Weltliche Vokalmusik in oberösterreichischen Stiften
Secular vocal music in the monasteries of Upper Austria
Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (20%); Kunstwissenschaften (80%)
Keywords
-
Musik,
Vokalmusik,
Oberösterreich,
Noten,
Stift,
Oper
Die große Blüte der oberösterreichischen Stifte seit dem Ende des 17. Jahrhunderts spiegelt sich in einer von der Musikwissenschaft bisher wenig beachteten Förderung der Musik. Im Einfluß höfisch-zeremonieller Vorbilder entwickelt sich die Musik zu einem Instrument neuen geistigen und repräsentativen Selbstbewusstseins, das sich nicht zuletzt in der prächtigen Aufführung von Opern, Oratorien und Kantaten zeigt. Die reiche Stiftsmusik des 19. Jahrhunderts ist gekennzeichnet durch die Übernahme bürgerlicher Musikformen. Ein wesentlicher Teil der klösterlichen Musikpflege ist dem Bereich der weltlichen Vokalmusik zuzuordnen. Aufbauend auf die Ergebnisse des Vorprojektes beziehen sich die Forschungen auf die Stifte Engelszell, Kremsmünster, Lambach, Ranshofen, Reichersberg, Schlägl, Schlierbach und Wilhering. Im Zentrum der Untersuchung steht die Darstellung der weltlichen Vokalmusikpflege anhand der Analysen von Notenmaterial und außermusikalischen Quellen, wobei inhaltliche Differenzierungen in der Quellenlage durch Vergleiche zwischen den Stiften ausgeglichen werden sollen. Die Erforschung des umfangreichen Bestandes bis dato nicht untersuchten Quellenmaterials wird die aufführungspraktische und inhaltliche Adaptierung von Musikwerken zeigen und die Typisierung von stiftsintern modifizierten musikalischen Formen erlauben. Ein wichtiger Aspekt kommt den musikalischen Wechselbeziehungen mit zeitgenössischen Strömungen und Musikern sowie dem Austausch mit weltlichen Kulturmetropolen zu. Bedeutend ist darüber hinaus die Darstellung von Person, Stilistik und Einfluß lokaler Musikerpersönlichkeiten, die Erforschung finanzieller Aufwendungen und die Erhebung der Stellung des verpflichteten Musikpersonals. Ergänzt wird das Bild durch stiftsübergreifende stilistische Vergleiche. Mit der umfassenden Aufarbeitung der Stiftsarchive liefert die Forschung den seit langem ausständigen Beleg für den wichtigen historischen Stellenwert der Stifte im Gesamtbild der österreichischen Musikgeschichtsschreibung.
Gegenstand der Erhebungen war die Erforschung der weltlichen Vokalmusikpflege in den oberösterreichischen Stiften im 18. und 19. Jahrhundert. Die Arbeit baute auf die vom Antragsteller im Rahmen eines Vorläuferprojektes gewonnen Ergebnisse. Sie verwies einmal mehr auf den hohen historischen Stellenwert der klösterlichen Musikpflege und belegte deren zentrale Stellung innerhalb der österreichischen Musikkultur. Im Mittelpunkt der Arbeiten standen die Auseinandersetzung mit dem musikalischen Repertoire und die Frage nach dem allgemeinen Stand der Musikpflege. Die wesentliche Grundlage bildeten Werkanalysen, Provenienzforschungen und die Erhebung aufführungspraktischer Details. Eine Schwerpunktuntersuchung galt der Beschäftigung mit den in den Kompositionen transformierten sozialen, gesellschafts- und autoritätskritischen Reflexionen und gab einen Einblick in die vielschichtigen Möglichkeiten musikalischer Meinungs-, und Wertevermittlung. Weiterführende Analysen zeigten klosterspezifische Eigenheiten auf und stellten sie in Relation zu den entsprechenden Wirkungsgrößen. Wichtige Hinweise zu klosterspezifischen Entwicklungen lieferte die eingehende Auseinandersetzung mit den Huldigungsvertonungen. Die Untersuchung stellte die Kompositionen in einen klar umrissenen sozio-kulturellen Kontext und zeigte deren Funktionalität innerhalb eines genau strukturierten Festgeschehens. Wichtige Ergebnisse lieferte die Beschäftigung mit dem Aufbau des klösterlichen Musikbetriebes. Die Arbeiten nahmen Bezug auf Anlaß und Form der Musikpflege und setzten sich mit den klösterlichen Anforderungsprinzipien auseinander. Administrative und organisatorische Strukturen wurden aufgezeigt, historische Entwicklungen nachvollzogen und zeitgenössische Einflusskonstanten isoliert. Beleuchtet wurden religiöse Rahmenbedingungen sowie politische und ökonomische Wechselbeziehungen. Bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts war die musikalische Entfaltung vom Vorbild des Kaiserhofs geprägt. Die transportierten Leitbilder wurden in der klösterlichen Umgebung umgedeutet und in einen religiösen Kontext gestellt. Die höfischen Vorbilder spiegelten sich bis weit ins Detail, wobei das spezifische Filterwerk eines jeden Klosters für eine differenzierte Wahrnehmung sorgte. Neue Leitbilder erschlossen sich in der Emanzipation des Bürgertums in den Umwälzungen des ausgehenden 18. Jahrhunderts. Ergänzende Hinweise lieferten die Forschungen zum Status des Musikpersonals. Aufnahmekriterien wurden analysiert, Rechte und Pflichten erhoben, Hierarchien aufgezeigt und die vertraglichen Regelungen untersucht. Die Darstellungen entwarfen ein interessantes Bild vom klösterlichen Kunstverständnis sowie den Stellenwert und die Motivation der Musikförderung.
- Universität Wien - 100%