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Der Degirmendere Aquädukt von Ephesos

The Degirmendere Aqueduct at Ephesus

Gilbert Wiplinger (ORCID: )
  • Grant-DOI 10.55776/P20034
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 02.01.2008
  • Projektende 01.03.2014
  • Bewilligungssumme 240.030 €

Wissenschaftsdisziplinen

Bauwesen (30%); Geowissenschaften (10%); Geschichte, Archäologie (25%); Umweltingenieurwesen, Angewandte Geowissenschaften (35%)

Keywords

    Aquädukt, Topographie, Bauforschung, Sinter- und Mörtelanalysen, Archäologie

Abstract Endbericht

Das wichtigste Ergebnis der Vorstudien zum ephesischen Wasserbauprojekt ist die Tatsache, dass gerade in dieser Stadt der unmittelbare Zusammenhang zwischen Siedlungsgeschichte und der Geschichte der Wasserversorgung besonders ausgeprägt und besser als an anderen Orten nachvollziehbar ist. Um aber dieses Verhältnis zwischen Wachstum der Siedlung und der Erschließung immer weiter entfernt liegender Quellen detailliert untersuchen zu können, ist es notwendig, die Erforschung der Wasserversorgung in größerem Umfang zu initiieren, da sie im Gegensatz zur Erforschung der Stadtgeschichte von Ephesos bisher wenig Beachtung fand. Der Degirmendere Aquädukt kann mit vielen Superlativen aufwarten: Mit 43 km ist er die längste der fünf nach Ephesos führenden Fernwasserleitungen. Mit seinem ca. 80 x 230 cm großen Querschnitt brachte er auch das meiste Wasser in die Stadt, indem er sich als Freispiegelleitung weit in die Täler hinein windete und mindestens über 20 Brücken und 2 Tunnel geführt wurde. Vermutlich erst Mitte des 2. Jh. n. Chr. entstanden, ist er auch die jüngste Fernwasserleitung mit eigener Trasse. Da er viele Jahrhunderte hindurch benutzt wurde - der erste Abschnitt versorgte in osmanischer Zeit die Karawanseray von Scala Nova und noch bis vor ca. 20 Jahren die Touristenstadt Kusadasi - sind viele Reparaturen und Umbauphasen zu beobachten. Doch der Bau begann vermutlich gleich zu Beginn mit einem Missgeschick: Wahrscheinlich durch eine falsche Absteckung des Gefälles in einem Bauabschnitt kam es zu Schwierigkeiten bei der Überwindung eines Sattels, sodass das Wasser nicht problemlos Richtung Stadt weiterfließen konnte. Daher musste eine neue, ca. 8 km lange Strecke unmittelbar bergseitig an den misslungenen Kanal angebaut werden, wobei das aufgegebene Bauwerk teilweise als Stützmauer für das neue Gerinne verwendet, großteils aber abgetragen wurde, um aus diesem Material die neue Leitung zu errichten. Wie und wann wurde die Degirmendere Leitung gebaut, repariert und umgebaut? Können mit Hilfe von unterschiedlichen Gefälleabschnitten Baulosgrenzen ermittelt werden? Existiert noch ein Teil der Infrastruktur zur Errichtung der Leitung, wie z.B. Zufahrtsstraßen, Arbeitswege oder Steinbrüche? Wie hoch war die Quellschüttung, wieviel Wasser kam in der Stadt an und wieviel ging durch undichte Stellen wo verloren? War der Sultaniye Aquädukt ein augusteischer Vorgängerbau, der inschriftlich als "Aqua Iulia" bekannt ist? Woher kommt eine Zuleitung, die an der Mercankuyu Brücke in den Hauptaquädukt einmündet? Diese und viele weitere Fragen müssen im Zuge der Dokumentation des Bauwerkes in einem inderdisziplinären Projekt durchleuchtet und geklärt werden, wobei neue Methoden der Vermessung und die Analyse von Sinter- und Mörtelproben ebenso zum Ergebnis herangezogen werden müssen wie archäologische Sondagen. Ziel des Projektes ist die umfassende Publikation der Ergebnisse in einem Band der "Forschungen in Ephesos". Das Resultat des Projektes ist eine wichtige Grundlage für die weitere Erforschung der kleineren und weniger aufwendigen Aquädukte von Ephesos und damit auch für weitere Erkenntnisse im eingangs erwähnten Zusammenhang von Siedlungsentwicklung und Ausbau der Wasserversorgung.

