Bronzezeitlicher Kupferschmelzplatz S1, Eisenerz Ramsau
Bronze Age Copper Smelting Site S1, Eisenerzer Ramsau
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Technische Wissenschaften (10%); Biologie (10%); Geowissenschaften (10%); Geschichte, Archäologie (70%)
Keywords
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Kupferschmelzplatz,
Bronzezeit,
Ostalpen,
Archäometallurgie
Im Jahr 1992 begannen archäologische Untersuchungen auf dem Kupferschmelzplatz S1 in der Eisenerzer Ramsau, einem kleinen Hochtal südwestlich von der Stadt Eisenerz, Verwaltungsbezirk Leoben, Steiermark/Österreich. Der Fundplatz liegt im Nordwestteil der Eisenerzer Alpen, einem an Erzlagerstätten sehr reichen Abschnitt der Grauwackenzone. Es handelt sich um die größte bisher archäologisch untersuchte Kupferverhüttungsanlage der Bronzezeit (BZ C/D) in den Ostalpen. Bis dato wurden vier Zwillingsofenanlagen, mehrere Röstbetten und zwei Schlackenhalden auf dem Fundplatz dokumentiert. Die bisherigen Grabungen deckten eine sehr komplexe Anlage mit mehreren Bau- und Betriebsphasen auf. Vor Beginn des Projektes und parallel dazu fanden bereits verschiedene naturwissenschaftliche Untersuchungen statt. Es erfolgten geochemische und botanische Untersuchungen zur Schwermetallbelastung des Bodens wie der Vegetation und pollenanalytische Untersuchungen. Geophysikalische Vermessungen erfaßten die Größe des Schmelzplatzes zu Beginn der Grabung. Erste Schlackenanalysen stellten die Verhüttung sulfidischer Erze fest. Im Rahmen des FWF-Projektes ist geplant, die Ausgrabungen abzuschließen, die zahlreichen Befunde auszuwerten und weitere naturwissenschaftliche Untersuchungen durchzuführen. Von besonderer Bedeutung sind Konstruktionsdetails der Schmelzöfen und die Stratigraphie, mit deren Hilfe die Betriebsdauer der Ofenanlagen ermittelt werden soll. Mineralogisch-petrographische Untersuchungen sollen die Herkunft und Eigenschaften des Baumaterials von Schmelzöfen und Röstbetten feststellen. Archäometallurgische Analysen der reichen Schlackenfunde dienen der näheren Beschreibung des Schmelzprozesses. Anthrakologische Untersuchungen von Holzkohlefunden der bronzezeitlichen Schichten sollen Auskunft über die Art des beim Röst- und Schmelzprozeß verwendeten Holzes geben. Einen zusätzlichen Beitrag zur bereits durch Pollenanalyse beschriebenen Waldgeschichte des Gebietes liefert der Vergleich mit Holzkohlen von mit jüngeren, nahegelegenen Kohlenmeilern.
In den österreichischen Ostalpen wurde in der Bronzezeit Kupfererz bergmännisch gewonnen und in eigens errichteten Schmelzanlagen verhüttet. Es wurden sowohl Kupferkies als auch Fahlerze verwendet. In dem kleinen Tal der Eisenerzer Ramsau südwestlich der Stadt Eisenerz in der Steiermark wurden 22 Schlackenfundplätze entdeckt. Die Ausgrabung eines der größten dieser Fundplätze - der Kupferschmelzplatz S1 - begann 1992 und endete 2006. Mit zehn Röststadeln und elf Schmelzöfen sowie einer größeren Zahl an Gruben unterschiedlicher Größe und Funktion ist dies der größte Fundplatz dieser Art aus der Mittleren Bronzezeit, der bisher in den Ostalpen untersucht wurde. Der charakteristische Bautyp der ostalpinen Kupferhütte bestehend aus einem Röststadel und einer Doppelofen- oder Zwillingsofenanlage wurde sechsmal nachgewiesen. Die Nutzung dieses Standortes als Kupferhütte ist für einen maximalen Zeitraum vom 17. - 13. Jahrhundert vor Christus anhand von 14C-Daten belegt. Die bronzezeitlichen Hüttenleute reparierten zudem einzelne Schachtöfen mehrfach. Die stratigraphischen Beobachtungen sichern die zeitliche Abfolge von drei der Doppelofenanlagen im Westteil des Fundplatzes. Im östlichen Teil befanden sich die Reste von drei weiteren Doppelofenanlagen sowie von drei deutlich voneinander abgegrenzten Schlackenhalden. Holz und Holzkohle waren die Energielieferanten des Schmelzprozesses. Erstmalig war es möglich, sämtliche Holzkohlenfunde auf ihre Holzart zu bestimmen. Auf diesem Schmelzplatz gab es keine spezielle Auswahl bestimmter Gehölzarten. Neben Fichte, Buche und Tanne fanden auch Bergahorn und Esche des typischen Bergmischwaldes Verwendung. Die Baureste von Röststadeln und Schmelzöfen erlaubten den Einsatz der archäomagnetischen Datierungsmethode. Die paläomagnetischen Richtungen unterstützen die stratigraphischen Beobachtungen und bestätigen diese im Wesentlichen. Es sind dies die ersten Daten aus der Mittleren Bronzezeit für Mitteleuropa und sie geben somit erstmals Anhaltspunkte für den Verlauf der Säkularvariationskurve dieser Zeit. Im späten Mittelalter nutzte man die eingeebnete Fläche am Ostrand des Kupferschmelzplatzes S1 für den Standort eines Kohlplatzes. Eine 1 m tiefe und im Durchmesser 4 m große Grube diente als Meilergrube. Es ist dies der erste archäologische Nachweis von Köhlerei im Mittelalter in den Ostalpen. Man verkohlte Fichtenstämme neben Buche, Tanne und Bergahorn. Dünnes Buchenholz verwendete man zum Anfeuern. Ein nahe gelegener "Lang-meiler" oder "Liegender Meiler" aus der frühen Neuzeit wurde hauptsächlich mit Fichtenholz betrieben. Die Untersuchungen zeigten deutlich einen steten Rückgang der Tanne und ein immer häufigeres Auftreten der Fichte im Waldbestand des Gebietes seit der Bronzezeit.
Research Output
- 9 Zitationen
- 1 Publikationen
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2006
Titel Spatial distribution of archaeomagnetic vectors within archaeological samples from Eisenerz (Austria) DOI 10.1111/j.1365-246x.2006.02944.x Typ Journal Article Autor Aidona E Journal Geophysical Journal International Seiten 46-58 Link Publikation