Deutsche und niederländische Zeichnungen 1350-1500
German and Netherlandish Drawings 1350-1500
Wissenschaftsdisziplinen
Kunstwissenschaften (100%)
Keywords
-
Zeichnung,
Deutschland,
Spätgotik,
Zeichnung,
Frankreich,
Spätgotik,
Zeichnung,
Niederlande,
Spätgotik,
Corpus,
Zeichnung,
Gotik,
Zeichnung,
Böhmen,
Spätgotik
Ziel des Projektes ist die Erstellung eines Corpus der bislang weitgehend unbearbeiteten deutschen, böhmischen, niederländischen und französischen Zeichnungen der Spätgotik, von den Anfängen um 1350 bis 1500, dem Beginn der Renaissance. Schätzungsweise 2500 deutsche, ca. 800 niederländische sowie etwa 350-400 böhmische und französische Zeichnungen sind erhalten. Diese werden in den Sammlungen wie im Handel häufig verkannt, weshalb es auf jeden Fall notwendig ist, sie gemeinsam zu bearbeiten. Auf diese Weise wird sich überzeugend Französisches von Böhmischem und Deutsches von Niederländischem trennen und Österreich von anderen deutschen Kunstlandschaften und der Schweiz deutlicher abgrenzen lassen. Gearbeitet wird an der weltweiten Erfassung dieser Zeichnungen in Form eines regional gegliederten, mehrbändigen Werkes (ähnlich dem Corpus der italienischen Zeichnungen 1300-1450 von B. Degenhart /A. Schmitt, Berlin 1968, 14 Bde. bis 2004), das sämtliche Arbeiten abbildet, die Zeichnungen katalogisiert, wissenschaftlich bearbeitet und in ihrer künstlerischen Eigenart erfasst. Den Abschnitten vorangestellte Kapitel sollen regionale Merkmale, Entwicklungsabläufe, Einflüsse etc. so knapp wie notwendig, aber auch so deutlich wie möglich skizzieren. Für Randbereiche der Zeichnung, wie Buchillustration, architektonische Werkrisse oder Sinopien sind - soweit damit dem besseren Verständnis des Gesamtzusammenhanges gedient ist - erläuternde Kapitel vorgesehen. Das Projekt wird weltweit von allen graphischen Sammlungen, privaten Sammlern und Auktionshäusern unterstützt, da es allgemein als grundlegender erster Schritt zum differenzierten Verständnis dieses bislang weitgehend unbearbeiteten Materials anerkannt wird. In der regionalen, stilistischen sowie künstlerischen Zuordnung und zeitlichen Eingrenzung dieser sensiblen Materie kann - über die vorhandene Literatur hinaus - vom Vergleich mit der Strichbildung und den Gestaltungsformen früher Kupferstiche, die im allgemeinen besser datier- und lokalisierbar sind, ausgegangen werden. Dazu ist neben formalen und ikonographischen Parallelen zu Gemälden auch die durch Infrarot-Reflektographie sichtbar gemachte Unterzeichnung früher Tafelmalerei als Erkenntnishilfe einzubeziehen.
Der Catalogue raisonné untersucht sowohl die eigenhändigen Zeichnungen von Hieronymus Bosch als auch die seiner Werkstatt und Nachfolge sowie die irrtümlich Bosch zugeschriebenen Zeichnungen bis 1600. Sämtliche von der wissenschaftlichen Forschung je als eigenhändig in Betracht gezogenen Arbeiten werden kritisch gesichtet. Das sind insgesamt 61 Blätter, mit den Rückseiten 84 Katalogeinträge; sie umfassen den Zeitraum von ca. 1400 bis um 1600. Elf der Zeichnungen werden für eigenhändig gehalten. Dem kritischen Katalog der Zeichnungen geht eine ausführliche Einleitung voran. Diese skizziert vorab die stilistische Entwicklung der altniederländischen Handzeichnung, geht auf Boschs Zeichnungen im Spiegel der Forschung ein und beschäftigt sich eingehend mit Bosch als Maler. Dabei wird eine seit 2002 kontrovers diskutierte These vertieft, die sich mit der Werkstattorganisation bei Bosch beschäftigt. Im Vergleich der Gemälde mit den Zeichnungen wurde es möglich vier Mitarbeiter seiner Werkstatt zu unterscheiden. Unter diesen Mitarbeitern gelingt es einen linkshändigen Zeichner nachzuweisen, dem auch die Ausführung einiger der bekanntesten bisher als Arbeiten von Hieronymus Bosch geltenden Werke Der Heuwagen (Madrid), Der Hausierer (Rotterdam) oder Das Narrenschiff (Paris) zugeschrieben werden kann. In stilistischer Abgleichung der Zeichnungen mit Gemälden scheint es möglich erstmals eine ungefähre Chronologie von Boschs zeichnerischem Werk zu erstellen. Die Publikation möchte ein Handbuch sein und neben Kunsthistorikern auch interessierte Laien ansprechen. Dieser Catalogue raisonné ist die erste umfassende Publikation zum Thema Bosch als Zeichner. Das Buch ist aus den Forschungen zum Corpus der niederländischen Zeichnungen 1350-1500 hervorgegangen, ein vom österreichischen Wissenschaftsfonds (FWF) seit 1998 gefördertes Projekt und seit 2001 an der Universität Wien ansässig.
- Universität Wien - 100%