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Neurodegeneration in der zentralen und peripheren Hörbahn

Patterns of Neurodegeneration in Human Audition

Anneliese Schrott-Fischer (ORCID: 0000-0002-4514-9867)
  • Grant-DOI 10.55776/P15948
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.11.2002
  • Projektende 31.10.2007
  • Bewilligungssumme 176.907 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Klinische Medizin (60%); Medizinisch-theoretische Wissenschaften, Pharmazie (40%)

Keywords

    Human inner ear, Immunohistochemistry, Brainstem, Presbyacusis, Ultrastructure, Hearing loss

Abstract Endbericht

Akustische Überbelastung führt zu Stoffwechselstörungen oder direkten mechanischen Schäden der Sinneszellen im Hörorgan. Der Presbyacusis ,eine normales Alterungsphänomen, liegen die allgemeinen Mechanismen der Altersveränderungen der Zellen zugrunde. Wahrscheinlich spielen spontane und exogene DNS -Schädigungen eine wesentliche Rolle. Größtes Problem bei der histologischen Untersuchung von menschlichen Probenmaterial ist die genügend gute Fixation der Innenohrstrukturen, die außerordentlich schnellen postmortalen Veränderungen unterworfen sind.Neben weitgehend genetischen Faktoren spielen gerade beim Alterungsprozess des Ohres Abnützungserscheinungen durch ständige Beschallung der Umwelt zweifellos eine wichtige Rolle. Ziel des vorgelegten Projektes ist es, drei verschiedene Arten von Schwerhörigkeit zu untersuchen und miteinander zu vergleichen: die akute Lärmschwerhörigkeit (Knalltrauma) bis hin zur chronischen Lärmbelastung, Formen von früher Hochtonschwerhörigkeit bis zur Altersschwerhörigkeit sowie genetisch induziertete angeborene Hörstörungen. Wir planen mit Hilfe von lichtmikroskopischen, elektronenoptischen und immunhistochemischen Techniken das Innenohr untersuchen. Beim Studium der Altersschwerhörigkeit im Ohr sind wir weitgehend auf menschliches Material angewiesen. Es ist geplant, an 5 Felsenbeinen mit dokumentierten Hochtonverlust (Audiogramm, Krankheitsverlauf) ultrastrukturelle Veränderungen am Innenohr zu untersuchen. Ein weiters Ziel unserer Studie ist es ,bei plötzlichen Ertaubung degenerative Veränderungen in der zentralen Hörbahn zu studieren. Immunhistochemischer Nachweis verschiedener neuroaktiver Substanzen im menschlichen Innenohr soll wichtige Grundlagen für eine zukünftige Pharmakotherapie unterschiedlicher Innenohrerkrankungen liefern.

Schall wird über den äußeren Gehörgang und Mittelohr auf die flüssigkeitsgefüllte Gehörschnecke geleitet, dort von Haarsinneszellen wahrgenommen und von Neuronen in der Cochlea (Spiralganglienzellen) an das Zentralnervensystem weitergeleitet. Hochdosierung diverser Antibiotika, intensiver Schall, genetische Erkrankungen aber auch der natürliche Alterungsprozess führen zu einem Verlust der Haarsinneszellen und oft zu einer darauf folgenden Degeneration von Nervenzellen in der Hörschnecke. Ist der Verlust der Haarsinneszellen sehr hoch oder deren Funktion stark beeinträchtigt haben schallverstärkende Hörgeräte keinen befriedigenden Nutzen. Bei schwerem Hörverlust oder Taubheit besteht die Möglichkeit, verbleibende Neurone in der Cochlea elektrisch anzuregen und somit einen Höreindruck wieder herzustellen. Dazu werden Elektroden in die Cochlea eingeführt und Schall von einer Mikrophon-Signalprozessor Kombination in elektrische Impulse übersetzt. Der Erfolg dieser bionischen Ersatzorgane ist allerdings individuell unterschiedlich und abhängig vom funktionellen Zustand des Hörnervs. Nach Möglichkeiten der Verbesserung von Cochleaimplantaten wird intensiv geforscht. Grundlage für neue Innovationen auf dem Gebiet der Innenohrforschung an der menschlichen Cochlea bilden Erkenntnisse über das Degenerationsmuster in der Hörbahn (Hörschnecke & zentrale Nervenzellen im Hirnstamm). Felsenbeine von Personen mit genetischen Syndromen wie Alport-, Usher-, Pendred Syndrom und Trisomie 21 wurden in diesem Projekt untersucht. Eine neue tomographische Methode, die Synchrotron Strahlung nutzt, wurde erstmals zur dreidimensionalen Darstellung von humanen Felsenbeinen z.T. mit implantierter Elektrode eingesetzt und erlaubt hochauflösende, nicht destruktive Analyse von ganzen Innenohren. Weiters konnte gezeigt werden, dass sogar nach über 50 Jahre Taubheit (nach einem Knalltrauma) viele Nervenzellen vorhanden sind -trotz komplettem Fehlen von Sinneszellen. Eine Cochlea mit Implantat zeigte erhebliche Knochenneubildung und Fibrose in Cochlea und Hörnerv & reduzierte Anzahl von Neuronen in der zentralen Hörbahn. Eine genauere Analyse der Mikroanatomie der Hörschnecke zeigte deutliche Unterschiede zu gebräuchlichen Tiermodellen und unterstreicht die Bedeutung der Forschung an humanem Gewebe. Antibiotika induzierte Degeneration von Sinneszellen, afferenten und efferenten Nervenfasern und Spiralganglienzellen wurde in Zusammenarbeit mit dem Kresge Hearing Institut, Ann Arbor Michigan, USA an einem Tiermodell erforscht und zeigte sehr schnelle Degeneration von Sinneszellen und Afferenzen, gefolgt von efferenten Nervenfasern und Neuronen mit größten Schäden an der Schneckenbasis, jene Region wo hohe Frequenzen wahrgenommen werden. Regeneration von Nervenfasern ist ein theoretischer Ansatz, diese Cochleaimplantate zu verbessern. Würden der Abstand zwischen Nervenzellen und Elektrodenkontakte verringert, könnten mehr Kanäle mit geringerer Reizspannung zur Elektrostimulation genutzt werden und somit den Höreindruck verbessern. Wir konnten zeigen, dass die lokale Anwendung von Nervenwachstumsfaktoren dieses Nachwachsen von Nervenfortsätzen der Spiralganglienzellen stimulieren können und die Anzahl and Neuronen sogar steigern können, die Degeneration des efferenten Nervenfasersystems jedoch nicht verhindert wird. Nervenfasern benötigen dazu aber anscheinend ein bindegewebiges Grundgerüst und können nicht in den freien Periplymphraum sprießen.

