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Aminoarabinose LPS-epitope

Aminoarabinose LPS epitopes

Paul Kosma (ORCID: 0000-0001-5342-7161)
  • Grant-DOI 10.55776/P19295
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.03.2007
  • Projektende 31.08.2010
  • Bewilligungssumme 257.145 €

Wissenschaftsdisziplinen

Chemie (80%); Gesundheitswissenschaften (20%)

Keywords

    Endotoxin, Burkholderia, Lipopolysaccharid, Synthese, Kohlenhydrat

Abstract Endbericht

Eine Vielzahl von Gram-negativen Bakterien verfügt über effiziente Abwehrmechanismen gegenüber dem Immunsystem der jeweiligen Wirtsorganismen. Die äußere Membran der bakteriellen Zellwand ist gekennzeichnet durch die Anwesenheit zahlreicher negativ geladener Substituenten in Form von Säure- bzw. Phosphathältigen Kohlenhydratstrukturen. Die Barrierewirkung der Zellmembran wird jedoch insbesondere durch entgegengesetzt (positiv) geladene Eiweißverbindungen (Peptide) des angeborenen Immunsystems überwunden, wogegen sich viele Bakterien wiederum durch Einbau positiv geladener Aminozucker schützen und somit resistent werden. Während die diesem Resistenzmechanismus zugrunde liegende genetische und biosynthetische Basis inzwischen intensiv bearbeitet wird, weiß man noch sehr wenig über die molekularen Details und antigenen Wirkungen dieser zusätzlichen Zuckermodifikationen. Darüber hinaus sind diese Modifikationen auch als potentielle Schaltstellen für den weiteren Aufbau der Zuckerketten und die Anknüpfung weiterer Fettsäuren an die Membrankomponenten beteiligt. Auch die Temperaturanpassung pathogener Bakterien beim Wechsel von Säugetierwirten auf Insekten, wie sie bei den Erregern der Pest stattfindet, korreliert mit dem erhöhten Einbau dieser Zuckerstrukturen. Von besonderer Bedeutung sind diese Membranmodifikationen auch in den pflanzenpathogenen Burkholderien, die landwirtschaftlich zur Reduktion von Schimmelpilzbefall oder zum Abbau von Schadstoffen in Böden genutzt werden, aber in den letzten Jahren zunehmend Bedeutung als Humanpathogene erlangt haben. Die Besiedlung der Lunge mit Burkholderia cepacia führt zum drastischen Verfall der Lungenfunktion und in Form des "Cepacia- Syndroms" zu einem letalen Verlauf der Infektion. Die Multiresistenz vieler klinischer Isolate gegen die meisten gängigen Antibiotika ist eine weitere Besonderheit von Burkholderien, die selbst im Inneren von Abwehrzellen (Makrophagen) lebensfähig bleiben. Im Rahmen des Projekts sollen durch chemische Synthese komplexe Strukturelemente dieser Membranmodifikationen hergestellt und durch Anbindung an Rinderserumalbumin in immunogene Verbindungen überführt werden. Die geplanten Zuckerstrukturen enthalten neben dem Aminozucker zusätzlich sowohl Säure- als auch Phosphatgruppen, um die wechselseitige Auswirkung auf die räumliche und chemische Interaktion dieser Gruppen zu untersuchen. In gut etablierten internationalen Kooperationen werden die chemisch hergestellten Immunreagentien zur Charakterisierung bestehender Antikörper aber auch zur Erzeugung neuer Antikörperspezifitäten eingesetzt. Die neuen Antikörper sollen in der Folge auch als Werkzeuge zur Untersuchung einzelner Biosyntheseschritte der Membranabschnitte und weiterer Modifikationen dienen. Dabei ist insbesondere eine stabile Zuckersäure interessant, für deren Einbau eine neue enzymatische Aktivität postuliert wird. Darüber hinaus wird auch die Wirkung des Einbaus der Aminozucker auf die Erkennung bzw. Maskierung der weiter außen liegenden Zuckersäuren untersucht werden, wobei hier die Röntgenstrukturanalyse der Cokristalle der Kohlenhydrat-Liganden mit den Antikörperfragmenten zum Einsatz kommen soll.

