Votivterrakotten aus Policoro und S. Maria d´ Anglona
Votive-terracottas from Policoro and S. Maria d´ Anglona
Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (80%); Philosophie, Ethik, Religion (20%)
Keywords
-
Votivterrakotten,
S. Maria d Anglona,
Demeterheiligtum,
Siris,
Herakleia,
Tarentinische Koroplastik
Thema des Projektes sind die figürlichen Terrakotten aus dem Quell- bzw. Demeterheiligtum des antiken Siris/Herakleia in Lukanien und des am Rande der Chora Herakleias gelegenen Demeter- und Artemis-Bendis- Heiligtums von S. Maria d`Anglona. Hauptziel des Projektes ist die wissenschaftliche Aufarbeitung und Publikation sämtlicher figürlicher Terrakotten der beiden Heiligtümer. Die Terrakottafunde des Heiligtums von Siris/Herakleia umfassen eine Zeitspanne vom späten 7. Jh. v. Chr. bis in römische Zeit. Seit dem späten 5. Jh. v. Chr. sind sie, wie auch die Terrakotten Anglonas, die zwischen 360/50 v. Chr. und 280/79 v. Chr. zu datieren sind, als Stellvertreter der tarentinischen Koroplastik zu betrachten. Sekundäres Projektziel ist daher, der Forschung einen Typenkatalog herakleisch-tarentinischer Votivkoroplastik zu präsentieren, der als wichtige Grundlage für weitere Untersuchungen zur nach wie vor schlecht erforscht bzw. publizierten tarentinischen Votivkoroplastik dienen kann. Die Forschungsschwerpunkte des Projekts betreffen verschiedene Aspekte der Terrakotten: Im Rahmen kultischer Fragestellungen gilt es die neben Demeter verehrten Gottheiten der Heiligtümer zu benennen und die kultische Verbindung zu Demeter und der anderen Gottheiten untereinander zu erforschen. Untersuchungen zu Votiv- und Depotpraxis wie auch zur Fundlage der Terrakotten werden Aufschlüsse über Kultpraktiken, die Stifter und die rituelle Funktion der Votive ermöglichen. Durch eine Gegenüberstellung der beiden Demeterheiligtümer wird man interessante Kultvarianten ausarbeiten können, bei denen das Heiligtum von Anglona als extraurbane Kultstätte und seine Lage an der Schnittstelle zur einheimischen Welt eine besondere Rolle spielen wird. Die stilistische Analyse der Funde soll beispielsweise zur Definition eines siriseigenen Stils der Terrakotten des 6. Jhs. v. Chr. führen und mögliche Einflüsse der einheimischen Kunst (besonders Timmaris) auf die griechischen Terrakotten Herakleias erkennen lassen. Mit Hilfe von herstellungstechnischen Untersuchungen zur Kombination von Teilmatrizen bei der Schöpfung neuer Typenversionen können einerseits Werkstattzugehörigkeiten ermittelt und andererseits relativ-chronologische Typenreihen erstellt werden. Für die Datierung der herakleischen Terrakotten erhalten wir u.a. Hinweise durch die kurze Lebensdauer des Heiligtums von Anglona mit seinen gut festgelegten zeitlichen Eckdaten. Zwei weitere Forschungsfragen sind: Wurden die Terrakotten Anglonas in Herakleia, oder in einem Außenposten bei Anglona produziert und/oder verkauft? Und muss Herakleia, entgegen einer heutigen Forschungsmeinung, als eigenständiges, von Tarent eher unabhängiges koroplastisches Produktionszentrum erkannt werden?
- Universität Innsbruck - 100%