Cataloque raisonné der römischen Barockmalerei im KHM
Cataloque raisonné of Roman Baroque paintings in the KHM
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Geisteswissenschaften (15%); Geschichte, Archäologie (15%); Kunstwissenschaften (70%)
Keywords
-
Rome,
17th and 18th centuries,
History of Collection,
Caravaggism,
History of Taste,
Provenance,
Scientific Investigation on Paintings
Die Gemäldegalerie des Kunsthistorischen Museums gehört weltweit zu den neun grössten und umfassendsten Bildersammlungen ihrer Art. Eine ihrer unbestrittenen Stärken ist die schwer anderswo erreichte Vollständigkeit der italienischen Barockmalerei. Von den vergleichbaren Sammlungen haben die National Gallery in London und die National Gallery of Art in Washington mit den Publikationen ihres Bestands an italienischer Barockmalerei internationale Standards gesetzt. Auch der Louvre hat die Gemälde der bolognesischen Schule des 17. und 18. Jahrhunderts musterhaft bearbeitet und 1996 publiziert. Für den gesamten Bestand an italienischer Malerei im Kunsthistorischen Museum fehlt ein wissenschaftlicher Katalog nach internationalen Standards. Den Beginn wird nun die italienische Barockmalerei machen, die in fünf Bänden in einem Catalogue raisonné publiziert werden soll (ca 600 Bilder). Der erste Teilband, Gegenstand des vorliegenden Antrags, soll die in Rom entstandene Malerei des 17. und 18. Jahrhunderts behandeln, und zwar sowohl die an Caravaggio anschliessende, in Rom entstandene und von Rom ausgehende sogenannte caravaggeske Malerei (wobei auch nord-und westeuropäische Maler in Rom behandelt werden sollen) als auch die im weiteren 17. und 18. Jahrhundert in Rom geschaffenen Gemälde. Er wird den Gesamtbestand dieses Gebietes in kunsthistorischen und naturwissenschaftlichen Untersuchungen und Bestimmungen aller ausgestellten und nicht ausgestellten Werke vorstellen. Es handelt sich um ca 147 Bilder. Zahlreiche Vorarbeiten des Projektleiters sowie die Einbindung in ein Projekt der EU zum Internationalen Caravaggismus haben die Wahl dieses Gebiets nahegelegt. Bei der wissenschaftlichen Bearbeitung dieses Teilbestands wird besonderer Wert auf die Erforschung des materiellen Zustands der Bilder (Einbindung spezialisierter österreichischer und italienischer Naturwissenschaftler in das Projekt) gelegt, auf die Erforschung der bislang noch nicht ausreichend geklärten Vorprovenienzen vor allem des habsburgischen Bilderbestands im 17. und 18. Jahrhundert (Archivforschungen, vor allem in Wien, Rom, Florenz und Neapel) und auf die Erforschung geschmacksgeschichtlicher Fragen (etwa nach dem Verhältnis der Sammlungen des Kaiserhauses im Verhältnis zu jenen anderen Sammlerpersönlichkeiten des späten 17. Und des 18. Jahrhunderts wie den Czernin, Liechtenstein, Harrach, Prinz Eugen etc.).
Das Ziel des 2 jährigen Forschungsprojektes war es, eine umfangreiche Gemäldegruppe des Kunsthistorischen Museums erstmals wissenschaftlich zu untersuchen. Es handelte sich um die an Caravaggio anschliessende, in Rom entstandene und von Rom ausgehende sogenannte caravaggeske Malerei (wobei auch nord-und westeuropäische Maler in Rom behandelt wurden). Bei der wissenschaftlichen Bearbeitung dieses Teilbestands wurde neben den allgemeinen kunsthistorischen Fragen (wie etwa Zuschreibung, Datierung und Positionierung innerhalb des Oeuvres) besonderer Wert auf die Erforschung des materiellen Bestands der Bilder gelegt. Zu diesem Zweck wurden spezialisierte nationale (z.T. aus der hauseigenen Restaurierwerkstätte) und internationale Naturwissenschaftler (die römische Gruppe EMMEBICI) in das Projekt eingebunden, um vielfältige Formen von Untersuchungen durchzuführen und ihre Ergebnisse zu diskutieren. Zusätzlich zu neuen Erkenntnissen an einzelnen Gemälden gelang es auf diese Weise, den Sammlungsbestand im Bereich der caravaggesken Malerei zu evaluieren. Kontrollanalysen an zeitgleichen römischen Bildern unterschiedlicher stilistischer Provenienz konnten gerade die spezifischen Eigentümlichkeiten der Maler aus dem Kreis um Caravaggio festhalten. Auch auf die Erforschung der bislang noch nicht ausreichend geklärten Vorprovenienzen dieses v.a. habsburgischen Bilderbestands wurde große Aufmerksamkeit gelegt. Im Zuge dieser gezielten Forschungen ist eine wissenschaftliche Entdeckung an der Österreichischen Nationalbibliothek gelungen: ein bislang wenig beachtetes Inventar des 17. Jahrhunderts wurde eingesehen, transkribiert und publiziert (siehe Anhang). Dadurch konnte erstmals die Geschichte von ca. 300 Gemälden des KHMs, die bislang ohne Provenienz bzw. erst als späterer Bestand bekannt waren, bis in die Mitte des 17. Jhs. zurückverfolgt werden. Archivforschungen und Literaturrecherchen im In- und Ausland bereicherten allgemein stets unseren Wissensstand. Während der Projektzeit gab es oftmals Gelegenheit zur Diskussion der spezifischen Problemlagen bzw. zur Ausarbeitung gezielter Fragestellungen zu den zu bearbeitenden Gemälden. Während Dr. Prohaska in diversen Scientific Boards (siehe Anhang) häufig die Gelegenheit hatte, neueste Erkenntnisse mit internationalen Fachkollegen auszutauschen, so ermöglichte ein längerer Studienaufenthalt in Florenz Dr. Swoboda (als Gastwissenschaftlerin am Institut für Kunstgeschichte/Max Planck-Gesellschaft) bzw. in Rom Dr. Prohaska (im Rahmen einer Gastprofessur an der Bibliotheca Hertziana/ Max Planck-Gesellschaft) gezielte Forschungen zu Einzelproblemen. Anhand von Vorträgen und Publikationen konnten Teile der Ergebnisse bereits der scientific community vorgestellt werden.
- KHM-Museumsverband - 100%
- Rosella Vodret, Galleria nazionale d´atre antica - Italien