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Counterurbanisierung in Kalifornien

Counterurbanization in California

Ernst Steinicke (ORCID: 0000-0003-0418-433X)
  • Grant-DOI 10.55776/P16155
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.05.2003
  • Projektende 30.04.2006
  • Bewilligungssumme 108.544 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Humangeographie, Regionale Geographie, Raumplanung (100%)

Keywords

    Counterurbanization, Settlement Expansion, Sierra Nevada, Population Growth, High Mountains

Abstract Endbericht

Die nach dem Goldrausch in der Sierra Nevada einsetzenden Wüstungserscheinungen ("ghost towns")konnten durch touristisch orientierte Innovationen am Ende der 1920er-Jahre gestoppt werden. Weitere Bedeutungsgewinne der Fremdenverkehrsbranche führten im Hochgebirge (außerhalb der geschützten Bereiche) wieder zu einer Siedlungs- und Bevölkerungszunahme. Seit 1960 gehören die High Sierra Counties zu den kalifornischen Regionen mit dem höchsten relativen Einwohnerwachstum. Die Neubewertung peripherer Gebiete ist eine Hauptursache für das Bevölkerungs- und Siedlungswachstum. Dabei erweisen sich die punktartig organisierten Wintersportorte als Wachstumspole, die seit Jahrzehnten Impulse für die permanente Besiedlung der Umgebung erzeugen. Bei den Neusiedlern handelt es sich durchwegs um eine wohlhabende, weiße Bevölkerung, die aus den Ballungsgebieten der Bay Area, des nördlichen Central Valley und Südkaliforniens zuwanderte und im Hochgebirge günstige Lebensbedingungen vorfand bzw. schuf. Arbeitsplätze in der Tourismusbranche sind erwartungsgemäß häufig, doch kann von einer einseitigen wirtschaftlichen Ausrichtung - wie es in etlichen anderen Tourismusregionen der Fall ist - nicht die Rede sein. Um einer ökologisch bedenklichen Entwicklung entgegenzutreten, wird es notwendig sein, das enorme flächenhafte Siedlungswachstum ("Zersiedelung") im Hochgebirge durch raumplanerische Instrumente zu steuern. Der Projektvorschlag beschäftigt sich mit den sozioökonomischen, ökologischen sowie siedlungsgeographischen und raumplanerischen Auswirkungen der Counterurbanisierung im kalifornischen Hochgebirge. Ein Charakteristikum des vorliegenden Projektvorschlags betrifft den raumplanerischen Vergleich mit Tirol (Österreich), wo ähnliche humangeographische Strukturen auffallen. Mit dem genannten Vergleich lässt sich feststellen, ob raumplanerische Strategien und Erkenntnisse zwischen Hochgebirgsregionen - trotz unterschiedlicher kultureller Rahmenbedingungen - transferierbar sind. Die systematische Auswertung des Forschungsstandes, die Interpretation der offiziellen Statistiken, mehrmonatige Forschungsaufenthalte mit der Anwendung vielfältiger Datenerhebungstechniken (verschiedene Interviewformen, Kartierungen, Beobachtung), die Diskussion von Zwischenergebnissen sowie das kritische Zusammenführen der Ergebnisse aus den Fallstudien sollen zum Projektziel führen.

