Edition des Patriarchatsregisters von Konstantinopel, Band V
Registrum Patriarchatus Constantinopolitani, Vol. V
Wissenschaftsdisziplinen
Geschichte, Archäologie (60%); Philosophie, Ethik, Religion (20%); Sprach- und Literaturwissenschaften (20%)
Keywords
-
Patriarchat Konstantinopel,
Diplomatik,
Kanonisches Recht,
Byzanz,
Orthodoxie,
Kirchengeschichte
Der Projektantrag Edition des Patriarchatsregisters von Konstantinopel, Band V: 1379-1390 (Patriachen Neilos, Antonios IV, Makarios [2. Periode]), Codex Vind. Hist. gr. 48, ff. 1r -60r soll einen diplomatischen Schwerpunkt der Wiener Byzantinistik, die Edition des Patriarchatsregisters von Konstantinopel, auf der Grundlage der zweiten überlieferten Handschrift, Codex Vind. Hist. gr. 48, fortsetzen. Mit den bereits gedruckten drei Bänden bzw. mit dem kurz vor dem Abschluss stehenden vierten Band ist eine Edition des Codex Vind. Hist. gr. 47 vorgelegt worden, die in der byzantinischen Diplomatik neue Standards für die Edition von Urkunden und Kanzleidokumenten aufgenommen und selbst mit Vorbildwirkung weiter verbessert hat. Um diesen Vorgaben auch hinkünftig gerecht zu werden, wurden zwei auf die byzantinische Diplomatik und (Kirchen-)Geschichte spezialisierte junge Wissenschafter, Dr. Ekaterini MITSIOU und Dr. Johannes PREISER-KAPELLER, im Rahmen von mehrjährigen Übungen des Projektantragsteller in die spezifische Thematik der Edition des Patriarchatsregisters eingeschult. Der nunmehr zur Bearbeitung stehende Band V behandelt den Zeitraum von 1379 bis 1390, ist "außenpolitisch" durch das weitere bedrohliche Vordringen der Osmanen und den kirchenpolitischen Auseinandersetzungen mit Russland geprägt; innenpolitisch spiegeln sich in den Dokumenten immer wieder die Bürgerkriege zwischen Johannes V. und seinem Sohn Andronikos IV. bzw. seinem Enkel Johannes VII. wieder. Bislang stand für diese Texte die aus den Jahren 1860 bzw. 1862 stammende Edition von Franz Miklosich und Joseph Müller zur Verfügung, die zwar als Gesamtedition hoch verdient ist, modernen wissenschaftlichen Anforderungen jedoch nicht entspricht. Abgesehen von den durch die kurze Entstehungszeit erklärbaren Transkriptionsfehler sind als Mängel vor allem zu nennen die unkommentierten chronologischen Einordnungen, der fehlende Quellennachweis direkter und indirekter Zitate, die vielfach sehr willkürlichen Textverkürzungen, normierenden Schreibweisen und unzureichende Ausweisungen von Textverlusten. Die Wiener Edition in der Reihe des Corpus Fontium Historiae Byzantinae erschließt die Texte des Patriarchatsregister neben einer kritischen Nachlese am Original und der Behebung der angeführten Defizite durch eine kodikologische Untersuchung des Registeraufbaus (mit Bestimmung von Blattverlusten), durch eine ausführliche Inhaltsanalyse, durch eine chronologische Absicherung sowie einen diplomatischen Kommentar der erwähnten Urkunden und Gesetze (mit Ergänzungen auch zu den gängigen Regestenwerken der Kaiser- und Patriarchatskanzlei) und vor allem durch eine auf einem eigenen Glossar zur Urkundensprache der Patriarchatskanzlei basierende Übersetzung (en passant: erstmals in einer Urkundenedition). Projekt-Website: http://www.oeaw.ac.at/byzanz/prk.htm
Das Projekte hatte zum Ziel, die Urkunden aus der Amtsperiode der Patriarchen von Konstantinopel Neilos Kerameus, Antonios IV. und Makarios nach dem Codex unicus, Wien, Österreichische Nationalbibliothek, Historicus graecus 48, ff. 1r -57v (der Registerhandschrift) kritisch zu edieren und nach diplomatischen Kriterien zu analysieren, begleitet von einer deutschen Übersetzung. Dank des Einsatzes eines jungen, höchst motivierten und in der Materie bestens ein-geschulten Teams ist dabei nicht nur eine allen wissenschaftlichen Kriterien entsprechende Edition erarbeitet worden, sondern es wurden neue Impulse aus Nachbardisziplinen aufgegriffen (so die aktuelle Netzwerkforschung aus dem Bereich der Sozialwissenschaften oder im Bereich der Textedition die Berücksichtigung der byzantinischen Stixis bei Originalpassagen). Auch in der Präsentation ist bei der Erarbeitung von Editionen und Übersetzungen ein konsequentes, teilweise neu durchdachtes Schema angewandt worden, das auf eine Verbesserung der Darstellung des innerbyzantinischen Urkunden- und Steuerwesens zielt; so wurde etwa bei der Aufzählung von Besitztümern inkl. deren Einkünfte der Frage der darauf fußenden Verzeichnissen und Registern nachgegangen und in der Rubrik Erwähnte Urkunden und Gesetze entsprechend vermerkt. Damit wurde erstmals auch dieser diplomatische Aspekt berücksichtigt. Die hohe Wertschätzung des Forschungsschwerpunktes und insbesondere der durch den FWF ermöglichten Fortsetzung zeigte sich nicht nur in zahlreichen Einladungen zu patriarchatsspezifischen Schwerpunkten, was auch die Karriere der Mitarbeiter wesentlich unterstützt (hat), sondern auch vice versa in der internationalen Anteilnahme an dem Projekt, wie sich etwa sehr gut anhand eines von den Mitarbeitern organisierten Symposium zum Patriarchatsregister aufzeigen lässt. Es gelang, sämtliche internationalen ForscherInnen zum Themenschwerpunkt Patriarchat der Palaiologenzeit nach Wien zu Vorträgen einzuladen und mit ihnen auch Fragen des Patriarchatsregisters zu diskutieren. Damit wurde ein Wissenschaftsnetzwerk aufgebaut, das große Früchte trug. In der Auslaufphase des Projektes wurden die Mitarbeiter als Kooperationspartner vom Pariser CNRS gemeinsam mit Vertretern des Athener Ethniko Idryma Ereunon, das an der Edition des Patriarchatsregisters im 15. Jahrhundert arbeitet, zu einem Arbeitstreffen und der Formierung einer Association Internationale eingeladen. Die Edition, die momentan seitens der Projektleitung in einer postprojektalen kritischen Überarbeitungsphase steht, wurde gemäß den Projektvorgaben vollinhaltlich erarbeitet und wird in Kürze zum Druck in der Österreichischen Akademie der Wissenschaften vorgelegt werden. Einer wissen-schaftlichen Notwendigkeit folgend war es das Ziel des Projektes, die Inhalte und das Thema in öffentlichen Veranstaltungen, sowohl wissenschaftlicher als auch populärwissenschaftlicher Art, zu vermitteln; insbesondere half die Kooperation mit der Stiftung Pro Oriente, einem an der Orthodoxie interessierten Publikum zu Aspekten des Patriarchats Einblick in die Arbeit zu geben. In zahlreichen Beiträgen haben die Mitarbeiter begleitend zur Editionsarbeit zudem Details herausgearbeitet und damit gewinnbringend für die Hauptpublikation en passant erarbeitet.