Makedonien, nördlicher Teil
Macedonia, northern part
Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (75%); Sprach- und Literaturwissenschaften (25%)
Keywords
-
Byzantinistik,
Historische Geographie,
Siedlungskunde,
Südosteuropäische Geschichte,
Ortsnamenkunde,
Makedonien,
Nördlicher Teil
Die historisch-geographische Aufarbeitung Südosteuropas im Rahmen der Tabula Imperii Byzantini (TIB) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften wurde bisher mit Bänden über die Provinzen Hellas und Thessalia (1976), Nikopolis und Kephallenia (1981), Thrakien (1991) und Aigaion Pelagos (1998) dokumentiert. Derzeit befinden sich zu dieser Region Bände über Ostthrakien und Makedonien, südlicher Teil, in Arbeit. Der vorliegende Projektantrag steht in engem Zusammenhang mit dem in Entstehung begriffenen Band zum südlichen Makedonien, der den historischen Raum Makedonien aus arbeitstechnischen Gründen von Süden her nur bis zur heutigen griechischen Staatsgrenze erfaßt. Da sich Makedonien als historischer Raum auf die Staaten Griechenland, FYROM und Bulgarien verteilt, ergibt sich die Notwendigkeit, im Anschluß an den im Entstehen begriffenen Band über den Süden grenzüberschreitend auch den Norden der Region Makedonien darzustellen. In der Methodik folgt das Projekt dem Konzept vorangegangener Bände der Reihe Tabula Imperii Byzantini (TIB). Als Basis der Aufarbeitung dienen die schriftlichen historischen Quellen (lateinisch, griechisch, slawisch, arabisch und osmanisch), die Denkmäler und der archäologische Befund, der Bestand an historischen Namen von Siedlungen, Fluren und Gewässern und schließlich die physische Beschaffenheit des Raumes. Sowohl bestehende als auch nicht mehr existierende Denkmäler sollen anhand der wissenschaftlichen Literatur, der Reiseliteratur und im Zuge von zwei Bereisungen aufgenommen und dokumentiert werden. Die chronologischen Eckpfeiler der Darstellung bilden hierbei die Spätantike und die frühosmanische Zeit, wodurch die byzantinische Epoche in ihrer Gesamtheit abgedeckt ist. Die Ergebnisse der Forschung werden in einem Textband, einem Abbildungsteil, und einer thematischen Karte (Maßstab 1:800.000) sowie in diversen Sonderkarten in kleineren Maßstäben präsentiert. Auf diese Weise wird das Ziel erreicht, ein möglichst authentisches und vollständiges Bild dieses historischen Raumes zu gewinnen.
Das Einzelprojekt "Makedonien, nördlicher Teil" ist in das Großprojekt der "Tabula Imperii Byzantini" (TIB) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften eingebettet, das seit 1966 an der Erstellung eines historischen Atlas des Byzantinischen Reiches arbeitet. In den vergangenen drei Jahren (1. März 2006 bis 28. Februar 2009) hatte es die Erforschung jenen Teiles der historischen Landschaft Makedonien zum Ziel, der jetzt auf dem Staatsgebiet Bulgariens und der ehemaligen jugoslawischen Republik Mazedonien liegt. Die im Zuge des Einzelprojektes erzielten Resultate bilden die Grundlage für den gleichnamigen Band, der als TIB 16 im Rahmen des Großprojektes erscheinen soll. Hierbei wird TIB 16 die Lücke zwischen den Bearbeitungsgebieten der Bände TIB 6 (Thrakien) und TIB 11 (Makedonien, südlicher Teil) schließen und somit ein langjähriges Desideratum innerhalb der Byzantinistik, der historischen Geographie und der Südosteuropaforschung erfüllen. Dieses Einzelprojekt steht in enger Beziehung zu TIB 11, sodaß als sichtbares Produkt des Zusammenhanges beider Bände eine gemeinsame Karte der gesamten historischen Landschaft Makedonien (Maßstab 1:800.000) entstehen wird. Die im Zuge des Projektes gewonnenen wissenschaftlichen Erkenntnisse basieren unter anderem auf der Sichtung, der Synthese und der teilweisen Neuinterpretation eines breiten Spektrums von Quellen und von Sekundärliteratur. Forschungsreisen dienten der Besichtigung schwer zugänglicher bzw. entlegener Regionen des Bearbeitungsgebietes (z. B. Mariovo) zwecks Lokalisierung und Photodokumentation von Denkmälern entsprechend der Arbeitsweise des Gesamtprojektes der TIB. Gleichzeitig konnten während der Projektlaufzeit zahlreiche Kontakte zu wissenschaftlichen Institutionen bzw. Kolleginnen und Kollegen im Bearbeitungsgebiet geknüpft werden. Auf diese Weise wurden wichtige Synergieeffekte im europäischen Rahmen erzielt, die zu intensivem wissenschaftlichen Diskurs und zum Austausch bzw. zur Rezeption relevanter Publikationen und Grabungsberichte führten. Dadurch war es möglich, das Einzelprojekt auf internationalem Niveau bekannt zu machen und durch begleitende Veröffentlichungen sowohl wissenschaftlicher als auch populärwissenschaftlicher Beiträge zusätzlich zu entfalten. Weiters konnte durch das Projekt die Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses in Österreich im Fach Byzantinistik mit Schwerpunkt historischer Geographie gefördert werden, da dem Projektmitarbeiter Mihailo Popovic die Möglichkeit eröffnet wurde, im Rahmen eines international anerkannten Forschungsprojektes der Österreichischen Akademie der Wissenschaften mitzuwirken, und zu dessen methodischer Vertiefung und Erweiterung (z. B. Geographic Information System / GIS) beizutragen.