Während der Bundesstaat Kalifornien seit den 1990er-Jahren erstmals einen negativen Binnenwanderungssaldo verzeichnet, ist die Sierra Nevada nach wie vor ein Zuwanderungsgebiet geblieben. Durch diese Zuwanderung reicht die äußere suburbane Zone des Großraums Sacramento bereits in die Foothills hinein. Markante Einwohnergewinne sind aber auch in gewissen von den Ballungsräumen weit entfernten, oft abgelegenen Hochgebirgsteilen feststellbar ("High Sierra"). Der zuletzt genannte Prozess entspricht der "Counterurbanisierung", mit der man Migrationen aus Ballungsräumen in abgelegene, ländliche Gebiete aufgrund einer Neuentdeckung und -bewertung umschreibt. In den vergangenen fünf Jahrzehnten hat dieser Vorgang, der durch die neuen Kommunikationstechniken entscheidend verstärkt wird, das Hochgebirge Kaliforniens und teilweise Nevadas stark verändert. Der Ausbau von permanent und saisonal bewohntem Siedlungsraum in die Höhe schreitet stetig voran und hat derzeit in der Lake Tahoe-Region die 2.400 m- und in Mammoth Lakes sogar die 2.600 m-Höhenlinie überschritten. Das ohnehin knappe bebaubare Privatland wird dadurch immer mehr eingeengt. Nach wie vor ist der Tourismus die Triebfeder der Counterurbanisierung sowie der Zunahme der Zweitwohnsitze im Hochgebirge. Einerseits hatten die (späteren) Zuwanderer aus den kalifornischen Ballungsräumen die hohe Lebensqualität in der High Sierra erst durch Urlaube bzw. Ausflugsfahrten kennen und schätzen gelernt, andererseits schafft er - direkt oder indirekt - zahlreiche Arbeitsplätze. Bei den Newcomers, also den Zuwanderern, die seit den 1990er-Jahren in das Gebirge kamen, handelt es sich um einen einkommensstarken, gut ausgebildeten, "weißen" und - im Gegensatz zu den Verhältnissen in den Foothills - keinesfalls überalterten Personenkreis, der aufgrund der großen Nachfrage allerdings wesentlich dazu beigetragen hat, dass die Immobilienpreise im Gebirge übermäßig angestiegen sind. Neben raumplanerischen und ökologischen Problemfeldern, die mit Siedlungserweiterungen im Hochgebirge grundsätzlich einhergehen, beinhaltet diese Preiserhöhung ein gewisses Konfliktpotential zwischen der "Local Population" und den "Newcomers". Mit dem Bevölkerungswachstum haben sich die Kosten für die Funktion Wohnen (Haus-/Wohnungskauf, Mieten) so stark erhöht, dass erschwinglicher Wohnraum für die einheimische Bevölkerung im gesamten kalifornischen Hochgebirge kaum mehr zur Verfügung steht. Eine logische Konsequenz daraus ist, dass sich einkommensschwache Personen künftig verstärkt zur Wohnungssuche in die preisgünstigeren Gebiete in Nevada gezwungen sehen. Davon sind in erster Linie die hispanischen und asiatischen Arbeitskräfte betroffen, ferner aber auch bereits junge Einheimische. Die Beschäftigungsstruktur der High Sierra wird von der Immobilienbranche, dem Bau- und Dienstleistungssektor geprägt, wobei der Tourismus die allergrößte Rolle spielt. Im Projekt werden auch die Raumplanungsdefizite im kalifornischen Hochgebirge diskutiert und die Frage aufgeworfen, ob jene Planungsstrategien, die in den Ostalpen gegen das Zersiedlungsphänomen entwickelt wurden, auch in der High Sierra - trotz der kulturellen Unterschiede - sinnvoll angewendet werden können. Eine Übernahme von Konzepten und Maßnahmen des "verdichteten Bauens im Alpenraum" erscheint jedoch aufgrund der damit verbundenen erheblichen Restriktionen für die aus den Verdichtungsräumen zuströmende Bevölkerung wenig zweckmäßig. Als Folge würden Migrationen ins Hochgebirge abnehmen, was ein Ende der Counterurbanisierung bedeuten würde.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Innsbruck - 100%

Research Output

  • 23 Zitationen
  • 1 Publikationen
Publikationen
  • 2016
    Titel Amenity Migration in the Alps: Applying Models of Motivations and Effects to 2 Case Studies in Italy
    DOI 10.1659/mrd-journal-d-16-00042.1
    Typ Journal Article
    Autor Lffler R
    Journal Mountain Research and Development
    Seiten 484-493
    Link Publikation

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