wird zu untersuchen sein, welche Ideologien und Werthaltungen auf diese Weise vermittelt wurden und welche Auswirkungen sie hatten, wobei insbesondere, aber nicht nur, die Nähe des Alpenvereins zum nationalsozialistischen Gedankengut kritisch zu untersuchen sein wird.
Von seiner Gründung 1862 und bis zum Ende des Ersten Weltkrieges 1918 erreichte der Alpenverein eine Größe und derart starke Breitenwirkung, dass sie ihn in die Lage versetzten, die Entwicklung der Alpenländer nachhaltig mitzuprägen. Der Oesterreichische Alpenverein, gegenwärtig mit mehr als 300.000 Mitgliedern der zweitgrößte Verein Österreichs, beeinflußte nicht nur das Leben und die Freizeitgestaltung seiner Mitglieder, sondern trug seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts auch wesentlich zu den wirtschaftlichen und soziokulturellen Veränderungen in den Alpenländern bei. Der alpine Tourismus in seiner heutigen Form, mit all seinen direkten und indirekten Auswirkungen, die Erschließung der Berge durch Hütten- und Wegebau, die wissenschaftliche Erforschung der Alpen oder die Ausbildung der Bergführer - um nur einige Aspekte zu nennen - wären ohne die Tätigkeiten des Alpenvereins nicht denkbar. Auch setzte der Verein frühe Bestrebungen in Sachen Naturschutz, dessen Wichtigkeit er bald erkannte, übernahm wohltätige Aufgaben in den Gebirgstälern, führte Bergrettungsdienste durch , gab Landkarten heraus, förderte Kunst, alpine Literatur und Expeditionen, begann Maßnahmen zur Jugendarbeit und war an der Entwicklung des Bergsports maßgeblich beteiligt. Der Alpenverein verband ideelle mit praktischen Zielen. Einerseits versuchte er, dem Wunsch seiner vorwiegend in den Städten lebenden Mitglieder nachzukommen und ihnen geistige und körperliche Anregung, Erholung und Erfrischung durch den Naturgenuss, ein Gegengewicht zur schädlichen Überkultur und die Möglichkeit zur Bewährungsprobe für Charaktereigenschaften wie Entschlossenheit, Wagemut und Geistesgegenwart zu bieten. Dieses Bedürfnis wurde sowohl aktiv auf Alpenfahrten und gemeinsamen Ausflügen als auch passiv durch gesellige Zusammenkünfte, Vorträge, Bälle, Diskussionen und Publikationen gestillt. Durch seine praktischen Taten ermöglichte der Alpenverein den Touristen überdies, die Alpen komfortabel zu bereisen. Andererseits trachtete der Verein danach, der einheimischen Bevölkerung in den Gebirgstälern durch den Tourismus neue Verdienstmöglichkeiten und eine Steigerung ihres Lebensstandards zukommen zu lassen sowie belehrend und kulturbringend` auf sie zu wirken. Während Sport als die Befriedigung eines rein egoistischen Interesses verstanden und abgelehnt wurde, betonte der Alpenverein sein gemeinnütziges Wirken, das von der Öffentlichkeit, der Politik und der Verwaltung auch entsprechend gewürdigt wurde. Nach einer enormen Expansion des Vereins - 1913 gab es von der Nordsee bis zum Bodensee, von der Ostsee bis zur Adria keinen größeren Ort ohne Alpenvereinssektion - kam es im Ersten Weltkrieg zu einer Radikalisierung der Einstellungen innerhalb des Alpenvereins, die für die weitere Vereinsentwicklung schwerwiegende Folgen hatte.
- Universität Innsbruck - 100%