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Neuronale Dysfunktionen bei Legasthenie

Brain dysfunctions underlying developmental dyslexia

Heinz Wimmer (ORCID: )
  • Grant-DOI 10.55776/P18832
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.01.2006
  • Projektende 31.12.2008
  • Bewilligungssumme 161.054 €

Wissenschaftsdisziplinen

Medizinisch-theoretische Wissenschaften, Pharmazie (40%); Psychologie (60%)

Keywords

    Developmental Dyslexia, Structural Magnetic Resonance Imaging, Functional Magnetic Resonance Imaging, Event Related Potentials

Abstract Endbericht

Unsere vorausgehende Forschung zeigte, dass Legasthenie sich im Deutschen als langsames mühsames Wortlesen manifestiert und fand legasthene Abnormalitäten in frühen ERP Komponenten in Reaktion auf visuelle Wörter. Das aktuelle Projekt untersucht neuronale Dysfunktionen, die den schnellen Kontakt zwischen den Buchstaben und den Gedächtnisrepräsentationen eines Wortes verhindern. Erste Ergebnisse mit kombinierter Erhebung von elektrophysiologischen ERP- und hämodynamischen fMRI-Daten zeigten: Bei legasthenen Lesern fehlt die "normale" frühe ERP Differenzierung zwischen korrekten und inkorrekten Schreibungen (z.B. TAXI vs. TAKSI) um ca. 170 ms nach Stimulusbeginn und es fehlt die "normale" erhöhte Aktivierung einer spezifischen linkshemisphärischen okzipitotemporalen Region auf inkorrekte Schreibungen. Diese Abnormalitäten wurden trotz perfekter Unterscheidung zwischen korrekten und inkorrekten Schreibungen beobachtet. Unser Projektantrag hat die Erweiterung dieser ersten vielversprechenden Beobachtungen in mehrere Richtungen zum Gegenstand: (1) Mit einer zweiten, erweiterten Stichprobe von 30 legasthenen und 30 normalen Lesern wird die Replizierbarkeit des ursprünglichen Befundes überprüft. Mit der relativ großen Anzahl soll vermieden werden, dass legasthene Abnormalitäten aufgrund mangelnder statistischer "power" nicht registriert werden. Die Teilnehmer werden aus zwei großen Längsschnittstichproben rekrutiert und werden auch an einer Augenbewegungsuntersuchung teilnehmen. Dies ermöglicht die Verknüpfung der ERP- und fMRI-Daten mit relevanten behavioralen Daten. Zur Vermeidung einer Unterschätzung der funktionellen Abnormitäten beim legasthenen Lesen durch erhöhte Lesezeiten und damit einhergehender erhöhter Gehirnaktivierung werden die Lesezeiten für einen Teil der Stimuli zwischen den Gruppen gleichgehalten. (2) Zur Klärung der linken okzipitotemporalen Unteraktivierung bei der legasthenen Verarbeitung visueller Wörter wird in einer Benennungsaufgabe die Gehirnreaktion auf visuelle Wörter mit der Gehirnreaktion auf korrespondierende Umweltgeräusche verglichen. Dadurch kann zwischen einer spezifischen Störung schneller visuell-verbaler Verbindungen und einer generellen Störung bei der schnellen phonologischen Aktivierung unterschieden werden. (3) Zur Untersuchung von anatomischen Gehirnabnormitäten bei Legasthenie wird von allen Probanden ein T1 gewichtetes hoch auflösendes MR Bild gemacht. Diese Analyse wird mit der neu entwickelten Methode der Optimierten Voxel-basierten Morphometrie durchgeführt. Die Förderung des Projekts ermöglicht die Fortsetzung unserer neurokognitiven Legasthenieforschung und eröffnet zwei jungen enthusiastischen Wissenschaftlern die Umsetzung ihrer hart erworbenen EEG- und MRI-Expertise in einem Feld mit praktischer pädagogischer Relevanz.

Das Ziel des FWF-geförderten Projekts "Neuronale Dysfunktionen bei Legasthenie" war die Identifikation von abnormaler Gehirnaktivität bei Leseschwäche. Im Rahmen des Projekts wurde zuerst in Studien mit unbeeinträchtigen Lesern ein Netzwerk von Regionen der linken Gehirnhälfte identifiziert, das in die schnelle automatische Verarbeitung von Wörtern beim Lesen involviert ist. Dieses mittels funktioneller Magnetresonanz- Tomographie (fMRT) identifizierte Netzwerk beinhaltet zwei zentrale Komponenten in der linken Gehirnhälfte: Eine Region im hinteren Bereich der linken Hemisphäre ist in die rasche Erkennung der Buchstabenabfolge eines Wortes involviert (Visuelles Wort-Form Areal) und eine weitere Region im inferior frontalen Bereich der linken Hemisphäre erscheint für den Zugriff auf Phonologie und Bedeutung zuständig. In einer fMRT Studie, die demnächst in der Zeitschrift Cortex erscheinen wird, wurde bei leseschwachen Erwachsenen eine Unteraktivierung sowohl des Visuellen Wort-Form Areals (VWFA) als auch des anterioren Sprachareals gefunden. Diese Unteraktivierungen im kompetenten Lesenetzwerks standen im Gegensatz zu - vermutlich kompensatorischen - Überaktivierungen in basal-visuellen und in motorischen Regionen des Gehirns. In einer in Human Brain Mapping publizierten Studie aus dem Projekt wurde bei leseschwachen Personen eine Reduzierung der grauen Gehirnmasse im VWFA gefunden. Allerdings war auch die graue Gehirnmasse in Arealen des Kleinhirns reduziert, die möglicherweise in die Automatisierung von rasch ablaufenden kognitiven Funktionen wie dem Lesen involviert sind. In weiteren Studien mit Messung der Gehirnaktivität während des Lesens wurde versucht, die Rolle der Dysfunktionen und ihr Zusammenwirken genauer zu bestimmen und Information über den Entwicklungsverlauf der Dysfunktionen zu gewinnen. Die aufwändigen Auswertungsarbeiten für diese Studien sind noch nicht abgeschlossen.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Salzburg - 100%

