Veränderungen des Wissenschaftsparadigmas in Stringtheorie
Changes of the Scientific Paradigm in String Theory
Wissenschaftsdisziplinen
Philosophie, Ethik, Religion (75%); Physik, Astronomie (25%)
Keywords
-
String Theory,
Elementary Particle Physics,
Underdetermination,
Theoretical Models,
Structural Realism,
Scientific Confirmation
Ziel des Projektes ist eine Analyse der philosophischen Implikationen der Stringtheorie. Es soll diskutiert werden, in welchem Ausmaß Charakteristika der Stringtheorie in einem Spannungsverhältnis zur klassischen Wissenschaftskonzeption stehen und neue Perspektiven auf konzeptionelle Fragen der Wissenschaftstheorie eröffnen. Trotz seines theoretisch unfertigen und empirisch unbestätigten Status nimmt Stringtheorie eine sher einflussreiche Position in zeitgenössischer Elementarteilchenphysik und auch Teilen der Kosmologie ein. Es soll untersucht werden, inwieweit diese Situation als Ausdruck einer spezifischen Verschiebung des Wissenschaftsparadigmas verstanden werden kann, welche mit den jüngeren Entwicklungen der Elementarteilchenphysik einhergeht. Die Frage soll diskutiert werden auf der Basis eines Vergleichs der Stringtheorie mit einer fundamentalen physikalischen Theorie die näher an der wissenschaftlichen Orthodoxie` bleibt (der Loop-Quantengravitation), sowie mit einer wissenschaftstheoretischen Position (ener Nancy Cartwright`s), die den Fundamentalismus`, der als Richtschnur des teilchenphysikalischen Forschungs-programmes dient, ablehnt. Die Diskussion der Frage der Einschränkung der Unterbestimmtheit wissenschaftlicher Theorienbildung durch die vorhandenen empirischen Daten sowie die Analyse möglicher Affinitäten der Stringtheorie mit der philosophischen Position des strukturellen Realismus sollen mögliche philosophische Auswirkungen der Stringphysik ansprechen. Während das Hauptaugenmerk der Untersuchung auf der Stringtheorie selbst liegen soll, wird es von wesentlicher Bedeutung sein, die Kontinuitäten zwischen Stringtheorie und empirisch bestätigten Theorien der Elementarteilchenphysik zu verstehen und nachzuzeichnen.
Ziel des Projektes war die Analyse der Mechanismen der Theorienbewertung in gegenwärtiger Hochenergiephysik, insbesondere im Kontext Stringtheorie. Neuere Theorien der Elementarteilchen- und Stringphysik entwickeln sich in einer für die Physik ungewöhnlichen Konstellation. Zum einen liegen ihre konkreten empirischen Prognosen - soweit überhaupt spezifizierbar - häufig weit jenseits des mit heutigen Methoden empirisch testbaren. Die Theorien entwickeln sich daher oft seit einigen Jahrzehnten ohne substantielle empirische Bestätigung. Zum anderen jedoch hat ihre Entwicklung oft, insbesondere im Falle der Stringphysik, eine über die Jahrzehnte beständige Gerichtetheit und führt zu sehr hohem Vertrauen in die Gültigkeit der Theorie auch ohne empirische Bestätigung. Dieses Vertrauen beruht auf theoretischen Bewertungen die zum einen die Entwicklungsdynamik der Theorie, zum anderen die theoretischen Charakteristika der Theorie, in Rechnung stellen. Im Zuge des Projektes wurde in einer Reihe von Arbeiten der Versuch unternommen, eine Analyse dieser neuen oder zu neuer Bedeutung gelangten Strategien der Theorienbewertung zu entwickeln. Die These wurde formuliert, dass der Prozess der Theorienbewertung in gegenwärtiger Hochenergiephysik einen paradigmatischen Wechsel darstellt, in dem theoretischen Methoden der Theorienbewertung in einem bisher als unzulässig erschienenen Ausmaß Gewicht zugesprochen wird. Ein Symptom dieses Paradigmenwechsels sind die die fundamentalen und oft bemerkenswert schroffen Meinungsverschiedenheiten zwischen Kritikern und Exponenten der Stringtheorie hinsichtlich des Status der Theorie. Hier argumentieren Vertreter des alten gegen Vertreter eines neuen Paradigmas der Theorienbewertung. Als Grundlage der neuen Strategien der Theorienbewertung wurde das Prinzip der Bewertung der Unterbestimmtheit wissenschaftlicher Theorienbildung eingeführt. Die These wurde entwickelt, dass alle wesentlichen Elemente der neuen Theorienbewertung sich auf dieses Prinzip zurückführen lassen. Der Befund einer starken Einschränkung an die Unterbestimmtheit der Theorienbildung in einem bestimmten Kontext bietet für den Wissenschaftler Grundlage, die Gültigkeit der in diesem Kontext entwickelten Theorie für wahrscheinlich zu halten. Über die Stringphysik hinausgehend wurde in einer Reihe von anderen Zusammenhängen argumentiert, dass die Frage der Unterbestimmtheit im Wissenschaftsprozess eine wesentlich größere Rolle spielt als bisher eingeräumt wurde.
- Universität Wien - 100%
Research Output
- 11 Zitationen
- 1 Publikationen
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2015
Titel Bayesian perspectives on the discovery of the Higgs particle DOI 10.1007/s11229-015-0943-6 Typ Journal Article Autor Dawid R Journal Synthese Seiten 377-394 Link Publikation