Forschungsstätte(n)
  • Medizinische Universität Innsbruck - 100%

Research Output

  • 383 Zitationen
  • 11 Publikationen
Publikationen
  • 2006
    Titel First localization and biochemical identification of chromogranin B- and secretoneurin-like immunoreactivity in the fetal human vagal/nucleus solitary complex
    DOI 10.1016/j.regpep.2006.01.005
    Typ Journal Article
    Autor Bitsche M
    Journal Regulatory Peptides
    Seiten 97-104
  • 2005
    Titel High resolution scanning electron microscopy of the human organ of Corti. A study using freshly fixed surgical specimens
    DOI 10.1016/j.heares.2004.05.006
    Typ Journal Article
    Autor Glueckert R
    Journal Hearing Research
    Seiten 40-56
  • 2008
    Titel Chromogranin peptides in amyotrophic lateral sclerosis
    DOI 10.1016/j.regpep.2008.07.009
    Typ Journal Article
    Autor Schrott-Fischer A
    Journal Regulatory Peptides
    Seiten 13-21
  • 2008
    Titel Does perinatal asphyxia induce apoptosis in the inner ear?
    DOI 10.1016/j.heares.2008.12.006
    Typ Journal Article
    Autor Schmutzhard J
    Journal Hearing Research
    Seiten 1-9
  • 2008
    Titel Deafferentiation-associated changes in afferent and efferent processes in the guinea pig cochlea and afferent regeneration with chronic intrascalar brain-derived neurotrophic factor and acidic fibroblast growth factor
    DOI 10.1002/cne.21619
    Typ Journal Article
    Autor Glueckert R
    Journal Journal of Comparative Neurology
    Seiten 1602-1621
    Link Publikation
  • 2003
    Titel Role of class D L-type Ca2+ channels for cochlear morphology
    DOI 10.1016/s0378-5955(03)00054-6
    Typ Journal Article
    Autor Glueckert R
    Journal Hearing Research
    Seiten 95-105
  • 2003
    Titel Distribution of catestatin-like immunoreactivity in the human auditory system
    DOI 10.1016/s0378-5955(03)00223-5
    Typ Journal Article
    Autor Bitsche M
    Journal Hearing Research
    Seiten 16-26
  • 2010
    Titel Cell-specific targeting in the mouse inner ear using nanoparticles conjugated with a neurotrophin-derived peptide ligand: Potential tool for drug delivery
    DOI 10.1016/j.ijpharm.2010.02.003
    Typ Journal Article
    Autor Roy S
    Journal International Journal of Pharmaceutics
    Seiten 214-224
  • 2010
    Titel Histology and synchrotron radiation-based microtomography of the inner ear in a molecularly confirmed case of CHARGE syndrome
    DOI 10.1002/ajmg.a.33321
    Typ Journal Article
    Autor Glueckert R
    Journal American Journal of Medical Genetics Part A
    Seiten 665-673
    Link Publikation
  • 2009
    Titel The cochlea in fetuses with neural tube defects
    DOI 10.1016/j.ijdevneu.2009.07.008
    Typ Journal Article
    Autor Schmutzhard J
    Journal International Journal of Developmental Neuroscience
    Seiten 669-676
  • 2009
    Titel Pelizaeus Merzbacher disease: morphological analysis of the vestibulo-cochlear system
    DOI 10.3109/00016480802698866
    Typ Journal Article
    Autor Schmutzhard J
    Journal Acta Oto-Laryngologica
    Seiten 1395-1399

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