LIDAR-gestützte achäologische Prospektion
LIDAR-supported archaeological prospection
Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (100%)
Keywords
-
Archäologie,
LiDAR,
Prospektion,
GIS,
Luftbildarchäologie,
Leithagebirge
Das Auffinden von Fundstellen im Waldgebiet ist eines der noch ungelösten Probleme der archäologischen Prospektion. Hier stoßen selbst Luftbildarchäologie und Feldbegehung an ihre Grenzen. Es gibt daher nicht nur in Österreich große Defizite bei der Prospektion von Waldgebieten, was dem Archäologen große Probleme bei der Analyse von archäologischen Landschaften bereitet. Es gibt seit wenigen Jahren eine Methode, mit der die im Projektantrag vorgestellten Probleme der Erkennung und Vermessung obertägig erhaltener Fundstellen im Waldgebiet gelöst werden könnten. Es handelt sich dabei um LIDAR (Light Direction And Ranging), einen Laserscanner, der aus Flugzeugen heraus betrieben wird und durch die Baumkronen eines Laubwaldes hindurch ein detailliertes, hochauflösendes Geländemodell messen kann. In diesen Geländemodellen lassen sich obertägig erhaltene archäologische Spuren verhältnismäßig leicht entdecken und detailliert umzeichnen. Ziel des hier beantragten Projektes ist es daher, das Potenzial von LIDAR für die archäologische Prospektion im geschlossenen Waldgebiet zu erkunden und ein etwa 190 km2 großes Waldgebiet im Bereich des Leithagebirges in einer Fallstudie archäologisch auszuwerten. Das zu untersuchende Gebiet wurde dabei so ausgewählt, dass die zu erwartenden archäologischen Informationen das bereits vom FWF unterstützte landschaftsarchäologische Projekt "Die Kelten im Hinterland von Carnuntum" um einen wichtigen Beitrag ergänzen wird. Im Zuge des Projektes soll dabei durch den Ankauf von LIDAR Daten und der Luftbildarchäologie eine systematische Aufnahme aller Fundstellen des Leithagebirges erfolgen. Ausgewählte Fundstellen sollen terrestrisch vermessen werden und als Testflächen für die Abstimmung idealer Filterparameter sowie zur Beurteilung der Genauigkeit der LIDAR Daten fungieren. Auf dieser Grundlage sollen durch zielgerichtete Feldbegehungen die erkannten Strukturen archäologisch verifiziert werden. Gemeinsam mit den Ergebnissen aus Luftbildarchäologie und Begehung soll in der Folge eine Evaluierung der LIDAR Daten gemacht werden. Durch Einbindung der Daten in die bereits bestehenden archäologischen Landschaften der angrenzenden Gebiete erwarten wir uns neue Erkenntnisse zum archäologischen Landschaftsbild sowie zu Siedlungs- und Verkehrsmustern im Leithagebirge. Somit ist gewährleistet, dass innovative Methodenforschung in einem sinnvollen Rahmen betrieben wird und direkt auswertbare Ergebnisse für die regionale archäologische Forschung geliefert werden.
Ziel des Projektes war eine Klärung der Fragestellung, in wie weit die noch junge Technik des flugzeuggetragenen Laserscannings (airborne laserscanning, ALS) bei der Auffindung und Dokumentation archäologischer Fundstellen in Waldgebieten sinnvoll einsetzbar ist. Dazu wurde ein etwa 190 km 2 großes Waldgebiet im Bereich des Leithagebirges in einer Fallstudie gescannt und archäologisch interpretiert. Unsere Wälder sind ein wichtiges Archiv vergangener Kulturlandschaften, die in der dichten Vegetation jedoch zumeist unentdeckt bleiben. Um die im Wald an der Geländeoberfläche erhaltenen archäologischen Fundstellen erkennen zu können, müssen auch die unscheinbarsten Reliefunebenheiten sichtbar gemacht werden. Dies kann durch detaillierte, von der Vegetation befreite Geländemodelle erreicht werden. Bis vor kurzem lag das Hauptproblem dabei in der enorm aufwendigen Vermessung, bei der man im Idealfall mehrere Punkte pro Quadratmeter benötigt. Durch konventionelle Vermessungsmethoden ("händisch") sind solche Aufnahmen praktisch nicht zu realisieren. Seit wenigen Jahren lassen sich solche detaillierten Vermessungen mit Hilfe des ALS mittels kurzer Datenerfassungszeit durchführen. Dazu wird der Scanner in ein Flugzeug oder einen Helikopter eingebaut. Während des Fluges werden Laserpulse in Richtung Boden in Form eines Fächers quer zur Flugrichtung ausgesandt. Der Laserscanner registriert während des Fluges alle von der Landschaftsoberfläche reflektierten und empfangenen Echos. Ein Teil des Lichtes wird bereits von den obersten Zweigen reflektiert (erstes Echo). Der Rest dringt weiter in Richtung Boden vor (letztes Echo). Aus diesen letzten Echos lassen sich nach Anwendung spezieller Filter Geländemodelle ableiten, welche von der Vegetation bereinigt auch feinste Reliefunebenheiten zeigen. Diese Geländemodelle wurden archäologisch ausgewertet. Dadurch konnte eine systematische Aufnahme möglicher Fundstellen des Leithagebirges erfolgen. Zielgerichtete Begehungen dienten dazu, die erkannten Strukturen archäologisch zu bestätigen. Dabei konnten zahlreiche Fundplätze - von jungsteinzeitlichen Höhensiedlungen, über bronzezeitliche bzw. eisenzeitliche Hügelgräber, mittelalterliche Fluren und Grenzmarkierungen bis zu Bombentrichtern und Stellungssystemen aus dem zweiten Weltkrieg - registriert werden. Durch seine Eignung, Wald zu durchdringen, wird ALS in naher Zukunft wohl große Bedeutung bei der archäologischen Prospektion bewaldeter Gebiete erlangen. Die Technologie kommt keinen Tag zu früh: Zwar sind archäologische Strukturen in den Wäldern weitgehend vor natürlicher Erosion geschützt. Bewirtschaftung, Straßenbau, touristische Erschließung und anderweitige Nutzung bedrohen jedoch in zunehmendem Maße die bislang im Schutze der Bäume erhaltene Kulturlandschaft. Eine systematische archäologische Zustandsaufnahme ist daher dringend geboten.
- Universität Wien - 100%
Research Output
- 286 Zitationen
- 3 Publikationen
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2022
Titel The Impact of Vegetation on the Visibility of Archaeological Features in Airborne Laser Scanning Datasets from Different Acquisition Dates DOI 10.3390/rs14040858 Typ Journal Article Autor Doneus M Journal Remote Sensing Seiten 858 Link Publikation -
2008
Titel Archaeological prospection of forested areas using full-waveform airborne laser scanning DOI 10.1016/j.jas.2007.06.013 Typ Journal Article Autor Doneus M Journal Journal of Archaeological Science Seiten 882-893 -
2011
Titel B-spline deconvolution for differential target cross-section determination in full-waveform laser scanning data DOI 10.1016/j.isprsjprs.2011.02.002 Typ Journal Article Autor Roncat A Journal ISPRS Journal of Photogrammetry and Remote Sensing Seiten 418-428