Der De?irmendere Aquädukt von Ephesos wurde als letzte und längste Fernwasserleitung in hadrianischer Zeit (ca. 124 129 n. Chr.) mit einer Länge von 37,5 km und einem plattengedeckten Querschnitt von 70 x 50 cm errichtet und transportierte über 24 Brücken und durch vier Tunnel 21.000 m3 Wasser pro Tag in die Stadt. Dieser Kanal war nur 25 - 30 Jahre in Betrieb, denn bei einem Erdbeben, das aufgrund einer neu entdeckten Inschrift in das Jahr 159 datiert werden kann, sackten die neogenen Tonschichten an der Içmetepe Störungslinie um 3 m gegenüber dem Marmorrücken ab, sodass der Wasserfluss unterbrochen war. Deshalb wurde am Ende der antoninischen Zeit eine komplett neue Leitung gebaut, in die nun auch die Keltepe Quellen eingespeist wurden. In dem größeren, bequem begehbaren und gewölbten Querschnitt von 75 x 215 cm wurde mit 50.000 m3 Wasser pro Tag eine wesentlich größere Menge geliefert. Dieser Aquädukt wurde nach ca. 210 Jahren Betriebsdauer durch die Erdbebenserie in der 2. Hälfte des 4. Jahrhunderts zerstört und nur noch im ersten Teil in venezianisch-genuesischer und osmanischer Zeit für Scala Nova erneuert und bis vor 20 Jahren für die Touristenstadt Ku?adas? genutzt. Im ersten, 18,5 km langen Abschnitt des Aquäduktes von der Quelle bis zur Störungslinie, in der die Leitung Großteils unterirdisch liegt bzw. durch die Ausdehnung von Ku?adas? zerstört wurde, musste der alte Querschnitt lediglich vergrößert werden. Von der Störungslinie bis zur Bahçecikbo?az Brücke, die mit einer Druckleitung aus Tonrohren das gleichnamige Tal überquert, in das die Leitung weit von der Küstenlinie hineinzieht, wurde die Kanalsohlendifferenz von 3 m auf einer Länge von nur 3,5 km wieder ausgeglichen. In dem dadurch bedingten extrem flachen Gefälle war der Transport des Wassers immer ein Problem, sodass in diesem Abschnitt fast alle der neu entdeckten Bypassleitungen liegen, in denen das Wasser mehrmals umgeleitet werden musste. Nach der Bahçecikbo?az Brücke wurde die Leitung mit flacherem Gefälle als die hadrianische Leitung errichtet, damit sie um 8 m höher in der Stadt ankam und damit ein noch größeres Gebiet mit Wasser versorgte. Im mittleren Abschnitt von der Störungslinie bis zu der Stelle, an der die Leitung von der Küste wieder ins Landesinnere abknickt, sind beide Aquädukte aufgrund der Lage hoch oben am Hang durchgehend erhalten. Hier wurden alle Aquäduktbrücken des antoninischen Aquäduktes direkt an die bereits bestehenden hadrianischen Brücken angebaut, sodass in diesem Bereich alle Bauten doppelt ausgeführt wurden. Ausnahmen bilden die drei größten Brücken, bei denen ein Neubau zu aufwändig gewesen wäre, sodass die neue Leitung auf die ältere Brücke aufgesetzt wurde.Im Zuge des FWF-Projektes konnten alle Einzelbauwerke wie Brücken, Tunnel, Becken, Bypässe, Stützpfeiler und Durchlässe nach vorheriger Rodung und Reinigung im Detail aufgenommen und dokumentiert werden. Dabei wurden acht der 24 Brücken, alle Tunnel, Becken und Bypässe neu entdeckt. Die Leitungsabschnitte wurden soweit sichtbar aufgenommen und viele Details in Sondagengrabungen geklärt. Die Betriebsdauer der Leitungen konnte mit Hilfe von Sinteranalysen bestimmt, die Gründe für die Doppelleitung aufgrund der geologischen Situation an der Störungslinie geklärt werden. Die Endpublikation ist in Vorbereitung und gleichzeitig mit deren Erscheinen wird ein GIS-Projekt ins Netz gestellt, in dem alle Daten abgerufen werden können und so der Aquädukt von der Quelle bis zur Stadt bis ins Detail verfolgt werden kann.

