Ostmitteleuropäische Schulen II (Mitteleurop. Schulen IV)
Schools of Eastern Central Europe II (Cent. Europ. Sc. IV)
Wissenschaftsdisziplinen
Kunstwissenschaften (90%); Medien- und Kommunikationswissenschaften (5%); Philosophie, Ethik, Religion (5%)
Keywords
-
Illuminated manuscripts,
14th century,
Austrian State Library,
King Venceslas IV.,
Eastern Central Europe,
Prague
Das Vorgängerprojekt "Ostmitteleuropäische Schulen I, II" wurde unter dem Titel "Mitteleuropäische Schulen III" am 27. 9. 2002 dem FWF zur Begutachtung vorgelegt und wird danach bis zur Drucklegung weiterbetreut. Ziel des Projektes "Mitteleuropäische Schulen IV" ist es, einen Katalogband zu erstellen, der ausschließlich den für König Wenzel IV und den Prager Hof entstandenen Codices gewidmet ist. Vorarbeiten hierfür wurden bereits im Vorgängerprojekt geleistet. Die Österreichische Nationalbibliothek zu Wien ist im Besitze einer großen Zahl an königlichen Codices, die zudem über eine Periode von etwa 20 Jahren das künstlerische Schaffen ihrer Illuminatoren dokumentieren. Dazu zählen die sogenannte "Wenzelsbibel" in 6 Bänden (Cod. 2759 - 2754), der Willehalm-Codex (Ser.n. 2643), das Bergrecht für Böhmen (Cod. 2264), eine Astronomische Handschrift (Cod. 2352), die Paulusbriefe (Cod. 2789), die Goldene Bulle (Cod. 338) und andere, auch dem Fachpublikum kaum oder nicht bekannte Handschriften. Die genannten Codices sind untereinander nicht nur durch die Embleme Wenzels verbunden und als solches zweifelsfrei der ehemaligen königlichen Bibliothek zuzuordnen, sondern auch durch die Illuminatoren, die an ihrem Buchschmuck mitgearbeitet haben. Abgesehen von der Wenzelsbibel und der Goldenen Bulle, von denen bereits Faksimilie-Bände vorliegen, wird dieser Band die Miniaturen sämtlicher Prachtbände erstmals publizieren und einige weitere Werke der Hofilluminatoren und Floratoren, die nicht unmittelbar für den König bestimmt waren, vorstellen. Auf diese Weise soll neben der Erstellung eines Bestandskataloges auch ein umfassendes Bild über die Buchkünstler des Rex Romanorum und deren Umkreis gezeichnet werden. Der Textband wird die stilistische Provenienz der Künstler, die Zusammenarbeit ihrer Werkstätten sowie umfassende Werklisten für jeden Illuminator enthalten, außerdem genaue codicologische Angaben, Inhalt und Provenienz der betreffenden Handschriften, komplette Miniaturenlisten mit Kurzbeschreibungen, Ausführungen zum Fleuronnée und Angaben zur neuesten Literatur. Beziehungen zu den bereits im Band "Mitteleuropäische Schulen III" publizierten, repräsentativen Codices kirchlicher Würdenträger werden hierbei immer wieder berücksichtigt werden. - Der Tafelband wird unter Berücksichtigung der beiden bereits faksimilierten Handschriften vor allem viel neues Anschauungsmaterial zu Fleuronnée- und Miniaturenausstattung der anderen, selten oder gar nicht publizierten Codices bringen.
Ziel des Projektes war die wissenschaftliche Aufarbeitung jener reich illuminierten Handschriften, die während der letzten Jahrzehnte des 14. Jahrhunderts für König Wenzel IV. und seinen Hof in Prag produziert worden sind und die sich heute in der Österreichischen Nationalbibliothek befinden. Aufgrund dynastischer Beziehungen zwischen den Luxemburgern und den Habsburgern waren die kostbarsten Handschriften des Königs im 15. Jahrhundert an Albrecht II. von Habsburg (1438-1439) weitervererbt worden und gelangten schließlich in die k.k. Hofbibliothek zu Wien, die heutige Österreichische Nationalbibliothek. Wenzels Residenzstadt Prag zählte zu den bedeutendsten Zentren der Buchproduktion, sie war vergleichbar mit anderen europäischen Machtzentren in Italien und Frankreich. Das Medium Buch spielte aufgrund seiner Mobilität eine große Rolle in der Entwicklung des sogenannten "Internationalen Stils" um 1400 - nicht zuletzt deshalb gelangte auch die Prager Buchkunst zu großer internationaler Bedeutung dies- und jenseits der Alpen. Sie erweist sich zudem als kunsthistorisch besonders wertvoll, da es aus Wenzels Zeit kaum erhaltene Monumentalmalereien gibt. Die Buchkunst konservierte somit "en miniature" den Stil der Wenzelszeit. In den meisten Fällen ist es nicht der Text selbst, sondern der Buchschmuck, der auf Verbindungen auf den königlichen Hof in Prag hinweist. Um den Leser mit dem böhmischen Hofstil vertraut zu machen, beinhaltet der Textband des Katalogs Informationen zu allen Illuminatoren bzw. Werkstätten, die im Auftrag des Hofes gearbeitet haben, zu deren Herkunft und Werdegang sowie auch zu den Floratoren, die oft engst mit den Illuminatoren zusammengearbeitet haben oder vielleicht sogar selbst Illuminatoren waren. Darüber hinaus werden der Einband, die Bindung, etwaige Besitzeinträge, die Provenienzgeschichte und natürlich der Inhalt jedes Buches vorgestellt. Der Bildband trägt dem Umstand Rechnung, dass einige Wenzelshandschriften bereits ausführlich publiziert worden sind, während andere entweder unterrepräsentiert waren bzw. gänzlich unbekannt blieben. Bis heute ist das kunsthistorische Interesse an den Wenzelshandschriften sehr von der Diskussion um die große deutsche Bibel des Königs, die sogenannte "Wenzelsbibel", geprägt. Kleinere Aufträge dagegen, Breviere oder Sammelhandschriften, welche sich in den Depots der Österreichischen Nationalbibliothek befinden, blieben noch unentdeckt. Dennoch sind es diese weniger extensiv bebilderten, trotzdem kostbar verzierten Bücher, die uns Auskunft über das politische, klerikale und soziale Netzwerk des Prager Hofes geben. Daher wird dieser Katalog nun Gelegenheit bieten, auch diese Handschriften erstmals in die wissenschaftliche Diskussion einzuführen.
- Universität Wien - 100%