Der Goldschatz von Sannicolau Mare (Nagyzszentmiklós)
The gold treasure from Sannicolau Mare
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Naturwissenschaften (45%); Geschichte, Archäologie (55%)
Keywords
-
Early Medieval Period,
Gold Treasure,
Avars,
Sannicolau Mare,
Culture-Historical Research
Zu den prachtvollsten frühmittelalterlichen Ensembles, die das Kunsthistorische Museum in Wien besitzt, gehört der Goldschatz von Sännicolau Mare (ungarisch: Nagyszentmiklös). Er wurde 1799 im heutigen rumänischen Banat (damals ungarischer Reichsteil) gefunden und besteht aus 23 Gefäßen aus reinem Gold, die zusammen etwa 10 kg wiegen. Die meist exzellent gearbeiteten Gefäße sind großteils reich verziert und tragen teilweise verschiedenartige Inschriften. Als Zeichen langen Gebrauchs sind oft Zeichen von Umarbeitungen und Ergänzungen zu erkennen. Die historische Einordnung des Schatzes ist nach wie vor heftig umstritten. Vermutlich handelt es sich dabei um einen kleinen Teil des awarischen Königshortes, dessen größter Teil nach den Awarenkriegen Karls des Großen in das Frankenreich verbracht worden ist. Die Verbergung des Schatzes von Sännicolau Mare hat allerdings nicht zwingend mit den Awarenkriegen zu tun, er könnte auch im Zuge späterer historischer Ereignisse in den Boden gekommen sein. Im Schatz von Sännicolau Mare (Nagyszentmiklös) finden sich zahlreiche kulturelle Einflüsse in den Motiven, die zeigen, welche Bilder- und Symbolwelten man am Hof des einstigen Besitzers gekannt hat und für repräsentative Zwecke benützen konnte. Die verwendeten Goldschmiedetechnikenn beweisen das hohe Niveau der Goldschmiede, welche den Schatz hergestellt haben. Im Rahmen des Vorgängerprojektes P10256-HIS unter der Leitung von DI DDr. Peter Stadler wurde etwa die Hälfte des Schatzes von Sännicolau Mare (Nagyszentmiklös) goldschmiedetechnisch und materialographisch untersucht sowie umfassend photographisch und zeichnerisch dokumentiert. Gegenstand des nun beantragten Projektes ist zunächst der Abschluß der goldschmiedetechnischen Analysen wobei nun auch ein Rasterelektronenmikroskop zum Einsatz kommen soll, das die zerstörungsfreie Dokumentation und chemische Analyse kleinster Details erlaubt, darunter auch die Vermessung und den Vergleich mikroskopisch kleiner Werkzeugspuren, was wiederum die Voraussetzung dafür ist, die verschiedenen Hände der beteiligten Künstler unterscheiden zu können. Danach folgt die umfassende kulturhistorische Auswertung unter Einbeziehung einer Reihe von internationale Experten, die sich mit bestimmten Aspekten des Schatzes befassen werden. Am Ende soll eine zweibändige Monographie stehen, deren erster Band die vollständige Dokumentation der Goldgefäße aus dem Schatz von Sännicolau Mare (Nagyszentmiklös) enthält, der zweite Band die daran anknüpfenden, weitgefächerten kulturhistorischen Studien.
- Universität Wien - 100%