Ägyptische Ritualgefäße und ihre Rezeption in Etrurien
Egyptian Ritual Vessels and their Adoption in Etruria
Wissenschaftsdisziplinen
Andere Geisteswissenschaften (10%); Geschichte, Archäologie (20%); Philosophie, Ethik, Religion (10%); Sprach- und Literaturwissenschaften (60%)
Keywords
-
Antike,
Ägypten,
Etrurien,
Rituale,
Fayencen,
Gefäße
Aus dem archaischen Etrurien sind zahlreiche ägyptische und ägyptisierende Keramikgefäße überliefert. Es handelt sich dabei um Behältnisse, die zu rituellen Zwecken konzipiert worden sein dürften; darauf lassen jedenfalls ihre Größe und Gestaltung schließen. Während einige dieser Gefäße in Ägypten produziert und nach Etrurien ausgeführt wurden, wurden andere nach ägyptischen Vorbildern in verschiedenen Gegenden des östlichen Mittelmeerraumes hergestellt und ebenfalls nach Etrurien verhandelt, wieder andere wurden in Anlehnung an ägyptische oder ägyptisierende ostmediterrane Vorbilder in Etrurien selbst erzeugt. Die Herkunft und kunstgeschichtliche Stellung dieser Gefäße wurde mehrfach, mitunter kontrovers diskutiert und ist trotzdem bis heute nicht geklärt. Unberücksichtigt blieb die Frage nach einem entsprechenden Bestand an Gefäßen aus Ägypten, welcher den Ausgangspunkt für die außerägyptischen Produktionen bildete. Unberührt blieb außerdem die Frage nach der ursprünglichen Funktion der jeweiligen Gefäße, ihrem Gebrauch bei Kulten und Festen, ihrer Stellung innerhalb der Religion des zeitgenössischen Ägypten. Die betreffenden Keramikgattungen, die durchweg der Dritten Zwischenzeit und der Spätzeit angehören, sollen im Rahmen einer ihnen gewidmeten Studie umfassend untersucht und dabei sowohl unter kunstgeschichtlichen als auch unter religionsgeschichtlichen Gesichtspunkten betrachtet werden. Eine sachliche Beschränkung wird in der Behandlung von Quarzkeramik, der sogenannten Fayencen, und deren Nachahmungen liegen; die Untersuchung ägyptischer Tonkeramik, die in Etrurien ebenfalls nachgeahmt wurde, soll anderen Studien vorbehalten bleiben. Das Augenmerk wird zuerst den Funden aus Ägypten, dann denen aus Nubien und dem Mittelmeerraum, insbesondere aber denjenigen aus Etrurien gelten. Dabei werden Fragen der Rezeption sowohl in bezug auf den Gegenstand selbst als auch in bezug auf seine Funktion und Bedeutung gestellt. Diese Fragen werden vor dem Hintergrund der einheimischen Kultur Etruriens und im Vergleich zu anderen Kulturen, in denen die gleichen ägyptischen Ritualgefäße als fremdes Kulturgut auftreten, beantwortet. Es wird vermutet, daß die ägyptischen Ritualgefäße in Etrurien in enger Anlehnung an die ägyptische Kultur übernommen wurden, daß sie außerdem für Etrurien eine intensive Annäherung an ägyptische Religion bezeugen, und daß sie einen kulturellen Wandel in Etrurien selbst dokumentieren, der durch den Kontakt mit ägyptischer Kultur hervorgerufen wurde. Die ägyptischen Ritualgefäße und ihre Nachahmungen aus Etrurien dürften geradezu paradigmatisch die interkulturelle Kommunikation der Etrusker mit den Bewohnern des Niltales beleuchten. Diese interkulturelle Kommunikation spielte sich offenbar im Rahmen von Handelskontakten, nicht als Folge von Migrationsbewegungen ab. Die den ägyptischen Ritualgefäßen und ihren Nachahmungen gewidmete Studie wird über den eigentlichen Gegenstand hinaus unserem Verständnis der antiken Geschichte des Mittelmeerraumes einen neuen Weg bahnen.
Aus Etrurien sind zahlreiche ägyptische und nach ägyptischer Art gestaltete Gefäße überliefert. Es sind Behältnisse, die zu rituellen Zwecken geschaffen wurden. Während einige davon in Ägypten produziert und nach Etrurien ausgeführt wurden, wurden andere in verschiedenen Gegenden des östlichen Mittelmeerraumes hergestellt und ebenfalls nach Etrurien verhandelt, wieder andere wurden in Anlehnung an ägyptische oder ägyptisch anmutende Vorbilder in Etrurien selbst erzeugt. Die Herkunft und kunstgeschichtliche Stellung dieser Gefäße wurde oft diskutiert, dabei aber nicht geklärt. Unberücksichtigt blieb die Frage nach entsprechenden Gefäßen aus Ägypten, welche den Ausgangspunkt für die außerägyptischen Produktionen bildeten, ebenso wie die Frage nach der ursprünglichen Funktion dieser Gefäße, ihrem Gebrauch bei Kulten und Festen, ihrer Stellung innerhalb der Religion des zeitgenössischen Ägypten. Die betreffenden Gefäße, deren Auswahl sich auf Fayencegefäße beschränkte, nicht jedoch Tongefäße einschloss, wurden im Verlauf des Projektes im Rahmen ihrer Gattungen untersucht und dabei unter kunstgeschichtlichen wie auch religionsgeschichtlichen Aspekten beleuchtet. In Anbetracht des formalen und funktionalen Spektrums, das die jeweiligen Gattungen in ihrem Ursprungsland aufweisen, wurden dann Fragen der Rezeption seitens der Etrusker gestellt. Diese Fragen wurden vor dem Hintergrund der etruskischen Kultur und im Vergleich zu anderen Kulturen des Mittelmeerraumes, in denen die gleichen Gefäße als fremdes Kulturgut auftreten, beantwortet. Das Projekt leistet damit einen Beitrag zur Erforschung ägyptischer Keramik der Dritten Zwischenzeit und der Spätzeit sowie zum Verständnis interkultureller Kommunikation im Mittelmeerraum. Gegenstand der Betrachtung waren seltene Gefäße, wie die sogenannte Bokchoris-Vase, aber auch die häufiger vorkommenden igelgestaltigen Gefäße und Gefäße in Gestalt eines hockenden Menschen oder Affen, der mit den Händen seinerseits ein vor ihm stehendes Gefäß umfasst. Weiterhin wurden die durch viele Beispiele belegten Gattungen der Situlen und Neujahrsflaschen untersucht. Dabei konnten viele neue Erkenntnisse gewonnen werden. Alle Gefäße konnten als genuin ägyptische Erzeugnisse bestimmt und im Rahmen der ägyptischen Keramikentwicklung beschrieben werden. Entsprechende Produktionszentren in Ägypten konnten zwar nicht eindeutig nachgewiesen, aber doch mit mehr oder weniger starken Argumenten namhaft gemacht werden. Die Verwendung der Gefäße in Ägypten konnte in den meisten Fällen geklärt werden. Sämtliche Gefäße gehören dem Grabbereich an, für dessen vielfältige, im Einzelnen sehr unterschiedliche Bedürfnisse sie auch eigens hergestellt wurden. Für alle ägyptischen Gefäße, die nach Etrurien gelangten, lässt sich eine dem ursprünglichen Sinn grundsätzlich gemäße Verwendung feststellen, wenngleich diese nicht zur Gänze der Verwendung in Ägypten entspricht, sondern partiell dem veränderten kulturellen Umfeld angepasst wurde.
- Universität Wien - 100%