Reliefbecher und Ephesos-Lampen aus Ephesos
Mold-made bowls and Ephesus-lamps from Ephesus
Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (100%)
Keywords
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Ephesus,
Lamps,
Pottery,
Mold-Made Bowls,
Ancient Art History,
Ceramic Production And Trade
Im Rahmen der hellenistischen Keramikproduktion in Ephesos kommt den Reliefbechern und den Ephesos- Lampen besondere Bedeutung als Leitformen zu. Die kombinierte Aufarbeitung gerade dieser beiden Gattungen ist nicht zufällig gewählt, sondern ergibt sich aus engen wechselseitigen Abhängigkeiten, einer parallel laufenden chronologischen Entwicklung sowie der Tatsache, dass sie nicht nur im regional ephesischen Raum, sondern im gesamten Mediterraneum verbreitet sind. Identische Dekormotive auf Schulter- und Schnauzengang der Ephesos- Lampen sowie auf den Reliefbechern lassen auf beide Gattungen herstellende Werkstätten bzw. Ateliers schließen. Der einheitliche Scherbentyp (engl. fabric) aber auch die Existenz zahlreicher Modeln wiederum erlauben eine sichere Zuweisung an Ephesos. Eine Bearbeitung beider Gattungen anhand des gesamt ephesischen Fundbestandes bietet daher die Möglichkeit, die Produktionsserien der sog. ionischen Ateliers zu definieren. Darüber hinaus kann aufgrund geschlossener Fundkomplexe eine chronologische Entwicklungslinie vom Auftreten der Produkte bis zu ihrem Auslaufen gezeichnet und dadurch relativchronologisch gewonnene Abfolgen in ein absolutchronologisches Gerüst integriert werden. Diese Vorgangsweise erlaubt darüber hinaus entscheidende Aussagen zur späthellenistischen Keramikindustrie in Ephesos, deren starke Exportwirkung durch die beiden vorliegenden Gattungen eindrucksvoll bestätigt wird. Daher soll bei der Aufarbeitung zwar in erster Linie das Fundmaterial in Ephesos selbst berücksichtigt, in weiterer Folge jedoch auch ephesische Produkte an anderen Fundorten in die Arbeit miteinbezogen werden. Eine abschließende, auf dem keramischen Fundmaterial basierende Diskussion zu griechisch-hellenistischen Traditionen bzw. zu Fragen der Romanisierung des Ostens sowie zur wirtschaftlichen Entwicklung in Ephesos vom 3. Jh. v. Chr. bis in das frühe 1. Jh. n. Chr. geht über die Materialbearbeitung hinaus und fügt die im Rahmen des Projektes gewonnenen Erkenntnisse in einen kulturhistorischen Kontext. Die zeitliche Eingrenzung ergibt sich aus dem Material selbst. Die Reliefbecher treten im letzten Viertel des 3. Jhs. v. Chr. auf und haben eine Laufzeit bis in das 1. Jh. v. Chr., wobei das Ende der Produktion noch nicht eindeutig festgelegt ist. Bei den Ephesos-Lampen wurde das 1. Viertel des 3. Jhs. gewählt, da sich in diesem Zeitraum neue Tendenzen in der Lampenproduktion nachweisen lassen, die in weiterer Folge direkten Einfluß auf die großen Produktionsserien des 2. und 1. Jhs. v. Chr. ausübten. Den Endpunkt markieren Fundkomplexe des 1. Viertels des 1. Jhs. n. Chr., in denen späte Ausläufer der Ephesos-Lampen vergesellschaftet mit den italischen Importlamen auftreten.
Die Bearbeitung der hellenistischen Reliefbecher und der Ephesos-Lampen diente einer Definition der lokalen Ateliers, deren Wirkung auf andere Produktionsstätten sowie einer Abgrenzung zu Importwaren. Weiteres Augenmerk lag auf der chronologischen Entwicklung und der Vergesellschaftung im Rahmen späthellenistischer und frühkaiserzeitlicher Fundkomplexe. Ein zentrales Ergebnis der Analysen ist die Tatsache, dass sie die für die Dekorelemente verwendeten Punzen beider Gattungen nicht decken. Die Ähnlichkeiten einzelner Dekorschemata sind demnach weniger Hinweise auf gleiche Ateliers, sondern spiegeln vielmehr einen Traditionalismus in Geschmack und Repertoire wieder. Bei den Reliefgefäßen konnten nicht nur Becherformen unterschiedlicher Dimensionen festgestellt werden, sondern darüber hinaus eine Formenvielfalt, die Kratere, Krateriskoi, Amphoren, Kannen und Kännchen umfasst, wodurch ganze Services zu erschließen sind. Bei den Lampen konnten einzelne Typen voneinander geschieden und in eine chronologische Abfolge gebracht werden. Eine Definition und Charakterisierung von Werkstätten ist aufgrund der verwendeten Signaturen oder aber auch der Stempelmotive möglich. Die traditionellen Ephesos-Lampen treten erstmals am Ende des 2. Jahrhunderts v. Chr. auf und haben eine Laufzeit bis in spätaugusteische Zeit. Im Gegensatz dazu liegt der Schwerpunkt der Reliefbecherproduktion in der 2. Hälfte des 2. Jahrhunderts v. Chr., bereits in der 2. Hälfte des 1. Jahrhunderts v. Chr. kam sie zum Erliegen. Ein entscheidendes Ergebnis der Untersuchungen ist eine adäquate Benennung der Stempelmotive, die in Katalogform zusammengefasst und gereiht wurden. Basierend auf diesen Einteilungen, die für beide Materialgruppen erstellt wurden, ist es nun möglich, den restlichen Fundbestand in Ephesos ohne Deskription zu klassifizieren. Derzeit wird im Rahmen von Dienstverträgen an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften an der Publikation der Forschungsergebnisse gearbeitet.