Der Prunkbrunnen des C. Laecanius Bassus in Ephesos
The Fountain of C. Laecanius Bassus at Ephesos
Wissenschaftsdisziplinen
Bauwesen (50%); Geschichte, Archäologie (50%)
Keywords
-
Roman Architecture,
Fountains,
Roman Sculpture,
Excavations,
Ephesos
Das Projekt setzt sich die Dokumentation und Präsentation einer monumentalen Brunnenanlage im Zentrum des kaiserzeitlichen Ephesos (Türkei) samt ihrer Skulpturenausstattung für die Publikation in der Reihe "Forschungen in Ephesos" zum Ziel. Das Studium dieses Bauwerks und seiner Dekoration ist aus verschiedenen Gründen äußerst lohnend: es ist durch die Ehreninschrift für den Statthalter Bassus gut datiert (80/81 n. Chr.); es handelt sich um einen Pionierbau des Typus "Fassadennymphaeum"; von Architektur und Plastik sind soviel erhalten (ca. 30 bzw. 80 %), daß eine fundierte Rekonstruktion möglich ist und das Zusammenspiel von Architektur und Skulptur mit dem Element Wasser mit hoher Authentizität dargestellt werden kann. In diesem Sinn wird das Projekt sicher einer Weiterentwicklung von Bauforschung und Archäologie dienen. Die Publikation soll im Teamwork von Bauforscher, Althistoriker und einer Reihe von Archäologen erarbeitet werden und das Bauwerk in allen seinen Aspekten darstellen. Das Team setzt sich zusammen aus dem Bauforscher und der Bearbeiterin der Skulptur (für die hier Fördermittel beantragt werden) sowie freien Mitarbeitern des Österreichischen Archäologischen Institutes bei den Grabungen in Ephesos, und der Antragstellerin. Das Bauwerk wurde zuerst in den 60er Jahren des 20. Jh.s erforscht, was zu einem kurzen Forschungsbericht mit erstem Rekonstruktionsversuch und der Publikation einer Auswahl der Skulpturenausstattung führte.In der Folge kam es zu zahlreichen Erwähnungen des Bauwerks und von Einzeldenkmälern seiner Ausstattung in der wissenschaftlichen Literatur. Aufbauend auf diesen Grundlagen und den späteren, umfangreichen Vorarbeiten von K. Jung (Architektur) und der Antragstellerin (Skulptur) in den 80er Jahren soll in diesem 2jährigen Projekt zunächst die Dokumentation der Ruine, der Werkstücke des Baues und der Skulpturenfunde abgeschlossen werden. Nachgrabungen an ausgewählten Stellen werden Aufschlüsse zu Fragen der Bautechnik, der Wasserzu- und ableitung und der Chronologie erbringen. Ausgehend von der Dokumentation des Baues und dem Studium der vergleichbaren Monumente werden die Rekonstruktion des Bauwerks, seine bautypologische und urbanistische Stellung sowie seine primäre Skulpturenausstattung und die späteren Addenda der Dekoration vorgelegt werden. Weitere Spezialisten werden die Architekturornamentik, die Ehreninschrift und den historisch/politischen Hintergrund sowie die Ergebnisse der Nachgrabungen bearbeiten. Ein virtuelles filmgerecht dargestelltes Modell soll die Position des Bauwerks im urbanen Kontext veranschaulichen. In der Publikation sollen schließlich alle Ergebnisse in einer fachübergreifenden, umfassenden Darstellung verschmelzen.
Ziel des 2jährigen Projekts war die Erforschung des Brunnens des Statthalters C. Laecanius Bassus in Ephesos (Kleinasien) zur Publikation in der Reihe "Forschungen in Ephesos". Es handelt sich dabei um einen inschriftlich gut datierten prunkvollen Nutzbau (81 n. Chr.), von dem ein hoher Anteil der Architektur und der Skulpturenausstattung erhalten ist. Die Arbeiten wurden von einem interdisziplinären Team von Bauforscher, Archäologen, Historiker und Numismatiker durchgeführt, um das Bauwerk, seine Funktion, die Dekoration und Ausstattung in allen Aspekten darzustellen. Die Arbeiten wurden durch den FWF und das Österreichische Archäologische Institut finanziert und in Kooperation mit Wissenschaftern österreichischer Fachinstitutionen durchgeführt. Die wichtigsten Ergebnisse betrafen die Chronologie und den Nutzungszeitraum des Bauwerks, die fundierte Rekonstruktion des Baus mit der Analyse der Planung und Ausführung, Erkenntnisse zur Wassertechnik, die Erforschung der Bauornamentik und die Darstellung des Skulpturenprogramms. Der interdisziplinäre Ansatz ermöglichte vertiefte Erkenntnisse zum Planungs- und Bauablauf vom Stifter bis zu den Ausführenden und zur Stellung des Baus und seiner Ausstattung an einem architekturgeschichtlichen und kunsthistorischen Wendepunkt. Der Brunnen ist ein Pionierbau im Typus des "Fassadennymphäums" in chronologischer und gestalterischer Hinsicht und von innovativer Grundhaltung geprägt. Das zeigt auch die vielgestaltige, experimentell eingesetzte Ornamentik, die den ganzen Bau überzieht und deren Bewertung einen wichtigen Fortschritt in der Erforschung der römischen Kunst am Bau darstellt. Die architektonische Planung nimmt in vielfältiger Weise Rücksicht auf die Skulpturenausstattung. Diese gehört fast ausschließlich der Erbauungszeit an und war bis in die christliche Spätantike sichtbar (das zeigt u.a. die Abmeißelung der männlichen Genitalien). Das Statuenprogramm der Hauptfassade konnte rekonstruiert werden: in der Mitte des Unter- und Obergeschoßes waren Flußgötter plaziert, an den restlichen Standorten dieser Geschoße Themen aus dem Bereich des Meeresreigens (Tritone, Nereiden, Hippokampen). Sechs Statuen dienten als Wasserspeier. In den beiden Seitenfassaden war Porträt- und Idealplastik gemischt aufgestellt. Ein Statuensockel am Nordende des Schöpfbeckens trug einst die Statue des C. L. Bassus. Die Nachgrabungen und die Auswertung des keramischen Fundmaterials legen eine Nutzung des Brunnens bis ins 6./7. Jh. n. Chr. nahe. - Der bei Projektbeginn erhoffte Fortschritt für die Wissenschaft kann bestätigt werden. Die Ergebnisse werden vor Ort dem interessierten Publikum nahegebracht werden, aber sicher auch Eingang in den Lehrbetrieb der Fachinstitute und in die Fachliteratur finden.