Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (100%)
Keywords
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Vandalen,
Spätantike,
Historische Ethnographie,
Frühes Mittelalter,
Transformation of the Roman World,
Imperium Romanum
Aufbauend auf den Ergebnissen des 2005 abgeschlossenen FWF-Projekts "Historische Ethnographie der Vandalen" und auf Basis der jüngeren internationalen Forschung soll eine Synthese zur Geschichte und Identität der Vandalen erarbeitet werden. Eine in Wien erstellte Zusammenschau würde zwei wesentliche Grundlagen berücksichtigen. Erstens wäre es eine vorrangige Aufgabe, die schon angesprochene höchst problematische Beziehung zur älteren "Germanenforschung" zu thematisieren und die von Herwig Wolfram begonnene und Walter Pohl fortgeführte Auflösung dieser Bezüge weiter zu führen wie in den internationalen Diskurs einzubinden. Das betrifft die Fragen zu frühgeschichtlichen Kontexten vandalischer Identität wie die historisch und archäologisch besser greifbare Zeit, in der Vandalen genannte Gruppen in Gallien, Spanien und Afrika eine Rolle spielen. Konkret sollen bisher scheinbar fixierte Geschichtsbilder wie jenes von der Wanderung der ganzen vandalischen gens von Gibraltar nach Hippo Regius angegangen werden. Welche Rolle spielte die Auseinandersetzung mit der römischen Welt bei der Konstitution der gens? Zweitens kann in Wien eine Einbettung in die Forschung zum gesamten Frühmittelalter erfolgen und durch vergleichendes Fragen eine Reihe von Parallelen erkannt und benannt werden. Die politischen Ziele einer relativ jungen Gruppe von Kriegern wären der Hintergrund eines solchen Konstrukts. Wie ist in dieser theoretischen Debatte der vandalische Fall einzuordnen? Wodurch unterscheidet sich die vandalische Politik von der der Goten? Wer waren und wer wurden die Vandalen, und welche Rolle spielte dabei das vandalische Regnum auch im Vergleich zu anderen Strukturen in der sich wandelnden römischen Welt? Diese Fragen sollen in dem Projekt "Geschichte der Vandalen" systematisch untersucht werden. Notwendig ist und bleibt bei allen Forschungen zu Fragen von ethnischen und politischen Identitäten in Spätantike und frühem Mittelalter mit ihren weitgreifenden historischen Folgen die Untersuchung des Einzelfalls. Völker als Kollektivindividualitäten und damit Erkenntnisobjekt der historischen Forschung sind durch neue, differenziertere Kategorien zu beschreiben. Ein möglicher Ansatz wäre es, die im Laufe der Spätantike erscheinenden Gruppen, die sich eine Identität gaben und aus der römischen und griechischen Ethnographie bekannte und prestigebeladene Ethnonyme dazu benutzen, deren Deutung nun schon eine mehrhundertjährige Forschung beschäftigt, als Kriegereliten zu sehen, die Teil der spätrömischen Welt werden und Transformationen bedingen und tragen.