Viele Gram-negative pathogene Bakterien verfügen über effiziente Abwehrmechanismen gegenüber dem Immunsystem der jeweiligen Wirtsorganismen. Dabei spielen Säure- bzw. Phosphathaltige Kohlenhydratstrukturen in der äußeren Membran der bakteriellen Zellwand eine wichtige Rolle. Unter anderem wird die Barrierewirkung der bakteriellen Zellmembran gegenüber positiv geladenen Eiweißverbindungen (Peptide) der Immunabwehr durch Einbau gleichermaßen positiv geladener Aminozucker (Aminoarabinose) verstärkt. Im Projekt wurden zunächst Synthesemethoden zur Herstellung der Aminoarabinose im Multigramm-Maßstab entwickelt. In weiterer Folge wurde die Aminoarabinose mit den Zuckersäuren Desoxyoctulosonsäure (Kdo) und Octulosonsäure (Ko) verknüpft. Die hergestellten Di- und Trisaccharideinheiten entsprechen Strukturausschnitten der Zellwand von Burkholderien und Proteus. Ein wesentlicher Fortschritt konnte sodann in der Kopplung dieser Einheiten an Proteine erzielt werden. Dazu wurden die Kohlenhydratliganden mit reaktiven Endgruppen versehen, die selektiv und in hoher Ausbeute an Rinderserumalbumin gebunden wurden. Die so erhaltenen Konjugate wurden in der Folge zur Immunisierung von Mäusen und Kaninchen eingesetzt und die daraus resultierenden Seren auf Reaktivität mit verschiedenen Bakterienlipopolysacchariden getestet. Dabei zeigte sich eine hohe Immunogenität der hergestellten Glykokonjugate und eine spezifische Bindung der polyklonalen Seren an solche Aminoarabinose-Strukturen die auch in der bakteriellen Zellwand gut zugänglich sind. Diese Antikörperspezifitäten sind somit sehr gut für den Nachweis von Proteus bzw. Burkholderia-Infektionen geeignet. Konjugate, die sich zur weiteren Differenzierung von Proteus und Burkholderia eignen, werden derzeit noch getestet. In einem internationalen Folgeprojekt werden diese Ergebnisse im Zusammenhang mit Lungenerkrankungen wie der Cystischen Fibrose zum Einsatz kommen. Die direkt in die Lipidmembran eingebaute Phosphat-hältige Aminoarabinose wurde hingegen von den Antikörpern nicht erkannt. Zur weiteren Abklärung der Immunreaktivität dieser Abschnitte wurden daher auch Aminoarabinose- phosphate an Rinderserumalbumin gekoppelt. Immunisierungen mit diesen Konjugaten werden noch erfolgen. Die im Projekt hergestellten Zuckersäuren wurden weiters mit Kdo-spezifischen Antikörperfragmenten cokristallisiert und die Röntgenstruktur der Liganden in der Antigenbindungsregion ermittelt sowie die Bindungsaffinitäten mit Oberflächenplasmon-resonanzspektroskopie gemessen. Dabei zeigte sich daß zusätzliche Möglichkeiten der Wechselwirkung durch Wasserstoffbrückenbindungen in der Bindungsregion dieser Antikörper keine Erhöhung der Affinität bewirken. Die Modifikation der Kohlenhydratliganden durch hydrophobe Strukturelemente führte jedoch zu einer erheblichen Zunahme der Spezifität und der Bindungsaffinität der Antikörper. Diese Ergebnisse sind somit generell für Kohlenhydrat-Antikörper Wechselwirkungen von Bedeutung.

