Der Ramsaukopf, ein keltischer Adelssitz auf dem Dürrnberg?
The Ramsaukopf, a Celtic administrativ center on Dürrnberg?
Wissenschaftsdisziplinen
Geowissenschaften (10%); Geschichte, Archäologie (90%)
Keywords
-
Settlement Archeology,
Prehistoric Mining,
Iron Age Chronology,
Celtic Society,
Hillfort Studies
Der Dürrnberg bei Hallein ist einer der herausragendsten Fundplätze der keltischen Eisenzeit in Mitteleuropa. Die Bekanntheit des Dürrnberges beruht vor allem auf seinen extrem weitläufigen und reich ausgestatteten Gräberfeldern in denen in einmaliger Weise der Übergang von der älteren (Hallstattzeit) zur jüngeren Eisenzeit (Laténezeit) dokumentiert ist und auf die montanarchäologisch bedeutenden Hinterlassenschaften des prähistorischen Salzbergbaues. Obwohl auf dem Dürrnberg auch zahlreiche keltische Wohnstätten bekannt sind, ist die siedlungsarchäologische Forschung bis heute stark unterrepräsentiert. Unter den bekannten keltischen Siedlungsplätzen sticht die Anhöhe des Ramsaukopfes hervor. Es handelt sich um einen leicht zu verteidigenden Höhenrücken der, durch steil abfallende Felswände geschützt, den natürlichen Zugang zum Dürrnberg beherrscht. Wegen dieser strategischen Lage sowie der im Gelände gut erkennbaren Siedlungsterassen wurde schon in den 1920er Jahren eine Deutung des Ramsaukopfes als "Fürstensitz" und administratives Zentrum des Dürrnberger Salzbergbaues vorgeschlagen. Bedauerlicherweise konnten die wenigen und kleinräumigen archäologischen Grabungen die bis heute auf dem Ramsaukopf stattgefunden haben keinen schlüssigen Beweis für diese Interpretation liefern. Weder konnte die angenommene Befestigung eindeutig bewiesen, noch eine klare innere Chronolgie des Fundplatzes erarbeited werden. Das Projekt "Der Ramsaukopf, ein keltischer Adelssitz ?" des Österreichischen Forschungszentrums Dürrnberg (ÖFD) hat es sich zum Ziel gesetzt, die Rolle des Ramsaukopfes im Siedlungsgefüge des Dürrnberges zu untersuchen. Zu diesem Zweck sind im Jahr 2003 großflächige Grabungen geplant. Deren Ergebnisse sollen mit Hilfe des FWF aufgearbeited und der raschen Publikation zugeführt werden. Im Jahr 2004 sind Grabungen auf einer weiteren Siedlungsfundstelle auf dem Moserstein vorgesehen, die Vergleichsmaterial für die Bewertung des Ramsaukopfes liefern sollen. Auch die Bearbeitung, Restauration und Vorlage der mehr als 2000 Streufunde vom Ramsaukopf ist Teil des Projektes da die hohe Qualität dieser Funde eine Interpretation des Ramsaukopfes als Fürstensitz untermauern dürfte. Im Laufe des Projektes ist eine moderne Vermessung des Ramsukopfes und anderer Siedlungsstellen auf dem Dürrnberg vorgesehen. Das hierbei erlangte Datenmaterial und die Ergebnisse der Ausgrabungen sowie das als Datenbank erfaßte Siedlungsfundmaterial sollen in einem Geographischen Informationssystem (GIS) zusammengeführt werden.
Der Dürrnberg bei Hallein ist eine der bedeutendsten archäologischen Fundstellen Österreichs. Er verdankt seine Bekanntheit in erster Linie den zahlreichen Grabfunden aus der Hallstatt- und Latenezeit und den Funden aus dem eisenzeitlichen Bergbau. Unter den Gräbern sticht eine Anzahl von besonders reich ausgestatteten Befunden hervor die als "Fürstengräber" angesprochen werden. Die archäologische Forschung war seit jeher bemüht der hier augenscheinlich bestatteten Oberschicht der eisenzeitlichen Bevölkerung auch einen eigenen Bereich in den Siedlungsarealen des Dürrnbergs zuzuordnen. Aufgrund seiner günstigen, den Zugang zum Dürrnberg beherrschenden, Lage und der zahlreichen gut sichtbaren Siedlungsterrassen wurde der Ramsaukopf, ein langestreckter Höhenrücken, als Ort für diesen "Fürstensitz" gewählt. So entstand das Bild einer befestigten Höhensiedlung als Wohnsitz der herrschenden Schicht zu deren Füßen sich die Gewerbesiedlungen im Ramsautal erstreckten. Ziel des Forschungsprojektes war es, dieses Bild entweder zu untermauern oder zu widerlegen. Als erster Arbeitsschritt wurde ein Geländemodell des Arbeitsbereichs erstellt. Dies machte es erstmals möglich die genaue Lage und Ausdehnung der Siedlungsterrassen zu dokumentieren. Schon hierbei zeichnete sich ab, dass die Sichtweise des Ramsaukopfes als befestigte Anlage nicht haltbar ist. Wo dies vom Gelände möglich war, erfolgte eine Prospektion mittels Geomagnetik. Im Laufe der drei Projektjahre erfolgten archäologische Grabungen auf dem Ramsaukopf selbst, dem anschließenden Höhenzug Putzenkopf sowie im dem Putzenkopf vorgelagerten Putzenfeld. Die Ergebnisse dieser Grabungen machen es zusammen mit der Auswertung des Altfundmaterials möglich, ein gänzlich anderes Bild der Siedlungsstelle zu zeichnen. Im 4. Jahrhundert v.Chr. weitet sich der Salzbergbau auf dem Dürrnberg aus. Dies macht eine umfangreichere Infrastruktur notwendig und führt wohl auch zum Zuzug von Arbeitskräften. Zur Schaffung von ausreichendem Wohn- und Arbeitsraum werden alle günstigen, ebenen Lagen verbaut, wobei der zu Verfügung stehende Platz nicht ausgereicht zu haben scheint. Aus diesem Grund erfolgt die Anlage von künstlichen Siedlungsterrassen in an sich ungünstigen Bereichen. Auffällig ist, dass beim Bau dieser Anlagen ältere Gräber überdeckt wurden. Selbst auf den steilen Hängen der Höhenzüge Ramsaukopf und Putzenkopf wurden, mit zum Teil sehr großem Aufwand, als Siedlungsstellen nutzbar gemacht. Der Ramsaukopf ist also kein Fürstensitz sondern integraler Bestandteil einer großflächigen Gewerbesiedlung im Nahbereich des prähistorischen Bergbaus.
- Österreichisches Forschungszentrum - 100%