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Die Wiener Hofoper zwischen Mahler und Strauss

The Vienna ´Hofoper´ between Mahler and Strauss

Wolfgang Greisenegger (ORCID: )
  • Grant-DOI 10.55776/P17084
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.09.2004
  • Projektende 31.12.2008
  • Bewilligungssumme 59.705 €

Wissenschaftsdisziplinen

Geschichte, Archäologie (10%); Kunstwissenschaften (90%)

Keywords

    Hofoper Wien 1911-1918, Musiktheater, Hans Gregor, Bühnenbild, Theatergeschichte, Kostüme

Abstract Endbericht

Zu den glänzendsten Perioden der Wiener Oper werden die Ära Gustav Mahler (1897-1907) und die Ära Richard Strauss/Franz Schalk (1918-1922) gezählt. Wenig ist jedoch über Hans Gregor (1866 Dresden-Berlin 1945) bekannt, der das Haus am Ring von 1911 bis 1918 leitete. Nach Gustav Mahlers verbittertem Abschied und dem dreijährigen Intermezzo Felix Weingartners hatte man den Gründer und Leiter der Komischen Oper Berlin an die Hofoper nach Wien berufen. In Deutschland war Gregor mit viel beachteten Inszenierungen bekannt geworden, in denen er seine Reformideen der Oper als Musik-Drama umsetzte. Er galt als "Max Reinhard der Opernbühne", aber auch als Mann des Rechenstiftes. Der deutsche, straff organisierende, Gregor wurde nie richtig populär in Wien. Seine Programmgestaltung, betreffend Repertoire und Novitätenpolitik, die Neuproduktionen und deren Ausstattungsstil wurden allmählich von einer zeitgenössischen Presse immer mehr abgelehnt.Nach seiner Demission zum Kriegsende 1918 war er bald vergessen. Lange noch tradieren die Chroniken der Wiener Oper das nie begründete schlechte Urteil über den "unmusischen" Direktor, der "das Erbe Mahlers endgültig verspielt" und geben sein Todesdatum mit 1919 statt 1945 an. Das Ziel des vorliegenden Projektes ist, wissenschaftlich fundierte Aussagen über Neuproduktionen von Oper und Ballett und deren Ausstattungsstil unter Direktor Hans Gregor zu schaffen. Nicht bekannt sind unter anderem bis heute die Ausstatter der Opern von Richard Strauss: "Ariadne auf Naxos",1916 in Wien uraufgeführt, und "Salome", Erstaufführung 1918. Eine Untersuchung und Interpretation der Aufführungsstatistiken zwischen 1911 und 1918 soll endlich Klarheit über die Programm- und Repertoiregestaltung Gregors bringen. Die Selbstzeugnisse, sowie der nicht veröffentlichte rege Schriftverkehr mit Komponisten, Dirigenten, Sängern, Verlegern und Malern in den Aktenreihen "Oper" und "Generalintendanz" des Haus-Hof und Staatsarchivs sollen hierfür recherchiert und ausgewertet werden. Hier finden sich zu den Ausstattungen detaillierte Kostenvoranschläge, Honorarnoten, Textbücher, Zeitungsberichte, manchmal auch Bühnengrundrisse. In vielen Fällen sind die Ausstattungskünstler noch nicht gesichert. Sie wurden bis 1918/20 nicht auf den Programmzetteln genannt. Der bis heute nicht widerlegte Irrtum von zahlreichen falschen Zuschreibungen an den Dekorationsmaler Anton Brioschi beruht darauf, daß dieser Dokumentationen aller von ihm ausgeführten Dekorationen anlegte. Er bezeichnet sie mit "gemalt von A. Brioschi" gibt aber nie, selbst bei Roller nicht, den künstlerischen Gestalter an. Schon die ersten Voruntersuchungen ergaben, daß Gregor nicht gewillt war, in Wien den Ausstattungsstil wieder aufleben zu lassen, der vor Mahler die Bühne der Hofoper bestimmt hatte. Neben dem am Haus angestellten künstlerischen Beirat des Ausstattungswesens Hans Pühringer und dem Dekorationsmaler Anton Brioschi konnten allein für die Jahre 1911/12 folgende Künstler dingbar gemacht werden, die Ausstattungen entwarfen: Alfred Roller, Kolo Moser, Karl Walser, Ernst Stern, Heinrich Leffler, Joseph Urban, Karl Ludwig Prinz. Die betreffenden Bühnenbilder und Kostüme sollen dokumentiert und analysiert werden, um zusammen mit den Archivmaterialien ein aussagekräftiges Urteil über den Ausstattungsstil zu erhalten Von Bedeutung werden dabei aber auch die immer stärker werdenden Restriktionen durch den Krieg ab 1914 sein: Inhaltlich (Aufführungsverbot noch lebender Komponisten der Feindesländer). Sozial (Fronteinzug männlicher Mitglieder) Wirtschaftlich-Materiell (zeitweise Schließung des Hauses, Materialknappheit auch für die Ausstattungen).

