Gesellschaft und Umwelt im Frühmittelalter
Society and Environment in Early Medieval Europe
Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (100%)
Keywords
-
Umweltgeschichte,
Europa,
Frühmittelalter,
Regionalstudien,
Quellenkunde,
Landnutzungsstrukturen
Der Mittelpunkt Europas verlagerte sich während des frühen Mittelalters vom Mittelmeerraum in den Nordwesten des Kontinents. Der Antragsteller schlägt zur Erklärung dieser Verlagerung vor, einen Blick auf Umweltfaktoren zu werfen. Jüngst publizierte Studien haben nämlich herausgearbeitet, daß es während des Frühmittelalters zur Einführung neuer Pflanzen wie Roggen und Hafer in die europäische Landwirtschaft kam. Diese Pflanzen wachsen in einem Klima wie jenem nördlich der Alpen am besten, wo sie nämlich aufgrund der Feuchtigkeit ideale Wachstumsbedingungen und geeignete Böden vorfinden. Im beantragten Projekt wird angenommen, daß die Einführung dieser Pflanzen kombiniert mit dem Auftauchen eines auf kleinen, kompakten Betriebseinheiten (mansus, colonica ) basierenden Landnutzungssystems, welches sehr häufig in der Form des bipartiten (zweigeteilten) Grundherrschaftssystems auftritt, ein sehr erfolgreiches, relativ stabiles Landwirtschaftssystem zur Folge gehabt hat. Im Rahmen des beantragten Projekts sollen spätmerowingische und karolingische Landnutzungs-systeme untersucht werden (ca. 700-900). Es wird davon ausgegangen, daß sich Landnutzungssystem in Europa nach dem Zusammenbruch des römischen Reiches aufgrund des Fehlens einer starken herrschaftlichen Autorität sehr dezentral entwickelten. Spezifische lokale Landwirtschaftstypen bildeten sich heraus und ließen hochentwickelte Agrarökosysteme entstehen. Mit dem Aufstieg der Karolinger wurden viele unabhängige Regionen wie die Provence, Bayern, Sachsen und Aquitanien (wieder-)erobert und in das karolingische Reich integriert. Es soll untersucht werden, wie diese Territorien u.a. durch die Implementierung des fränkischen Landnutzungssystems in das Reich integriert wurden. Es wird angenommen, daß das bipartite, auf dem mansus basierenden und im Pariser Becken entwickelte System zur Landnutzung Überschüsse in der Produktion bedingt hat, die zum erfolgreichen Führen von Kriegen, zur Expansion und auch zur kulturellen Entwicklung in der sogenannten karolingischen Renaissance (Renovatio) notwendig waren. Land war die Schnittstelle zwischen Mensch und Natur und außerdem die wertvollste Ressource in einem solarbasierten Energiesysem. Die sogenannte `Hufenverfassung`, das mansus- System, wurde zur Schaffung eines Überblicks über die Produktion und zur Rekrutierung von Menschen von der karolingischen Verwaltung gebraucht und daher gefördert. Außerdem war der mansus eine sehr flexible physische, soziale und ökologische Einheit, die in diversen Naturräumen eingeführt werden konnte. Die Wahrnehmung von Land durch Menschen und Institutionen des Frühmittelalters sowie landwirtschatliche Praxis und Produktionssysteme sollen beleuchtet werden, indem Wechsel-wirkungen zwischen Gesellschaft und Natur - abgebildet in Agrarökosystemen - erforscht werden.
Der Mittelpunkt Europas verlagerte sich während des frühen Mittelalters vom Mittelmeerraum in den Nordwesten des Kontinents. In diesem Projekt wurde versucht, zur Erklärung dieser Verlagerung einen Blick auf die Organisation des agrar(ökologisch)en Produktionssystems zu werfen. Während des Frühmittelalters kam es zur Einführung neuer Pflanzen wie Roggen und Hafer in die europäische Landwirtschaft. Diese Pflanzen wachsen in einem Klima wie jenem nördlich der Alpen am besten, wo sie nämlich aufgrund der Feuchtigkeit ideale Wachstumsbedingungen und geeignete Böden vorfinden. Im Projekt wurde untersucht, ob die Einführung dieser Pflanzen kombiniert mit dem Auftauchen eines auf kleinen, kompakten Betriebseinheiten (mansus, colonica ) basierenden Landnutzungssystems, welches sehr häufig in der Form des bipartiten (zweigeteilten) Grundherrschaftssystems auftritt, ein sehr erfolgreiches, relativ stabiles Landwirtschaftssystem zur Folge gehabt hat. Im Rahmen des Projekts wurden karolingische Landnutzungssysteme (ca. 700-900) untersucht. Landnutzungssysteme in Europa entwickelten sich nach dem Zusammenbruch des römischen Reiches aufgrund des Fehlens einer starken herrschaftlichen Autorität sehr dezentral. Spezifische lokale Landwirtschaftstypen bildeten sich heraus und ließen hochentwickelte Agrarökosysteme entstehen. Mit dem Aufstieg der Karolinger wurden viele unabhängige Regionen wie die Provence, Bayern, Sachsen und Aquitanien (wieder-)erobert und in das karolingische Reich integriert. Es wurde untersucht, wie diese Territorien, in eretser Linie Bayern und die Provence, u.a. durch die Implementierung des fränkischen Landnutzungssystems in das Reich integriert wurden. Die Annahme, daß das bipartite, auf dem mansus basierende und im Pariser Becken entwickelte System zur Landnutzung Überschüsse in der Produktion bedingt hat, die zum erfolgreichen Führen von Kriegen, zur Expansion und auch zur kulturellen Entwicklung in der sogenannten karolingischen Renaissance (Renovatio) notwendig waren, konnte erhärtet werden. Land war die Schnittstelle zwischen Mensch und Natur und außerdem die wertvollste Ressource in einem solarbasierten Energiesysem. Die sogenannte `Hufenverfassung`, das mansus- System, wurde zur Schaffung eines Überblicks über die Produktion und zur Rekrutierung von Menschen von der karolingischen Verwaltung gebraucht und daher gefördert. Außerdem war der mansus eine sehr flexible physische, soziale und ökologische Einheit, die in diversen Naturräumen eingeführt werden konnte. Das Projekt beleuchtete sowohl die Wahrnehmung der Ressource Land durch Menschen und Institutionen des Frühmittelalters als auch die landwirtschatliche Praxis und Produktionssysteme.
- Universität Wien - 100%
- Caspar Ehlers, Max-Planck Institut für Geschichte - Deutschland
Research Output
- 29 Zitationen
- 1 Publikationen
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2014
Titel ICFHR 2014 Competition on Handwritten Digit String Recognition in Challenging Datasets (HDSRC 2014) DOI 10.1109/icfhr.2014.136 Typ Conference Proceeding Abstract Autor Diem M Seiten 779-784