Forschungsstätte(n)
  • Montanuniversität Leoben - 3%
  • Österreichische Akademie der Wissenschaften - 97%
Nationale Projektbeteiligte
  • Walter Prochaska, Montanuniversität Leoben , assoziierte:r Forschungspartner:in

Research Output

  • 26 Zitationen
  • 12 Publikationen
Publikationen
  • 2010
    Titel Die Wasserversorgung von Ephesos in byzantinischer Zeit.
    Typ Book Chapter
    Autor F. Daim
  • 2012
    Titel Alternative Route Deviations due to the Disruption of Ancient Aqueducts using the Example of the Degirmendere Aqueduct to Ephesus.
    Typ Conference Proceeding Abstract
    Autor Wiplinger G
    Konferenz I. Koyuncu, Z. Sen, S. Öztürk, M. Altinbas, I. Öztürk (ed.), International Water association, 3rd Conference on Water and Wastewater Technologies in Ancient Civilisations, March 22-24, 2012 - Istanbul
  • 2012
    Titel Der Degirmendere-Aquädukt.
    Typ Journal Article
    Autor Wiplinger G
    Journal ÖAI (Hrsg.), Wissenschaftlicher Jahresbericht des Österreichischen Archäologischen Institutes
  • 2013
    Titel Normal fault displacement dislocating a Roman aqueduct of Ephesos, western Turkey
    DOI 10.1111/ter.12035
    Typ Journal Article
    Autor Passchier C
    Journal Terra Nova
    Seiten 292-297
  • 2013
    Titel Efes suyolu: Efes disindaki Efes.
    Typ Book Chapter
    Autor Unutmaz I
  • 2013
    Titel Der Degirmendere Aquädukt von Ephesos und seine Zukunft.
    Typ Conference Proceeding Abstract
    Autor Wiplinger G
    Konferenz G. Wiplinger (Hrsg.), Historische Wasserleitungen. Gestern - Heute - Morgen. Tagungsband des Internationalen Frontinus-Symposiums, Wien 19.-23. Oktober 2011, BABESCH Suppl. 24, SoSchrÖAI 49
  • 2013
    Titel Bypässe für Reparaturarbeiten an Aquädukten.
    Typ Book Chapter
    Autor Frontinus-Gesellschaft E.V. (Hrsg.)
  • 2013
    Titel Der Degirmendere-Aquädukt.
    Typ Journal Article
    Autor Wiplinger G
    Journal ÖAI (Hrsg.), Wissenschaftlicher Jahresbericht des Österreichischen Archäologischen Institutes
  • 2011
    Titel Roman Aqueducts as Indicators of Historically Active Faults in the Mediterranean Basin.
    Typ Conference Proceeding Abstract
    Autor Güngör T Et Al
    Konferenz C. Grützner - T. Fernández Steeger - I. Papanikolaou - K. Reicherter - P.G. Silva - R. Pérez-López, A. Vött (Hrsg.) Earthquake Geology and Archaeology: Science, Society and Critical Facilities, Proceedings of 2nd INQUA-IGCP-567 International Workshop on Active Tectonics, Earthquake Geology, Archaeology and Engineering, Corinth, Greece
  • 2011
    Titel Ephesos Bizans Dönemi su yollari.
    Typ Book Chapter
    Autor F. Daim
  • 2011
    Titel Die Wasserversorgung von Ephesos in byzantinischer Zeit.
    Typ Book Chapter
    Autor F. Daim
  • 2010
    Titel The Degirmendere Aqueduct to Ephesus.
    Typ Book Chapter
    Autor M. Novotna

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