Die Urbanistik des vorrömischen Palmyra
Urbanistic of pre-roman Palmyra
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Geisteswissenschaften (5%); Geschichte, Archäologie (90%); Humangeographie, Regionale Geographie, Raumplanung (5%)
Keywords
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Urbanistik,
Palmyra,
Hellenismus,
Stadtforschung,
Syrien
Geschichte und Kultur der Oasenstadt Palmyra in Syrien sind für die Kaiserzeit des 1. bis 3. Jhs. n. Chr. durch literarische und archäologische Quellen gut belegt und erforscht. Dagegen ist das vorrömisch-"hellenistische" Palmyra bisher nur aus literarischen Quellen zu erschließen. Ein internationales und interdisziplinäres Kooperationsprojekt hat daher zum Ziel, die vorrömische Siedlung von Palmyra zu lokalisieren und die urbanistischen Strukturen dieser frühen Stadt zu erforschen. Durch gheophysikalische Prospektion wurde diese Siedlung südlich außerhalb der kaiserzeitlichen Stadt lokalisiert, in einem ca. 20 ha großen Gebiet, das in spät- und nachantiker Zeit nicht mehr überbaut war. Im Magnetogramm wurde hier der Plan einer ganzen unter dem Sand verborgenen Stadt sichtbar. Das betreffende Areal eröffnet damit die für den Vorderen Orient bisher einzigartige Möglichkeit, vorrömisch-hellenistische Siedlungsstrukturen kontinuierlich bis in die römische Kaiserzeit sowie auf einer größeren Fläche zu untersuchen. Angesichts der Größe des Areals kann dies nur exemplarisch, aber doch in einem aussagekräftigen Ausschnitt geschehen. Testsondagen haben daher das Ziel, exemplarisch Ausschnitte der antiken urbanistischen Strukturen dieser Siedlung zu erfassen, durch stratigraphische Untersuchungen Kriterien für die relative und absolute Datierung der entsprechenden Baustrukturen zu gewinnen und damit zum ersten Mal eine archäologische Evidenz für die hellenistische Siedlung von Palmyra zu erhalten. Die in den Sondagen bisher freigelegten Strukturen lassen mehrere Bauphasen erkennen, die aufgrund der zugehörigen stratigraphisch ergrabenen Kleinfunde, insbesondere der Keramik, vom 3. Jh. vor Chr. bis in das 3. Jh. nach Chr. datiert werden können. Daraus ergibt sich zum ersten Mal nicht nur für Palmyra, sondern für den Syrischen Raum insgesamt eine gesicherte kontinuierliche Keramik- und Siedlungsabfolge vom Hellenismus bis in die römische Kaiserzeit. Analyse und Interpretation der aufgedeckten Baustrukturen sowie der Kleinfunde, insbesondere der Keramik, Glas- und Metallfunde, werfen ein neues Licht auf die Urbanistik, aber auch auf Wirtschafts- und Sozialgeschichte des frühen Palmyra im Verhältnis zur späteren römischen Stadt. Ziel des Projekte ist es, die Sondagen und die Auswertung der Funde und Befunde zum Abschluss zu bringen und ur Publikation vorzubereiten.
Durch geophysikalische Prospektion wurde die vorrömisch-hellenistische Siedlung von Palmyra südlich der späteren kaiserzeitlichen Stadt entdeckt. Testgrabungen erbrachten den Beweis, dass dieses Areal vom 3. Jh. v. Chr. bis zum 3. Jh. n. Chr. durchgehend besiedelt war, was unser bisheriges Bild von der städtebaulichen Entwicklung Palmyras grundlegend verändert. Im Zentrum dieses "hellenistischen Hügels" wurde nun eine monumentale hofartige Anlage freigelegt, deren Räume großenteils mit ungewöhnlich luxuriöser Wandmalerei und mit Stuckgesimsen ausgestattet waren. Abgesehen von den reichen Wanddekorationen erlauben die äußerst vielfältigen und reichen Funde, insbesondere die Keramik, Glas- und Metallfunde, aber auch Tierknochenfunde und botanisches Material eine Interpretation der Anlage als Karawanenbau ("Khan") bzw. als Residenz eines Karawanenherrn. Es lassen sich u. a. Importe aus Spanien, Nordafrika, Italien, dem ägäischen Raum, Zypern, Ägypten und Mesopotamien nachweisen, die ganz konkret die weltweiten Handelsbeziehungen und den darauf beruhenden großen Reichtum der antiken Karawanenstadt belegen und damit ein neues Schlaglicht auf die Wirtschafts- und Sozialgeschichte des antiken Palmyra werfen. Möglicherweise ist die Errichtung der Anlage um die Mitte des 1. Jhs. v. Chr. und ihre Zerstörung bzw. Aufgabe gegen Ende des 3. Jhs. n. Chr. im Zusammenhang einerseits mit der Errichtung der römischen Provinz SYRIA (64 v. Chr.) und andererseits mit der Eroberung Palmyras durch Aurelian (274 n. Chr.) zu verstehen.
- Universität Wien - 100%