Speziierung von tumorhemmenden Pt Verbindungen in der Umwelt
Speciation of cancerostatic Pt compounds in the environment
Wissenschaftsdisziplinen
Chemie (90%); Geowissenschaften (5%); Umweltingenieurwesen, Angewandte Geowissenschaften (5%)
Keywords
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Platinum,
HPLC-ICP-SFMS,
ICP-MS,
LC-MS,
Cancerostatic Platinum Compounds,
Hospital Effluents
Das vorliegende Projekt beschäftigt sich mit der Entwicklung von chemischen Analysenmethoden zur Identifizierung und Quantifizierung von tumorhemmenden Platinverbindungen in menschlichen Ausscheidungen, in Spitalsabwasser und in Oberflächen- und Grundwasser. Platinhältige Antikrebsmittel nehmen einen wichtigen Platz in der Chemotherapie ein und werden seit den 70er Jahren zur Behandlung von verschiedenen Krebsarten verwendet. Als direkte Folge davon gelangen die toxischen Substanzen hauptsächlich über menschliche Ausscheidungen mit dem Abwasser in den Wasserkreislauf. Zusätzlich wird angenommen, dass die Stoffe und ihre Metaboliten unverändert durch die Kläranlagen in das Grund- und Oberflächenwasser gelangen, was deren negative Auswirkung auf die aquatische Umwelt noch verstärkt. Obwohl die krebserregenden, frucht- und erbgutschädigenden Eigenschaften dieser Substanzen außer Zweifel steht, wurden Mobilität, Umwandlungsprozesse und Schicksal in wässrigen Systemen noch nicht untersucht. Diese Untersuchungen sind aber eine Voraussetzung für zukünftige Studien, welche die Risiken und toxikologischen Auswirkungen der Substanzen erheben sollen. Im diesem Projekt werden neu entwickelte analytisch-chemische Ansätze direkt auf Proben angewendet, welche die verschieden Stufen des Wasserkreislaufs darstellen. Eine hochempfindliche und sehr spezifische Analysenmethode (miniaturisierte Hochleistungs-flüssigkeitschromatographie in Verbindung mit induktiv gekoppeltem Plasma Sektorfeld Massenspektrometrie) wird dabei im Mittelpunkt der anspruchsvollen Fragestellung stehen. Als komplementäre Methode wird die Elektrospray-Massenspektrometrie zur Anwendung kommen. Als Ergebnis der Studie werden neue Erkenntnisse über das Vorkommen und Verhalten von tumorhemmenden Platinverbindungen in der aquatischen Umwelt erwartet. Außerdem sollen die Ergebnisse zur Entwicklung von Methoden zur Eliminierung dieser Substanzen aus Krankenhausabwässern beitragen.
Platinhaltige Chemotherapeutika (CPC) repräsentieren eine wichtige Klasse von antineoplastischen Antikrebsmitteln, welche erfolgreich in der Chemotherapie zur Heilung von verschiedenen Krebsarten eingesetzt werden. Die zurzeit in Europa zugelassenen CPC sind Cisplatin, Carboplatin und Oxaliplatin. Nach der chemotherapeutischen Behandlung werden beträchtliche Mengen dieser Substanzen ausgeschieden und gelangen so in das Krankenhausabwasser. Da ein großer Teil der Behandlungen ambulant vollzogen werden findet auch eine Belastung des kommunalen Abwassers statt. Es ist unbestritten, dass CPC eine essentielle Form der Krebsbehandlung darstellen. Allerdings muss geklärt werden, ob die kontinuierliche Emission dieser Substanzen in das Kompartiment Wasser umwelt- und gesundheitsschädlich ist, zumal diese von der International Agency for Research on Cancer als möglicherweise krebserregend für den Menschen eingestuft wurden. Da die Toxizität einer Substanz grundsätzlich von deren Struktur bzw. Spezies abhängt war es im ersten Teil der Projekts notwendig geeignete Methoden zur Speziierung von CPC in wässrigen Proben zu entwickeln. Im zweiten Teil wurden diese Methoden dazu verwendet dien Präsenz und das Verhalten der CPC (Biotransformation und Abbau) in Patientenurin und an unterschiedlichen Stellen des Wasserkreislaufs zu untersuchen. Mit der Verwendung von wissenschaftlich hoch entwickelten Speziierungsmethoden wurde zuerst die Stabilität der CPC in Modellen, welche Oberflächen- und Abwasserbedingungen simulierten, erforscht. Die