Architekturprinzipien des frühen Vajrayana Buddhismus
Architectural Principles of Early Vajrayana Buddhism
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Geisteswissenschaften (20%); Bauwesen (70%); Philosophie, Ethik, Religion (10%)
Keywords
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Architecture,
Tibet,
Buddhism,
Mandala,
Iconometry
Das Projekt behandelt die Architektur der frühen Phase des Vajrayana Buddhismus in der Region des westlichen Himalaya. Ziel ist die Erforschung des Proportionssystems und der Ikonometrie des architektonischen Raums. Dem Antragsteller gelang unlängst in einer Veröffentlichung architektonischer Studien der Nachweis, dass die Architektur dieser Periode auf einer geometrischen Ordnung basiert, die dem Konzept eines Mandalas entspricht. Dies wurde bereits 1937 von Prof. Giuseppe Tucci behauptet, der geometrische und mathematische Beweis wurde bislang jedoch nicht erbracht. Das Projektziel sind die vollständige Ausarbeitung des Proportionssystems und die Rekonstruktion des methodischen Prozesses, in dem ein idealer Mandalaplan in einen architektonischen Plan, d.h. in eine praktisch nutzbare Konfiguration von Räumen transformiert wurde. Die Rekonstruktion dieser Entwurfsmethode erlaubt Rückschlüsse auf das Mandaladiagramm, das einem Gebäude zu Grunde liegt. Neben den konzeptionellen Aspekten der Architektur und der Ikonometrie des Raums gilt das Augenmerk dem Zusammenwirken des Raums und der dekorativen Elemente. Ebenso werden Fragen der Herkunft dieser Planungsmethode und Konstruktionsgesetze, die im 10. und 11. Jahrhundert nach Tibet gelangten, sowie der mögliche Einfluss wichtiger religiöser Persönlichkeiten und bestimmter religiöser Schulen erörtert. Das Verständnis der Raumstruktur jenseits der endgültigen, gebauten Form ist ein unumgängliches Kriterium für die korrekte Beurteilung eines religiösen Bauwerks. Auch die Bewertung der Ordnung des "Inhalts" in Form von Wandmalereien und Skulpturen kann erst dann richtig erfolgen, wenn das Wissen um die Raumordnung vorhanden ist. Letztendlich wird das Projekt neue Einblicke in die Konzeption religiöser Räume und in deren praktische, rituelle Nutzung liefern. Bei dem Projekt handelt es sich um Grundlagenforschung auf dem Gebiet der buddhistischen, tibetischen Architektur. Zudem ist anzunehmen, dass die hier angewendeten architektonischen Konzepte auf nordindischen Vorlagen beruhen. Die eingehende Analyse der Architektur dieses einst abgelegenen Teils der Buddhistischen Welt erlaubt so Rückschlüsse auf die Architektur und religiöse Kunst Indiens und möglicherweise auch Zentralasiens. Aufgrund der nahezu vollständigen Zerstörung der dortigen buddhistischen Zentren infolge islamischer Invasionen und fortschreitenden Zerfalls auf Grund von Klimaänderungen, bietet sich hier die Gelegenheit zu einer einmaligen Studie, die sonst kaum mehr möglich sein wird.
Die wichtigsten Ergebnisse der Forschungsarbeit über die Architektur des frühen Vajrayana Buddhismus beinhalten den Nachweis grundlegender, räumlicher Konfigurations- und Ordnungsmuster sowie die Identifikation von Varianten einer speziellen, mit dieser Entwicklung in direktem Zusammenhang stehenden, Proportionslehre. Die grundlegende Idee einer idealen kosmischen Ordnung, die zum übergeordneten Muster für die Raumvorstellung im Vajrayana Buddhismus wurde, geht zurück auf die Gruppe der "Fünf Familien", bestehend aus einem zentralen Buddha und vier im Achsenkreuz angeordneten Buddhas. Diese aus dem Mahayana Buddhismus übernommene Vorstellung wurde kontinuierlich weiterentwickelt und führte zur Standardisierung des sogenannten "kreuzförmigen" Tempeltypus. Die damit in Zusammenhang stehenden Monumente entstanden hauptsächlich in Bengalen im 7.-8. Jh.. Dieser Tempeltypus basierte auf einem zentralen Stupa, an den vier Schreinräume direkt angefügt wurden. Damit wurde das Konzept des Stupas mit der Idee eines Tempel verknüpft und der Stupa damit zum Zentrum einer Mandalaordnung. Gleichzeitg wurde auch der Stupa selbst als Mandala verstanden. Ein weiterer, überaus wichtiger Entwicklungsschritt war das "Öffnen" und zugänglich Machen des zentralen Stupabereichs. Während frühe Bauwerke wie etwa die Zentraltempel von Paharpur oder Vikramashila noch massive Kerne hatten, wurden die späteren Tempel in Bengal, wie etwa der Bhasu Vihara Schrein, mit einer zentralen Cella ausgestattet. Diese Entwicklung spiegelte die tantrische Meditationspraxis wider, in welcher vom Praktizierenden das Zentrum des Mandalas eingenommen werden konnte. Damit kann der architektonische Raum als Reflexion der wichtigsten Entwicklung vom Mahayana zum Vajrayana (Tantrayana) verstanden werden. Auf der konkreten räumlichen Ebene löste dies eine Weiterentwicklung von zentrisch aufgebauten hin zu horizontal angeordneten Grundrisslösungen aus. Das Proportionssystem basiert im Grunde genommen auf dem Verhältnis 1:1,41, d.h. auf dem Verhältnis der Seitelänge eines Quadrats zu seiner Diagonale (Umkreisdurchmesser), was im frühesten Fall beim 100-Stupa Tempel von Yakhoto in der Turfanregion (vermutlich im 8.Jh. errichtet) nachgewiesen werden konnte. Ebenfalls nachweisbar ist es bei allen bislang untersuchten Tempeln der sogenannten "Zweiten Verbreitungswelle des Buddhismus" in Westtibet wie etwa den Haupttempeln von Tholing, Nyarma und Tabo, die allesamt um das Jahr 1000 n.Chr. errichtet wurden. Bei den späteren Tempel in Ladakh (11.-13.Jh.) konnte dieser Proportionskanon auch bei den Malereien und skulpturalen Ausstattungselementen festgestellt werden. Es gab damit ein allumfassendes Raum- und Ausstattungkonzept, das die Ordnung von Raum und Rauminhalt als Einheit gestaltete. So bilden Raum und Inhalt auf konzeptioneller, formaler und auch auf metaphysischer Ebene eine Einheit.
- Bundesland Steiermark - 100%
Research Output
- 3 Zitationen
- 1 Publikationen
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2012
Titel The Temple of Triloknath – A Buddhist Nagara Temple in Lahul DOI 10.1080/02666030.2012.659897 Typ Journal Article Autor Widorn V Journal South Asian Studies Seiten 15-35