Bioanorganische Nanopartikel als Transportmittel für Eisen
Bioinorganic nanoparticles as transport vehicles for iron
Wissenschaftsdisziplinen
Biologie (20%); Chemie (60%); Geowissenschaften (20%)
Keywords
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Iron In River Water,
Soil Derived Organic Matter,
Fulvic Acids,
Bioinorganic Nanoscaled Particles,
Colloid Transport,
Colloidal Bound Iron
Die Moore der Erde bedecken heute 14% des Festlandes. Sie sind, entsprechend unseren Ergebnissen, sehr stark an der Fruchtbarkeit der Meere beteiligt, was bisher noch nicht bekannt war. Das vorliegende Projekt soll diese Erkenntnisse vertiefen und quantifizieren. Auch in Hinblick auf die Auswirkungen der fortschreitenden Verluste an Moorfläche durch Trockenlegung und Aufforstung. Eisen ist das vierthäufigste Element in der Erdkruste, dennoch weisen weite Bereiche des Ozean- Oberflächenwassers extrem niedrige Konzentrationen davon auf. Als für das Phytoplankton essentielles Spurenmetall wird es heute als limitierender Faktor für die Primärproduktion in den Ozeanen angesehen. Es nimmt somit auch eine Schlüsselposition im globalen CO 2 -Kreislauf ein, denn der Aufnahme von atmosphärischem CO 2 durch das Phytoplankton wird wesentliche Bedeutung als globale CO 2 - Senke beigemessen. Als Quelle des Eintrages von Eisen in die Meere wurde bisher hauptsächlich die Windverfrachtung von Staub von den Kontinenten angesehen. Ein bedeutender Eintrag durch Flusswasser wurde bis dato ausgeschlossen, da angenommen wurde, dass der überwiegende Anteil der vom Fluss transportierten kolloidalen Eisenpartikel in der Brackwasserzone der Flussmündungen koaguliert und sedimentiert. Rezente Untersuchungen im Mississippi Delta haben jedoch gezeigt, dass Komplexe von Eisen(III) und pflanzlichen Abbauprodukten kolloidal in Lösung bleiben und so wesentlich zur Eisen-Düngung der Küstengewässer beitragen können. Wie unsere Vorversuche belegen, eignen sich vor allem die aus Torfmooren stammenden pflanzlichen Abbauprodukte als Komplexliganden für Eisen ausgezeichnet: Sie erhöhen die Aggressivität der Verwitterungslösung beträchtlich, sodass organisch gebundenes, kolloidal gelöstes Eisen in hohen Konzentrationen aus den Moorböden in die Fließgewässer eingespeist wird. Es sind auch diese Eisen tragenden bioanorganischen Nanopartikel, die für den Transport von Eisen über die Brackwasserzone ins offene Meer hinaus verantwortlich sind. Im vorliegenden Projekt soll unter Berücksichtigung der globalen Verbreitung von Mooren der aquatische Transport bioverfügbaren Eisens von terrestrischen Lebensräumen ins Meer neu abgeschätzt werden. Hierzu wird eine von uns entwickelte 59Fe-Tracer Methode verwendet, die es ermöglicht, die Verteilung des Eisens zwischen Wassersäule und Sediment mit hoher Präzision zu bestimmen. Mit Hilfe von Feld-Mischungsversuchen an Flüssen in Nord-Schottland, deren Einzugsgebiete unterschiedliche Grade von Moor-Bedeckung aufweisen, und natürlichem Meerwasser des angrenzenden Küstenbereichs soll der Einfluss des Moorwassers quantifiziert werden. Gleichzeitig ist es geplant, die chemischen und physikalischen Eigenschaften der einzigartigen natürlichen Nanopartikel, deren Aufgabe es ist den Ozean mit Eisen zu versorgen, im Detail zu untersuchen.
