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Struktur-Funktionsbeziehung humaner Peroxidasen

Structur-function relationships of human peroxidases

Paul Georg Furtmüller (ORCID: 0000-0002-1199-2469)
  • Grant-DOI 10.55776/P15660
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.10.2002
  • Projektende 30.09.2005
  • Bewilligungssumme 207.908 €

Wissenschaftsdisziplinen

Biologie (80%); Medizinisch-theoretische Wissenschaften, Pharmazie (20%)

Keywords

    Myeloperoxidase, Eosinophil Peroxidase, ^site-directed mutagenesis, Reduction Potential, Stopped-Flow Spectroscopy, Halide Oxidation

Abstract Endbericht

Die Peroxidase Superfamilie II umfasst die Enzyme Myeloperoxidase (MPO), Eosinophile Peroxidase (EPO), Laktoperoxidase (LPO) und Thyroidperoxidase (TPO). MPO und EPO kommen in spezialisierten weißen Blutzellen (Neutrophile bzw. Eosinophile) vor, während LPO Bestandteil vieler Sekrete (z.B. Milch oder Tränenflüssigkeit) ist. MPO, EPO und LPO spielen eine wichtige Rolle bei der unspezifischen Immunabwehr, während TPO an der Biosynthese von Schildrüsenhormonen beteiligt ist. Die herausragende biochemische Reaktion von MPO, EPO und LPO ist beispielweise die Oxidation von Halogeniden und anderen biogenen Anionen mittels Wasserstoffperoxid. Die gebildeten Reaktionsprodukte werden bei phagozytotischen Prozessen in der Abwehr von Pathogenen (Bakterien, Viren) eingesetzt. Zudem scheinen diese Enzyme auch bei entzündlichen Gewebsschädigungen bei diversen Krankheiten prominent beteiligt zu sein (z.B. bei rheumatoider Arthritis oder Arteriosklerose, Asthma ect.). Der genaue Wirkmechanismus ist jedoch ungeklärt. Myeloperoxidase, Eosinophile Peroxidase und Laktoperoxidase unterscheiden sich dramatisch in der Substratspezifität und der Reaktivität der Enzymintermediate. Trotz ihrer physiologisch so bedeutenden Rolle ist der Reaktionsmechanismus dieser Enzyme bislang nicht mit modernen biochemischen und kinetischen Methoden untersucht worden. Das vorliegende Projekt bietet nun erstmals die Möglichkeit Struktur-Funktionsbeziehungen dieser Enzyme im Detail zu studieren. Dem Einreicher ist es in den letzten Jahren gelungen, große Mengen an MPO und EPO aus dem menschlichen Blut zu isolieren und Methoden zum Studium der kurzlebigen Enzymintermediate mit Hilfe der sequentiellen Stopped-flow Technik zu etablieren. Durch Zusammenarbeit mit einer belgischen Gruppe unter Dr. N. Moguilevsky (Uinversität Brüssel), die als einzige bisher funktionsfähige rekombinante MPO durch Expression in Hamsterzellen produzieren konnte, sollen nun mit Hilfe der bekannten dreidimensionalen Struktur von MPO und der ortsspezifischen Mutagenese zahlreiche Mutanten produziert und umfangreiche kinetische Untersuchungen durchgeführt werden. Durch Vergleichsuntersuchungen an den aus dem Blut isolierten Enzymen und Modellierungsexperimenten soll dann der detailierte Reaktionsmechanismus und die physiologische Relevanz dieser außergewöhnlichen Proteine geklärt werden.

Die humanen Peroxidasen Myeloperoxidase (MPO), Eosinophile Peroxidase (EPO) und Lactoperoxidase (LPO) sind Teil der angeborenen Immunabwehr. Sie werden bei der Abwehr von pathogenen Mikroorganismen in hohen Konzentrationen freigesetzt und katalysieren Halogenierungs-, Nitrosylierungs- und Oxidationsreaktionen von Biomolekülen, wodurch Bakterien und Viren inaktiviert werden. Oftmals kommt es dabei auch zur oxidativen Schädigung körpereigener Gewebe und Entzündungen sind die Folge. MPO und EPO sind in speziellen weißen Blutzellen in hohen Konzentrationen vorhanden und ihre Plasma- bzw. Gewebskonzentration korreliert mit dem Infektions- und/oder Entzündungsgrad. Die humanen Peroxidasen werden daher mit der Pathogenese vieler Krankheiten in Zusammenhang gebracht, die in westlichen Gesellschaften eine bedeutende Rolle spielen, wie z.B. Atherosklerose oder Asthma. Ziel dieses Projektes war die Aufklärung von Struktur-Funktionsbeziehungen humaner Peroxidasen, die in späterer Folge vielleicht die Basis einer medikamentösen Intervention darstellen können. Im aktuellen Projekt wurden daher die spektroskopischen und kinetischen Eigenschaften humaner Peroxidasen und ausgewählter Mutanten charakterisiert. Zu diesem Zweck wurde eine Methode entwickelt, mit deren Hilfe Reduktionspotentiale sehr kurzlebiger Enzymintermediate bestimmt werden können. Erstmals wurde der Mechanismus der Katalaseaktivität humaner Peroxidasen aufgeklärt. Mit Hilfe von ortsspezifischer Mutagenese konnte die Rolle der für humane Peroxidasen typischen Protein- Hämverknüpfungen in der enzymatischen Katalyse dieser Oxidoreductasen aufgezeigt werden. Ein eindeutiger Zusammenhang zwischen der Hämverdrillung, Redox- und spektralen Eigenschaften sowie der Oxidationskapazität von Halogenen konnte aufgezeigt werden. In Myeloperoxidase ist die prosthetische Gruppe über drei kovalente Bindungen mit dem Protein verknüpft. Die MPO-typische Sulfonium-Verknüfung mittels einem konservierten Methionin (Met243) verleiht diesem Enzym die einzigartige Kapazität Chlorid zu oxidieren. Wird Met243 ausgetauscht kann das Protein nicht mehr Chlorid in Hypochlorit umwandeln und verliert dadurch seine physiologische Funktion. Das benachbarte Glutamat (Glu242) hingegen bindet das Häm über eine Esterbindung und ist wichtig für die Bindung sämtlicher Halogene, sodass Glu242 Mutanten generell Halogenide langsamer oxidieren.

