Risikio-sensitives Antiprädationsverhalten
Threat-sensitive preator avoidance behavior
Wissenschaftsdisziplinen
Biologie (70%); Land- und Forstwirtschaft, Fischerei (30%)
Keywords
-
Predatory Mites,
Antipredation Behavior,
Threat-Sensitive Predator Avoidance,
Oviposition Behavior,
Biological Control,
Behavioral Ecology
Die Hypothese der risikosensitiven Prädationsvermeidung (threat-sensitive predator avoidance hypothesis)
postuliert, dass potentielle Beutetiere die von einem Räuber ausgehende Bedrohung einschätzen können und ihr
Verhalten an die Stärke der Bedrohung anpassen. Diese Hypothese wurde mehrfach in klassischen Räuber-Beute
Interaktionen zwischen trophischen Ebenen, jedoch noch nie in Räuber-Räuber Interaktionen innerhalb einer
trophischen Ebene, wie z.B. Intragilden Prädation (IGP, intraguild predation), getestet. IGP ist Prädation zwischen
Räubern die auch potentielle Konkurrenten sind und häufig bei Raubmilben der Familie Phytoseiidae anzutreffen.
Bisherige Studien über IGP bei Raubmilben konzentrierten sich vorwiegend auf die Rolle des IG Räubers. Im
Gegensatz dazu gibt es nur wenig Information über Vermeidungsstrategien und potentielles
Antiprädationsverhalten der IG Beute. Im vorliegenden Projekt soll die Hypothese der risiko-sensitiven
Prädationsvermeidung innerhalb einer Gilde von Raubmilben getestet werden. Diese Gilde besteht aus dem
Nahrungsspezialisten Phytoseiulus persimilis und den Nahrungsgeneralisten Neoseiulus californicus und Andersoni
andersoni. Alle drei ernähren sich von herbivoren Spinnmilben und haben Bedeutung in der Biologischen
Schädlingskontrolle. Basierend auf bisherigen Daten können diese drei Arten bezüglich ihrer Stärke in IGP P.
persimilis
Alle Anti-Prädationsstrategien haben eines gemeinsam: Sie kosten Energie. Die Hypothese des risiko-sensitiven Anti-Prädationsverhaltens geht daher davon aus, dass Beutetiere das situationsspezifische Prädationsrisiko abschätzen können und ihre Reaktionen entsprechend anpassen. Hohes Prädationsrisiko sollte hoch effiziente, aber kostenintensive Verhaltensweisen auslösen, geringes Prädationsrisiko hingegen weniger aufwändiges Verhalten. Diese Annahme wurde mehrfach in klassischen Räuber-Beute Beziehungen bestätigt. Aber auch Räuber können anderen Räubern zum Opfer fallen, vor allem dann, wenn sie dieselbe Beuteart nutzen. Solche Artengemeinschaften werden als Gilde bezeichnet, und Prädation innerhalb dieser Gilde als Intragilden-Prädation (IGP). Ob Räuber als Beute ähnlich risiko-sensitiv sind wie klassische Beute und solches Verhalten angeboren oder erlernt ist, waren bis dato offene Fragen. Wir untersuchten diese Fragen in einer Räubergilde, deren Mitglieder Spinnmilben als gemeinsame Nahrung nutzen und die sich aus den Raubmilben Phytoseiulus persimilis, Neoseiulus californicus und Amblyseius andersoni zusammensetzt. Die kleinen und relativ wehrlosen Larven der Raubmilben sind die bevorzugte Beute der IG Räuberweibchen, wobei innerhalb der Gilde die Larven von P. persimilis am stärksten gefährdet sind (durch den moderat gefährlichen IG Räuber N. californicus und den sehr gefährlichen IG Räuber A. andersoni) und die A. andersoni Larven am wenigsten (durch den harmlosen IG Räuber P. persimilis und den moderat gefährlichen IG Räuber N. californicus). Unsere Versuche ergaben, dass die Weibchen von P. persimilis in Nahrungsplätzen mit Spuren der IG Räuber weniger Eier ablegten, aber nur erfahrene Weibchen (aufgewachsen mit IG Räubern) konnten zwischen den moderat und hoch gefährlichen IG Räubern unterscheiden und vermieden die Eiablage in Nahrungsplätzen mit Spuren des hoch gefährlichen IG Räubers. Unabhängig von Erfahrung zeigten auch die Weibchen von N. californicus risiko-sensitives Eiablageverhalten, während das Eiablageverhalten der Weibchen von A. andersoni nicht vom Prädationsrisiko beeinflusst wurde. Ähnlich sensitiv waren die Larven in Anwesenheit einzelner IG Räuber mit unterschiedlichem Prädationsrisiko wobei die Larven von P. persimilis zwei verschiedene Strategien zeigten: geringe Aktivität und Vermeidung der unmittelbaren Nähe des hochgefährlichen IG Räubers und typisches Fluchtverhalten in Anwesenheit des wenig gefährlichen IG Räubers. Somit konnte erstmals belegt werden, dass auch IG Beute selbst und deren Mütter in der Lage sind, IG Räuber anhand ihrer Gefährlichkeit unterscheiden zu können und risiko-sensitiv reagieren, um das IG Prädationsrisiko zu minimieren. Da die drei beobachteten Raubmilbenarten wichtige natürliche Gegenspieler von Pflanzenschädlingen sind, tragen die Ergebnisse zur Optimierung ihrer Verwendung in der Biologischen Kontrolle bei.
Research Output
- 204 Zitationen
- 8 Publikationen
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2011
Titel Threat-sensitive anti-intraguild predation behaviour: maternal strategies to reduce offspring predation risk in mites DOI 10.1016/j.anbehav.2010.09.031 Typ Journal Article Autor Walzer A Journal Animal Behaviour Seiten 177-184 Link Publikation -
2012
Titel Phenotypic plasticity in anti-intraguild predator strategies: mite larvae adjust their behaviours according to vulnerability and predation risk DOI 10.1007/s10493-012-9624-z Typ Journal Article Autor Walzer A Journal Experimental and Applied Acarology Seiten 95-115 Link Publikation -
2012
Titel Integration of multiple intraguild predator cues for oviposition decisions by a predatory mite DOI 10.1016/j.anbehav.2012.09.006 Typ Journal Article Autor Walzer A Journal Animal Behaviour Seiten 1411-1417 Link Publikation -
2013
Titel Intra- and Trans-Generational Costs of Reduced Female Body Size Caused by Food Limitation Early in Life in Mites DOI 10.1371/journal.pone.0079089 Typ Journal Article Autor Walzer A Journal PLoS ONE Link Publikation -
2014
Titel Compensatory growth following transient intraguild predation risk in predatory mites DOI 10.1111/oik.01687 Typ Journal Article Autor Walzer A Journal Oikos Seiten 603-609 Link Publikation -
2015
Titel Food stress causes sex-specific maternal effects in mites DOI 10.1242/jeb.123752 Typ Journal Article Autor Walzer A Journal Journal of Experimental Biology Seiten 2603-2609 Link Publikation -
2013
Titel Integration of multiple cues allows threat-sensitive anti-intraguild predator responses in predatory mites DOI 10.1163/1568539x-00003040 Typ Journal Article Autor Walzer A Journal Behaviour Seiten 115-132 Link Publikation -
2011
Titel Sex-specific developmental plasticity of generalist and specialist predatory mites (Acari: Phytoseiidae) in response to food stress DOI 10.1111/j.1095-8312.2010.01593.x Typ Journal Article Autor Walzer A Journal Biological Journal of the Linnean Society Seiten 650-660 Link Publikation