Eisen als Spurenelement ist für alle marinen Organismen absolut lebensnotwendig. Weite Bereiche des Weltozeans (ca. 50%) weisen allerdings extrem niedrige Konzentrationen an Eisen auf, sodass der Eisenmangel das Wachstum der Organismen streng limitiert. Insbesondere das Wachstum des Phytoplanktons (einzelliger Meeresalgen) hängt vom Eisengehalt des umgebenden Wassers ab, da für die Photosynthese besonders viel Eisen benötigt wird, und dieses von den Algen aus dem Wasser entnommen werden muss. Die einzelligen Meeresalgen stehen am Beginn der Nahrungskette, d.h. sie dienen als Nahrungsgrundlage für alle anderen marinen Organismen. Aber damit nicht genug. Auch die Stabilität des globalen Klimas beruht letztendlich auf einer guten Eisenversorgung des Ozeans. Denn die Photosynthese der Meeresalgen entzieht der Atmosphäre gewaltige Mengen an CO2. Als Quelle des Eintrages von Eisen in die Meere wurde bisher hauptsächlich die Windverfrachtung von Staub von den Kontinenten angesehen. Ein bedeutender Eintrag durch Flusswasser wurde ausgeschlossen, da angenommen wurde, dass das von Flüssen transportierte Eisen in der Brackwasserzone der Flussmündungen ausflockt und sedimentiert und daher niemals den offenen Ozean erreichen kann. Die Ergebnisse des vorliegenden Projekts relativieren diese Lehrmeinung. Im Rahmen des vorliegenden Projekts konnte am Beispiel von schottischen Torfmooren eindeutig bewiesen werden, dass dort, wo das saure Moorwasser mit dem eisenhaltigen Gestein in Berührung kommt, einzigartige Nanopartikel gebildet werden, die mit Eisen-Ionen beladen sind. Sie können mit dem Niederschlag in Bäche und Flüsse gelangen und schließlich durch die ins Meer mündenden Flüsse in die Küstengewässer transportiert werden. Unsere Ergebnisse zeigen, dass diese molekularen Transportfahrzeuge für Eisen aus Lignin-Bausteinen bestehen. Diese im Rahmen des vorliegenden Projekts entdeckten Verbindungen können als wichtige Trägersubstanz für bioverfügbares Eisen im Ozean betrachtet werden.
- Universität Wien - 65%
- Universität Wien - 35%
- Frank Von Der Kammer, Universität Wien , assoziierte:r Forschungspartner:in
Research Output
- 390 Zitationen
- 8 Publikationen
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2021
Titel Northern High-Latitude Organic Soils As a Vital Source of River-Borne Dissolved Iron to the Ocean DOI 10.1021/acs.est.1c01439 Typ Journal Article Autor Krachler R Journal Environmental Science & Technology Seiten 9672-9690 -
2012
Titel Nanoscale lignin particles as sources of dissolved iron to the ocean DOI 10.1029/2012gb004294 Typ Journal Article Autor Krachler R Journal Global Biogeochemical Cycles -
2016
Titel Determination of size-dependent metal distribution in dissolved organic matter by SEC-UV/VIS-ICP-MS with special focus on changes in seawater DOI 10.1002/elps.201500538 Typ Journal Article Autor Rathgeb A Journal ELECTROPHORESIS Seiten 1063-1071 Link Publikation -
2012
Titel l- and d-Proline Thiosemicarbazone Conjugates: Coordination Behavior in Solution and the Effect of Copper(II) Coordination on Their Antiproliferative Activity DOI 10.1021/ic300967j Typ Journal Article Autor Milunovic M Journal Inorganic Chemistry Seiten 9309-9321 Link Publikation -
2015
Titel River-derived humic substances as iron chelators in seawater DOI 10.1016/j.marchem.2015.05.009 Typ Journal Article Autor Krachler R Journal Marine Chemistry Seiten 85-93 Link Publikation -
2010
Titel Relevance of peat-draining rivers for the riverine input of dissolved iron into the ocean DOI 10.1016/j.scitotenv.2010.02.018 Typ Journal Article Autor Krachler R Journal Science of The Total Environment Seiten 2402-2408 -
2013
Titel Natural organic matter and iron export from the Tanner Moor, Austria DOI 10.1016/j.limno.2012.09.006 Typ Journal Article Autor Jirsa F Journal Limnologica - Ecology and Management of Inland Waters Seiten 239-244 Link Publikation -
2013
Titel Hexanuclear and undecanuclear iron( iii ) carboxylates as catalyst precursors for cyclohexane oxidation DOI 10.1039/c3dt50966d Typ Journal Article Autor Milunovic M Journal Dalton Transactions Seiten 14388-14401 Link Publikation