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Die Bestimmungsfaktoren des Lohnverhandlungssystems

THE DETERMINANTS OF WAGE BARGAINING

Franz Traxler (ORCID: )
  • Grant-DOI 10.55776/P16571
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.08.2003
  • Projektende 15.12.2006
  • Bewilligungssumme 167.654 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Politikwissenschaften (30%); Soziologie (60%); Wirtschaftswissenschaften (10%)

Keywords

    Wage Bargaining, Bargaining And Performance, Collective Bargaining, Bargaining Coordination, Pattern Bargaining, Wage Coordination

Abstract Endbericht

International vergleichende Studien stimmen darin überein, dass Österreichs Lohnpolitik durch einen hohen Grad an makroökonomischer (sektorübergreifender) Koordinierung gekennzeichnet ist, obwohl die Lohnabschlüsse auf Branchen/Sektorebene verhandelt werden. Danach ist für Österreich ein vergleichsweise dezentraler Mechanismus der Lohnkoordinierung charakteristisch. Dabei handelt es aus komparativer Sicht um ein unübliches Arrangement, da Dezentralisierung und Koordinierung der Lohnpolitik nur schwer zu vereinbaren sind. Infolge der beachtlichen Unterschiede in der wirtschaftlichen Situation der einzelnen Sektoren wäre zu vermuten, dass nur die Zentralisierung der Lohnverhandlungen geeignet ist, die intersektorale Koordinierung der Lohnbildung zu sichern. Im Gegensatz dazu scheint in Österreich die Koordinierung auf der Lohnführerschaft der Metallindustrie zu beruhen. Dieses Projekt untersucht diesen Prozess der Lohnführerschaft in bezug auf drei Fragen: (1) Überprüft wird die Effektivität der Lohnführerschaft, d.h. die Frage inwieweit die Metallindustrie die Lohnbildung in den übrigen Sektoren tatsächlich beeinflusst. (2) Es werden die Gründe dafür untersucht, die die tarifpolitischen Akteure dazu veranlassen, ihre Lohnpolitik am Prinzip der Lohnführerschaft zu orientieren. (3) Ausgehend von einem international vergleichenden Forschungsdesign untersucht das Projekt, ob und in welcher Weise sich die sozioökonomischen Effekte der Lohnführerschaft von anderen, alternativen Formen der Lohnpolitik unterscheiden. Durch die europäische Integration werden diese Fragen sowohl aus österreichischer als auch aus komparativer Sicht besonders relevant. Für Österreich lassen die Projektergebnisse Rückschlüsse auf die Zukunft der Lohnführerschaft zu, insbesondere auf ihre Chance, die Herausforderung wachsender intersektoraler Unterschiede im Gefolge der europäischen Integration zu bewältigen. Aus komparativer Sicht ist das Projekt relevant, weil die gesamteuropäische Koordinierung der Lohnpolitik allgemein als die eine von zwei sinnvollen Strategien zur Akkordierung der Lohnpolitik mit den Erfordernissen der Währungsunion betrachtet wird. Da die Zentralisierung der Lohnbildung auf gesamteuropäischer Ebene infolge der vielfältigen Unterschiede in den nationalen Lohnpolitiken nicht machbar ist, ist in der Währungsunion nur eine dezentrale Form der Koordinierung denkbar. Die Projektergebnisse zu den drei oben skizzierten Fragen können zur Klärung der Voraussetzungen und Erfolgsaussichten einer transnationalen, dezentralen Koordinierung der Lohnpolitik in der Währungsunion beitragen.

Die fortschreitende Internationalisierung der Märkte und die Vollendung der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion (EWWU) setzen neue Impulse für die systematische Untersuchung der institutionellen Unterschiede zwischen den Tarifsystemen der EU-Mitgliedsstaaten. Da in der EWWU den Ländern die geld-, währungs- und budgetpolitischen Steuerungsinstrumente zur Anpassung in Situationen asymmetrischer Schocks, die durch ein Ungleichgewicht der ökonomischen Entwicklung der Mitgliedstaaten verursacht sind, entzogen sind, verlagert sich die ökonomische Anpassung auf die Löhne. Die Frage nach der Effizienz lohnpolitischer Koordinierungsmechanismen ist deshalb von besonderer Relevanz. Für Österreich, wo die Lohnabschlüsse auf Branchen/Sektorebene verhandelt werden, ist ein vergleichsweise dezentraler Mechanismus der Lohnkoordinierung charakteristisch, der aber dennoch ein hohes Maß an sektorübergreifender Koordinierung sicherstellt. Dieses Projekt hat den Prozess der Lohnführerschaft in bezug auf drei Fragen untersucht: (1) Inwieweit hat die Metallindustrie in Österreich in den Jahren seit 1970 die Lohnbildung in den übrigen Sektoren tatsächlich beeinflusst. (2) Was sind die Orientierungskriterien und -motive der tarifpolitischen Akteure Österreichs, ihre Lohnpolitik am Prinzip der Lohnführerschaft zu orientieren. (3) Darüber hinaus werden länderübergreifende Effekte der Lohnkoordinierung innerhalb des Metallsektors und zwischen abgrenzbaren Sektoren untersucht. Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass informelle und formelle Koordinierungsaktivitäten wie ein regelmäßiger Informationsaustausch sowohl innerhalb als auch zwischen den Wirtschaftssektoren bestehen, wobei sich z.T. institutionalisierte Kommunikationsbeziehungen auch zwischen Arbeitnehmer- und Arbeitgeberseite etabliert haben. Die größte Koordinierungswirkung geht von der seit den frühen 1980er-Jahren stattfindenden Herbstlohnrunde aus. In ihrem Rahmen wird für die Beschäftigten des Metallsektors (Arbeiter und Angestellte) gemeinsam verhandelt. Empirisch lässt sich nachweisen, dass das gemeinsame Verhandlungsergebnis seit Beginn der 1980er-Jahre weitreichende Signalwirkung für den Großteil der anderen Wirtschaftsbranchen hat. Bemerkenswert ist, dass die sektorübergreifende Koordinierungswirkung das Ergebnis impliziter Abstimmungsprozesse ist. Damit erfolgt während des gesamten Beobachtungszeitraums keine offizielle übersektorale Koordinierung durch die beiden Dachverbände Österreichischer Gewerkschaftsbund und Österreichische Wirtschaftskammer. Aus internationaler Perspektive lässt sich aus den empirischen Ergebnissen der Studie schließen, dass die Erfolgschancen und grenzüberschreitenden Effekte einer transnationalen, dezentralen Koordinierung der Lohnpolitik nach dem Muster der österreichischen Lohnführerschaft vor dem Hintergrund der Währungsunion als durchaus positiv einzuschätzen sind.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Wien - 100%

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