Forschungsstätte(n)
  • Universität für Bodenkultur Wien - 100%

Research Output

  • 986 Zitationen
  • 14 Publikationen
Publikationen
  • 2014
    Titel Hybrid molecules inhibiting myeloperoxidase activity and serotonin reuptake: a possible new approach of major depressive disorders with inflammatory syndrome
    DOI 10.1111/jphp.12236
    Typ Journal Article
    Autor Soubhye J
    Journal Journal of Pharmacy and Pharmacology
    Seiten 1122-1132
    Link Publikation
  • 2007
    Titel The vinyl-sulfonium bond in human myeloperoxidase: Impact on compound I formation and reduction by halides and thiocyanate
    DOI 10.1016/j.bbrc.2007.02.157
    Typ Journal Article
    Autor Zederbauer M
    Journal Biochemical and Biophysical Research Communications
    Seiten 450-456
  • 2007
    Titel Myeloperoxidase: a target for new drug development?
    DOI 10.1038/sj.bjp.0707358
    Typ Journal Article
    Autor Malle E
    Journal British Journal of Pharmacology
    Seiten 838-854
    Link Publikation
  • 2007
    Titel Myeloperoxidase-catalyzed taurine chlorination: Initial versus equilibrium rate
    DOI 10.1016/j.abb.2007.07.024
    Typ Journal Article
    Autor Ramos D
    Journal Archives of Biochemistry and Biophysics
    Seiten 221-233
  • 2006
    Titel Resonance Raman assignment of myeloperoxidase and the selected mutants Asp94Val and Met243Thr. Effect of the heme distortion
    DOI 10.1002/jrs.1442
    Typ Journal Article
    Autor Brogioni S
    Journal Journal of Raman Spectroscopy
    Seiten 263-276
  • 2006
    Titel Kinetics and Thermodynamics of Halide and Nitrite Oxidation by Mammalian Heme Peroxidases
    DOI 10.1002/ejic.200600436
    Typ Journal Article
    Autor Arnhold J
    Journal European Journal of Inorganic Chemistry
    Seiten 3801-3811
  • 2005
    Titel Reaction of ferrous lactoperoxidase with hydrogen peroxide and dioxygen: an anaerobic stopped-flow study
    DOI 10.1016/j.abb.2004.10.014
    Typ Journal Article
    Autor Jantschko W
    Journal Archives of Biochemistry and Biophysics
    Seiten 51-59
  • 2005
    Titel Mechanism of interaction of betanin and indicaxanthin with human myeloperoxidase and hypochlorous acid
    DOI 10.1016/j.bbrc.2005.05.031
    Typ Journal Article
    Autor Allegra M
    Journal Biochemical and Biophysical Research Communications
    Seiten 837-844
  • 2005
    Titel Standard reduction potentials of all couples of the peroxidase cycle of lactoperoxidase
    DOI 10.1016/j.jinorgbio.2005.02.021
    Typ Journal Article
    Autor Furtmüller P
    Journal Journal of Inorganic Biochemistry
    Seiten 1220-1229
  • 2005
    Titel Exploitation of the unusual thermodynamic properties of human myeloperoxidase in inhibitor design
    DOI 10.1016/j.bcp.2005.02.006
    Typ Journal Article
    Autor Jantschko W
    Journal Biochemical Pharmacology
    Seiten 1149-1157
  • 2008
    Titel Myeloperoxidase-catalyzed chlorination: The quest for the active species
    DOI 10.1016/j.jinorgbio.2008.01.003
    Typ Journal Article
    Autor Ramos D
    Journal Journal of Inorganic Biochemistry
    Seiten 1300-1311
  • 2005
    Titel Peroxynitrite efficiently mediates the interconversion of redox intermediates of myeloperoxidase
    DOI 10.1016/j.bbrc.2005.09.138
    Typ Journal Article
    Autor Furtmüller P
    Journal Biochemical and Biophysical Research Communications
    Seiten 944-954
  • 2004
    Titel Kinetics of oxygen binding to ferrous myeloperoxidase
    DOI 10.1016/j.abb.2004.03.019
    Typ Journal Article
    Autor Jantschko W
    Journal Archives of Biochemistry and Biophysics
    Seiten 91-97
  • 2003
    Titel Redox properties of the couples compound I/compound II and compound II/native enzyme of human myeloperoxidase
    DOI 10.1016/s0006-291x(02)03075-9
    Typ Journal Article
    Autor Furtmüller P
    Journal Biochemical and Biophysical Research Communications
    Seiten 551-557

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