Spät- und Postbyzantinische Sticheraria und Heirmologia
Late- and post-Byzantine Sticheraria and Heirmologia
Wissenschaftsdisziplinen
Kunstwissenschaften (50%); Sprach- und Literaturwissenschaften (50%)
Keywords
-
Byzantine music,
Byzantine notation,
Heirmologion,
Sticherarion,
Music-liturgical book
Gegenstand des vorliegenden Forschungsprojekts sind die Sticheraria und Heirmologia in den spät- und postbyzantinischen Handschriften der Österreichischen Nationalbibliothek. Bis jetzt lag das Hauptaugenmerk der Forschung auf der Erfassung der Chorbücher des 10. bis 13./14. Jhds. Sticheraria und Heirmologia aus der Zeit nach dem 14./15. Jhd. waren bis jetzt kaum Gegenstand wissenschaftlicher Studien. Das Ziel des vorliegenden Projekts ist daher eine Gesamtschau in Hinblick auf die postbyzantinische Zeit (1453- 18./19. Jhd.). Dies beinhaltet eine detaillierte Erfassung der Sticheraria und Heirmologia anhand von ausgewählten Handschriften, sowohl inhaltlich als auch in Bezug auf ihre melodische Entwicklung. Im Mittelpunkt des Projekts stehen dabei die Codices Suppl. gr. 100 (17. Jhd.) und Suppl. gr. 110 (15. Jhd.), sowie Suppl. gr. 130 und 190 (beide aus dem 18. Jhd). Suppl. gr. 100 und 110, die bis jetzt noch nicht in Einzelstudien erfaßt wurden, werden in einem ersten Schritt sowohl untereinander, als auch mit anderen postbyzantinischen Handschriften bis zum ausgehenden 18. Jhd. verglichen (u. a. mit den Wiener Codices Phil. gr. 194 aus dem 15. und Phil. gr. 343/344 aus der ersten Hälfte des 16. Jhd.). Der zweite Schritt bringt einen Vergleich mit älteren Handschriften, u. a. mit den Codices Theol. gr. 181 (13. Jahrhundert) und Theol. gr. 136 (Anfang des 12. Jahrhunderts). Für weitere Vergleiche werden Codices aus westlichen Bibliotheken (aus der Bayerischen Staatsbibliothek München, der Staatsbibliothek Berlin Preußischer Kulturbesitz sowie der British Library und der Athener Nationalbibliothek) herangezogen. Diese Handschriften wurden, mit Ausnahme Athens, bis heute weder wissenschaftlich bearbeitet noch mit Codices anderer Bibliotheken in Bezug gesetzt.
Im Zentrum des Projekts steht die Erforschung der beiden Hauptgesangsbücher der byzantinischen liturgischen Musik, dem sog. Sticherarion und Heirmologion. Beide Bücher sind ca. ab dem 10./11. Jahrhundert ausreichend belegt. Alleine aus der Zeit zwischen dem 10. und 15. Jahrhundert stammen mehrere hundert Sticheraria und ungefähr fünfzig Heirmologia. Allerdings wurden die Gesangsbücher der späteren Jahrhunderte bis heute nicht zahlenmäßig erfasst. Auch blieb bis jetzt die Tradition zwischen dem 15. und 17. Jahrhundert so gut wie unberücksichtigt, weshalb es nach wie vor keine Gesamtschau der sticherarischen und heirmologischen Tradition von ihren Anfängen bis zur Kirchenmusikreform zu Beginn des 19. Jahrhunderts gibt. Das vorliegende Projekt zielte daher darauf ab, Stichera und Heirmoi aus der Zeit nach dem 14./15. Jahrhundert sowohl mit älteren Beispielen als auch untereinander zu vergleichen.Der Ausgangspunkt des Projekts lag auf der Erfassung und inhaltlichen Gliederung des Repertoires jener byzantinischen musikliturgischen Handschriften der Österreichischen Nationalbibliothek, die Stichera und/oder Heirmoi enthalten. Dabei handelt es sich um die Codices Theol. gr. 136 (12. Jhd.), Theol. gr. 181 (1221) und Suppl. gr. 110 (15. Jhd.), die zur Gattung der Sticheraria gehören und sich durch ihre unterschiedliche Entstehungszeit optimal für Untersuchungen und Analysen in Bezug auf melodische, textliche und modale Veränderungen der Stichera eignen. Dafür wurden insgesamt 75 Stichera für den Monat August, sowie die insgesamt 90 Heirmoi für die Karwoche transkribiert. Ergänzt wurden die oben genannten Wiener Handschriften durch Codices aus der Bayerischen Staatsbibliothek in München sowie durch die reichen Bestände der Athener Nationalbibliothek.Mit Hilfe der Transkriptionen wurden die Unterschiede und Veränderungen in der Notation und der Melodieformeln der August-Stichera analysiert. Diese Analyse stellt insofern wissenschaftliches Neuland dar, als die ausgewählten Gesänge noch nie Gegenstand detaillierterer Untersuchungen waren und bisher weder in Bezug zu einander gesetzt wurden, noch in einer vergleichenden Gesamtschau durch die Jahrhunderte (11.-18.) betrachtet wurden. Als einer der Kernpunkte des Projekts wurden der Textaufbau sowie die Melodien der kalophonischen Be- und Umarbeitungen von Stichera im 15. und 16. Jahrhundert analysiert. Weiters widmete sich das Projekt eingehend den Sticherarion-Bearbeitungen der beiden Meloden Chrysaphes ho Neos und Germanos Neon Patron (beide 17. Jahrhundert). Parallel zu den Stichera wurden auch die anonymen Versionen der Heirmoi für die Karwoche in den Handschriften aus Wien und Athen untersucht. Ein weiterer Schwerpunkt lag hier auf der detaillierten Beschreibung des Heirmologion von Germanos Neon Patron. Das Interessante bei Germanos Neon Patron ist, daß er sich bei seiner Version des Heirmologion nicht unmittelbar auf Vorläufer stützte, wie dies z.B. bei seinen Stichera der Fall ist. Durch den Vergleich mit den alten anonymen Heirmoi konnte gezeigt werden, dass Germanos Gesänge keine Ähnlichkeiten im Melodieverlauf mehr zu diesen erkennen lassen. Die Ergebnisse des Projekts werden nun abschließend in einer eigenen Monographie sowie als Artikel im Laufe des Jahres 2013 publiziert.
- Stadt Wien - 100%
Research Output
- 4 Publikationen
-
0
Titel Psaltike: Neue Studien zur byzantinischen Musik. Festschrift für Gerda Wolfram. Typ Other Autor Wanek N -
2012
Titel Die Gesänge der Missa graeca aus byzantinistischer Sicht. Typ Book Chapter Autor Byzanzrezeption In Europa: Spurensuche Über Das Mittelalter Und Die Aufklärung Bis In Die Gegenwart (Ed. Foteini Kolovou) -
2011
Titel Der Polyeleos-Psalm (Ps. 134) in der Wiener Handschrift Suppl. gr. 110. Typ Book Chapter Autor Psaltike: Neue Studien Zur Byzantinischen Musik. Festschrift Für Gerda Wolfram -
2013
Titel Two stichera for August and their different versions in the Viennese manuscript Suppl. gr. 110. Typ Conference Proceeding Abstract Autor Wanek N Konferenz Tradition and Innovation in Late- and Postbyzantine Liturgical Chant 2. Proceedings of the Congress held at Hernen Castle in October-November 2008 (edd. G. Wolfram-Chr. Troelsgård)