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Das Bewusstsein des Mentalen i.d. buddhistischen Philosophie

The awarness of the mental in Buddhist philosophical analysis

Birgit Kellner (ORCID: 0000-0002-6076-5182)
  • Grant-DOI 10.55776/P18758
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.07.2006
  • Projektende 30.06.2010
  • Bewilligungssumme 250.866 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Philosophie, Ethik, Religion (70%); Sprach- und Literaturwissenschaften (30%)

Keywords

    Buddhismus, Bewusstseinsphilosophie, Erkenntnistheorie, Selbstbewusstsein

Abstract Endbericht

Die Traditionen der klassischen Philosophie Südasiens entwickelten ihre je eigenen Theorien über das Bewusstsein mentaler Zustände und Faktoren. Die erkenntnistheoretisch-logische Tradition des Buddhismus (Sanskrit pramanavada), die in Südasien zwischen dem 5. und 13. Jahrhundert u.Z. aktiv war, propagierte in diesem Zusammenhang, dass mentale Ereignisse ihrer selbst unmittelbar bewusst sind und keiner weiteren Akte bedürfen, um zu Bewusstsein zu gelangen. Dieser Begriff findet im Terminus "Selbstbewusstsein" (Sanskrit svasamvedana) seinen Ausdruck. Selbstbewusstsein umfasst auch das Bewusstsein mentaler Faktoren wie Freude und Leid und ist Voraussetzung für die Erinnerung an frühere Erfahrungen. Besonders charakteristisch für den intellektuellen Hintergrund der buddhistischen Erkenntnistheorie ist die weitere Verknüpfung des Selbstbewusstseins mit dem idealistischen Prinzip, dass der Geist nur sich selbst erkennt, sowie mit intensiver Untersuchung von Natur und Struktur des Bewusstseins überhaupt. Das Selbstbewusstsein wurde nicht nur in Konfrontationen zwischen buddhistischen Erkenntnistheoretikern und ihren meist brahmanischen Gegnern hitzig debattiert, sondern entwickelte sich darüber hinaus zum Brennpunkt in der andauernden Interaktion von idealistischen und realistischen Tendenzen innerhalb der erkenntnistheroetischen Tradition des Buddhismus selbst. Das Projekt beabsichtigt eine umfassende und systematische Untersuchung der Theorie des Selbstbewusstseins, wie sie in den erkenntnistheoretischen Hauptwerken der zwei Gründerväter des buddhistischen pramanavada, Dignaga (ca. 480-540 u.Z.) und Dharmakirti (ca. 600-660 u.Z.), entwickelt wird. Das Projekt wird sich zunächst auf die kritische Konstitution der relevanten Abschnitte in Dignaga`s Pramanasamuccaya und seinem Eigenkommentar dazu, der Pramanasamuccayavrtti, sowie in Dharmakirti`s Pramanavarttika und Pramanaviniscaya konzentrieren. Die Theoreme und Argumente, die in den das Selbstbewusstsein thematisierenden philosophischen Zusammenhängen auftreten, werden auf der Basis dieser philologischen Grundlagenarbeit analysiert. In diesem Prozess soll versucht werden, Verschiebungen in der Akzentuierung, unterschiedliche oder gar widersprüchliche Prioritäten und theoretische Spannungen innerhalb des Denkens Dignagas und Dharmakirtis aufzuspüren, sowie Unterschiede zwischen ihren Auffassungen, Perspektiven und Prioritäten insbesondere in Zusammenhang mit der Interaktion realistischer und idealistischer Tendenzen zu ermitteln.

Das Projekt unternahm eine umfassende und systematische Untersuchung der Theorie des svasamvedana oder "Selbst-Bewusstseins". Diese Theorie eines unmittelbaren und notwendigen Zugangs zu unseren eigenen mentalen Zuständen wurde in der erkenntnistheoretischen Tradition des Buddhismus Südasiens entwickelt. Das Projekt konzentrierte sich auf relevante Abschnitte in den Hauptwerken der zwei Gründerväter dieser Tradition, Dignaga (ca. 480-540 CE) and Dharmakirti (ca. 600-660). Diese Abschnitte wurden auf der Grundlage neuer und bisher nicht berücksichtigter Sanskrithandschriften kritisch herausgegeben. Für Dharmakirti`s Pramanavarttika erforderte dies die Entwicklung eigener Methodologien, die die komplexe Überlieferungssituation des Werkes berücksichtigen. Die Editionen, die mehrere kritische Apparate enthalten, wurden mit modernsten Open-Source- Technologien erstellt. Im Rahmen des Projektes wurden ferner transdisziplinäre Kontakte mit zeitgenössischen Philosophen in euroamerikanischen Traditionen verfolgt. Die buddhistische Erkenntnistheorie alterniert zwischen realistischen und idealistischen Konzeptionen des Objektbewusstseins. Dieser Wechsel hat in jüngerer Zeit in der Wissenschaft große Aufmerksamkeit erfahren. Mit seinem philologisch fundierten, historisch verorteten und umfassenden Zugang zu seinen Quellen konnte dieses Projekt entdecken, dass die Subjektivität von Erfahrung in der Interaktion von Realismus und Idealismus in der buddhistischen Erkenntnistheorie eine bedeutende Rolle spielt, zunächst bezogen auf die Werke Dignagas. Dies war bisher übersehen worden. Jüngste Arbeiten von Dan Arnold` (Univ. of Chicago) weisen allerdings ebenfalls in diese Richtung. Diese neue Entdeckung bietet wichtige Schlüssel und neue Impulse für das Verständnis der weit ausführlicheren und entwickelten Darstellung des Selbstbewusstseins in den Werken Dharmakirtis. Auch hier führt nur eine umfassende Betrachtung aller relevanten Werkabschnitte zum Ziel, die allerdings angesichts der Komplexität von Dharmakirtis Argumentation große Herausforderungen in sich birgt. Zusätzlich zur Untersuchung zentraler Aspekte buddhistischer Erkenntnistheorie aus philologischer, historischer und philosophischer Perspektive unternahm dieses Projekt auch die Erschließung von Rahul Sankrityayans (1883- 1963) bislang vernachlässigten Berichten (in Hindi) über seine drei Reisen nach Tibet 1934, 1936 und 1938. Hier lag der Schwerpunkt ursprünglich auf der Auswertung von Informationen über Sanskrithandschriften, die Sankrityayan in tibetischen Klöstern gefunden hatte. Seine Reiseberichte erwiesen sich allerdings als äußerst wertvoll für weiterführende historische und biographische Arbeiten zu Leben, Werk und Umfeld dieses buddhistischen Gelehrten/Gelehrten des Buddhismus, politischen Aktivisten und Schriftstellers. Daher wurden Anstrengungen unternommen, multidisziplinäre Forschungen zu Sankrityayan anzuregen.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Wien - 100%

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