Forschungsstätte(n)
  • Universität für Bodenkultur Wien - 100%
Internationale Projektbeteiligte
  • Helmut Brade, Forschungszentrum Borstel - Deutschland
  • Stephen V. Evans, University of Victoria - Kanada

Research Output

  • 219 Zitationen
  • 11 Publikationen
Publikationen
  • 2011
    Titel Burkholderia cenocepacia BC2L-C Is a Super Lectin with Dual Specificity and Proinflammatory Activity
    DOI 10.1371/journal.ppat.1002238
    Typ Journal Article
    Autor Šulák O
    Journal PLoS Pathogens
    Link Publikation
  • 2011
    Titel A Common NH53K Mutation in the Combining Site of Antibodies Raised against Chlamydial LPS Glycoconjugates Significantly Increases Avidity
    DOI 10.1021/bi101886v
    Typ Journal Article
    Autor Blackler R
    Journal Biochemistry
    Seiten 3357-3368
  • 2011
    Titel Antibody Recognition of Chlamydia LPS: Structural Insights of Inherited Immune Responses
    DOI 10.1007/978-3-7091-0870-3_4
    Typ Book Chapter
    Autor Blackler R
    Verlag Springer Nature
    Seiten 75-120
  • 2011
    Titel Structural insights into parallel strategies for germline antibody recognition of lipopolysaccharide from Chlamydia
    DOI 10.1093/glycob/cwr041
    Typ Journal Article
    Autor Evans D
    Journal Glycobiology
    Seiten 1049-1059
    Link Publikation
  • 2010
    Titel Chapter 24 Chemical synthesis of the core oligosaccharide of bacterial lipopolysaccharide
    DOI 10.1016/b978-0-12-374546-0.00024-9
    Typ Book Chapter
    Autor Kosma P
    Verlag Elsevier
    Seiten 429-454
  • 2010
    Titel Efficient Synthesis of 4-Amino-4-deoxy-L-arabinose and Spacer-equipped 4-Amino-4-deoxy-L-arabinopyranosides by Transglycosylation Reactions.
    DOI 10.1055/s-0030-1258174
    Typ Journal Article
    Autor Müller B
    Journal Synthesis
    Seiten 3143-3151
    Link Publikation
  • 2009
    Titel The role of CDR H3 in antibody recognition of a synthetic analog of a lipopolysaccharide antigen
    DOI 10.1093/glycob/cwp150
    Typ Journal Article
    Autor Brooks C
    Journal Glycobiology
    Seiten 138-147
    Link Publikation
  • 2009
    Titel Antibodies Raised Against Chlamydial Lipopolysaccharide Antigens Reveal Convergence in Germline Gene Usage and Differential Epitope Recognition
    DOI 10.1021/bi9011308
    Typ Journal Article
    Autor Brooks C
    Journal Biochemistry
    Seiten 570-581
    Link Publikation
  • 2008
    Titel Exploration of Specificity in Germline Monoclonal Antibody Recognition of a Range of Natural and Synthetic Epitopes
    DOI 10.1016/j.jmb.2008.01.018
    Typ Journal Article
    Autor Brooks C
    Journal Journal of Molecular Biology
    Seiten 450-468
  • 2011
    Titel Synthesis of lipid A and inner-core lipopolysaccharide (LPS) ligands containing 4-amino-4-deoxy-L-arabinose units
    DOI 10.1351/pac-con-11-08-01
    Typ Journal Article
    Autor Zamyatina A
    Journal Pure and Applied Chemistry
    Seiten 11-21
    Link Publikation
  • 2011
    Titel Synthesis of Neoglycoconjugates Containing 4-Amino-4-deoxy-L-arabinose Epitopes Corresponding to the Inner Core of Burkholderia and Proteus Lipopolysaccharides
    DOI 10.1002/ejoc.201101171
    Typ Journal Article
    Autor Blaukopf M
    Journal European Journal of Organic Chemistry
    Seiten 119-131
    Link Publikation

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