Untersuchungen ergaben, dass Carboplatin und Oxaliplatin unter diesen Bedingungen sehr stabil waren, während 50 % des vorhandenen Cisplatins innerhalb kurzer Zeit (24 h) zu den Abbbauprodukten Mono- und Diaquacisplatin hydrolysiert wurden. In einem weiteren Schritt wurde Patientenurin auf das Vorhandensein von CPC untersucht. Die Messungen zeigten, dass der Urin von Patienten, welche mit Cisplatin behandelt worden waren, zu etwa gleichen Teilen intaktes Cisplatin und Monoaquacisplatin enthielt. Mit Carboplatin behandelte Patienten schieden die intakte Substanz aus. Im Falle von Oxaliplatin konnte gezeigt werden, dass die Substanz im Körper nahezu vollständig metabolisiert wird und im Patientenurin deshalb eine Vielzahl von platinhaltigen Verbindungen vorhanden sind. Diese Daten waren die Grundlage des letzten Projektschritts, welcher sich mit der Erforschung des CPC-Verhaltes während der Abwasserbehandlung beschäftigte. Über die Messung von Abwasser der Onkologischen Station des Wiener AKH wurde ein CPC-input-output Budget erstellt, welches zeigte dass ca. 30 % der in der Station verabreichten CPC über den Patientenurin in das Krankenhausabwasser gelangten, während der Rest der Substanzen von den Patienten nach ihrer Entlassung folglich in das kommunale Abwasser emittiert wird. Messungen an einer Membranbioreaktorpilotanlage im Wiener AKH ergaben, dass Cisplatin und die Oxaliplatinabbauprodukte fast vollständig am Klärschlamm und an den Abwasserschwebstoffen adsorbiert wurden, während ein beträchtlicher Teil des im Abwasser vorhandenen Carboplatins die Kläranlage unverändert passieren konnte.
Research Output
- 486 Zitationen
- 9 Publikationen
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2007
Titel Fate of cancerostatic platinum compounds in biological wastewater treatment of hospital effluents DOI 10.1016/j.chemosphere.2007.05.062 Typ Journal Article Autor Lenz K Journal Chemosphere Seiten 1765-1774 -
2007
Titel Determination of chloroplatinates by CE coupled to inductively coupled plasma sector field MS DOI 10.1002/elps.200700097 Typ Journal Article Autor Standler A Journal ELECTROPHORESIS Seiten 3492-3499 -
2007
Titel Species specific IDMS for accurate quantification of carboplatin in urine by LC-ESI-TOFMS and LC-ICP-QMS DOI 10.1039/b708541a Typ Journal Article Autor Koellensperger G Journal Journal of Analytical Atomic Spectrometry Seiten 29-36 Link Publikation -
2006
Titel Down-scaling narrowbore LC-ICP-MS to capillary LC-ICP-MS: a comparative study of different introduction systems DOI 10.1039/b511629e Typ Journal Article Autor Stefánka Z Journal Journal of Analytical Atomic Spectrometry Seiten 86-89 -
2005
Titel Presence of cancerostatic platinum compounds in hospital wastewater and possible elimination by adsorption to activated sludge DOI 10.1016/j.scitotenv.2004.11.007 Typ Journal Article Autor Lenz K Journal Science of The Total Environment Seiten 141-152 -
2004
Titel Investigation of the reaction of cisplatin with methionine in aqueous media using HPLC-ICP-DRCMS DOI 10.1039/b402028f Typ Journal Article Autor Stefánka Z Journal Journal of Analytical Atomic Spectrometry Seiten 894-898 -
2004
Titel Novel separation method for highly sensitive speciation of cancerostatic platinum compounds by HPLC–ICP–MS DOI 10.1007/s00216-004-2839-z Typ Journal Article Autor Hann S Journal Analytical and Bioanalytical Chemistry Seiten 405-412 -
2003
Titel Application of HPLC-ICP-MS to speciation of cisplatin and its degradation products in water containing different chloride concentrations and in human urine DOI 10.1039/b309028k Typ Journal Article Autor Hann S Journal Journal of Analytical Atomic Spectrometry Seiten 1391-1395 -
2010
Titel Ultra-fast HPLC-ICP-MS analysis of oxaliplatin in patient urine DOI 10.1007/s00216-010-3504-3 Typ Journal Article Autor Koellensperger G Journal Analytical and Bioanalytical Chemistry Seiten 401-406