Hans Gregor, Hofoperndirektor in Wien von 1911 bis 1918, kann in der 140 Jährigen Geschichte des Hauses am Ring mit acht Jahren die längste Amtszeit nach Holender, Jahn und Mahler aufweisen. Der erfahrene Theatermann und Begründer der Komischen Oper in Berlin wurde in Deutschland wegen seiner epochemachenden Opern-Inszenierungen und Regiearbeiten "Max Reinhard der Opernbühne" genannt, in Österreich hingegen nach 1918 kaum beachtet und oft ungerechtfertigt als verschwenderischer Banause und Kunstvandale dargestellt, der das "Erbe Mahlers endgültig verspielte". Um ein sachliches Urteil zu erhalten wurden im Österreichischen Haus- und Hofarchiv für die Jahre 1911-1918 die Aktenreihen "Hofoper", "Generalintendanz" und "Obersthofmeisteramt" gesichtet. Mit dem Inhalt der über 50 000 Akten eröffnet sich nicht nur das gesamte Spektrum eines großen Theaterbetriebes zwischen 1910 und 1918, er dokumentiert auch ein Stück Zeit- und Kulturgeschichte Wiens und seiner Bevölkerung in den letzten vier Vorkriegsjahren und in den Jahren des Weltkrieges bis zum Umbruch und Ausrufung der Republik. Als Ergebnis liegt ein an die 3500 Seiten im Computer gespeichertes Quellenmaterial vor, das jederzeit abrufbar ist und mittels Suchmaschine durchforstet, abgerufen, am Bildschirm gelesen bzw. ausgedruckt werden kann. Zu Tage kam der großteils unbekannte Briefwechsel mit Komponisten und Ausstattungs- Künstlern der Neuproduktionen, die Korrespondenz mit Sängern, Textdichtern, Impresarios, Verlegern, Pressevertretern. Unter anderem Richard Strauss, Oskar Strauss, Siegfried Wagner, Hans Pfitzner, Eugene d`Albert, Jules Massenet, Giacomo Puccini, Ermanno Wolf-Ferrari, Alexander Zemlinsky, Vater und Sohn Korngold, Julius Bittner, Max Oberleithner, Wilhelm Kienzl, Franz Schreker, Karl Goldmark, Max v. Schillings, Franz Schmidt, Wolfgang v. Waltershausen, Leos Janacek; Alfred Roller, Heinrich Leffler, Karl Walser, Kolomann Moser, Ernst Stern, Julius Diez, Karl Ludwig Prinz, Hans Pühringer, Anton Brioschi, Oskar Kauffmann; Sergej Diaghilev, Jacques Dalcroce, Grete Wiesenthal, Mata Hari, Alma Mahler. Hermann Bahr, Arthur Schnitzler, Hugo von Hofmannsthal, Anna Bahr-Mildenburg, Maria Jeritza, Lotte Lehmann, Alfred Piccaver, Leo Slezak ?.Diese "Materialien zur Wiener Hofoper unter Hans Gregor 1911-1918" liegen im Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft der Universität Wien, auf. Des Weiteren steht die e Mail Adresse werner-clementschitsch@aon.at bei spezifischen Nachfragen zur Verfügung. Auf Grund der nun vorliegenden Ergebnisse sollte die Ausstattungsgeschichte der Wiener Hofoper zwischen 1911 und 1918 neu gesehen werden. Für seine Neuinszenierungen beauftragte Gregor nicht nur wie bis heute angenommen den Dekorationsmaler Anton Brioschi, sondern hochqualifizierte Künstler von internationalem Rang, mit denen auch Max Reinhard zusammenarbeitete: Alfred Roller, Karl Walser , Ludwig Prinz , Ernst Stern, Kolomann Moser, Heinrich Leffler, Josef Urban, Franz Schmitt, Oskar Kaufmann, Hans Pühringer. Mit den Gastspielen von Diaghilevs Truppe stellte Gregor in Wien erstmals Bühnenbilder und Ausstattungen der französisch-russischen Avantgarde vor: Leon Bakst, Konstantin Korowin, Alexandre Benois, Sonja Delaunay, Boris Anisfeld, Nikolai Roerich. An Ur- und Erstaufführungen bot Gregor neben den Straussopern "Rosenkavalier", "Ariadne auf Naxos"( wir fanden den heute vergessenen Namen des Ausstatters), und "Salome", den frei gewordenen "Parsifal", "Tannhäuser, Pariser Fassung" (Wagner), "Pelleas und Melisande"(Debussy), "Mädchen aus dem goldenen Westen" (Puccini), "Jenufa" (Janacek), "Der Gaukler unserer Lieben Frau" (Massenet) "Notre Dame" (Schmidt), "Bergsee"(Bittner),"Das Spielwerk der Prinzessin" (Schreker), "Oberst Chabert" (Waltershausen), "Mona Lisa"(Schillings), "Violantha", "Ring des Polykrates" (Korngold) "Eine florentinische Tragödie" (Zemlinsky).Gregors Repertoire muss angesichts der vielen Wiener Novitäten -über die Hälfte der gegebenen Opern waren nicht älter als 30 Jahre- als Avantgardespielplan bezeichnet werden, der bis heute seine Gültigkeit nicht verloren hat, bzw. wieder aktuell werden könnte.

Forschungsstätte(n)
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