Research Output

  • 2265 Zitationen
  • 15 Publikationen
Publikationen
  • 2014
    Titel Resting-State and Task-Based Functional Brain Connectivity in Developmental Dyslexia
    DOI 10.1093/cercor/bhu184
    Typ Journal Article
    Autor Schurz M
    Journal Cerebral Cortex
    Seiten 3502-3514
    Link Publikation
  • 2013
    Titel Opposite effects of visual and auditory word-likeness on activity in the visual word form area
    DOI 10.3389/fnhum.2013.00491
    Typ Journal Article
    Autor Ludersdorfer P
    Journal Frontiers in Human Neuroscience
    Seiten 491
    Link Publikation
  • 2011
    Titel Meta-analyzing brain dysfunctions in dyslexic children and adults
    DOI 10.1016/j.neuroimage.2011.02.040
    Typ Journal Article
    Autor Richlan F
    Journal NeuroImage
    Seiten 1735-1742
  • 2009
    Titel On the Functional Neuroanatomy of Visual Word Processing: Effects of Case and Letter Deviance
    DOI 10.1162/jocn.2009.21002
    Typ Journal Article
    Autor Kronbichler M
    Journal Journal of Cognitive Neuroscience
    Seiten 222-229
    Link Publikation
  • 2009
    Titel A dual-route perspective on brain activation in response to visual words: Evidence for a length by lexicality interaction in the visual word form area (VWFA)
    DOI 10.1016/j.neuroimage.2009.10.082
    Typ Journal Article
    Autor Schurz M
    Journal NeuroImage
    Seiten 2649-2661
    Link Publikation
  • 2008
    Titel A dual-route perspective on poor reading in a regular orthography: Evidence from phonological and orthographic lexical decisions
    DOI 10.1080/02643290802221404
    Typ Journal Article
    Autor Bergmann J
    Journal Cognitive Neuropsychology
    Seiten 653-676
    Link Publikation
  • 2010
    Titel A dual-route perspective on poor reading in a regular orthography: An fMRI study
    DOI 10.1016/j.cortex.2010.06.004
    Typ Journal Article
    Autor Wimmer H
    Journal Cortex
    Seiten 1284-1298
    Link Publikation
  • 2012
    Titel Structural abnormalities in the dyslexic brain: A meta-analysis of voxel-based morphometry studies
    DOI 10.1002/hbm.22127
    Typ Journal Article
    Autor Richlan F
    Journal Human Brain Mapping
    Seiten 3055-3065
    Link Publikation
  • 2012
    Titel Developmental dyslexia: dysfunction of a left hemisphere reading network
    DOI 10.3389/fnhum.2012.00120
    Typ Journal Article
    Autor Richlan F
    Journal Frontiers in Human Neuroscience
    Seiten 120
    Link Publikation
  • 2020
    Titel Visual word form processing deficits driven by severity of reading impairments in children with developmental dyslexia
    DOI 10.1038/s41598-020-75111-8
    Typ Journal Article
    Autor Brem S
    Journal Scientific Reports
    Seiten 18728
    Link Publikation
  • 2018
    Titel Searching for the Orthographic Lexicon in the Visual Word Form Area
    DOI 10.1007/978-3-319-90805-2_3
    Typ Book Chapter
    Autor Wimmer H
    Verlag Springer Nature
    Seiten 57-69
  • 2010
    Titel A Common Left Occipito-Temporal Dysfunction in Developmental Dyslexia and Acquired Letter-By-Letter Reading?
    DOI 10.1371/journal.pone.0012073
    Typ Journal Article
    Autor Richlan F
    Journal PLoS ONE
    Link Publikation
  • 2009
    Titel Functional abnormalities in the dyslexic brain: A quantitative meta-analysis of neuroimaging studies
    DOI 10.1002/hbm.20752
    Typ Journal Article
    Autor Richlan F
    Journal Human Brain Mapping
    Seiten 3299-3308
    Link Publikation
  • 2007
    Titel Taxi vs. Taksi: On Orthographic Word Recognition in the Left Ventral Occipitotemporal Cortex
    DOI 10.1162/jocn.2007.19.10.1584
    Typ Journal Article
    Autor Kronbichler M
    Journal Journal of cognitive neuroscience
    Seiten 1584-1594
    Link Publikation
  • 2007
    Titel Developmental dyslexia: Gray matter abnormalities in the occipitotemporal cortex
    DOI 10.1002/hbm.20425
    Typ Journal Article
    Autor Kronbichler M
    Journal Human Brain Mapping
    Seiten 613-625
    Link Publikation

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