Anpassung und Toleranz an niedrigen pH-Wert
Adaptation and tolerance to low pH
Wissenschaftsdisziplinen
Biologie (100%)
Keywords
-
Ph Reaction Norm,
Competition,
Acid mining lakes,
Microevolution,
Adaptation,
Limnology
Der pH-Wert ist ein wesentlicher Umweltfaktor, der in Süßwasserökosystemen zwischen <2 bis 12 schwanken kann. Die Biodiversität ist in sehr sauren Habitaten (pH <3), wie Tagebaurestseen, stark reduziert. Obwohl die Abnahme der Artenzahl für mehrere Stämme der Protisten und Metazoen beschrieben wurde, sind die Muster und Prozesse der Anpassung und Toleranz an niedrige pH-Werte für Planktonorganismen wenig bekannt. Es gibt vermutlich mehr Säure-tolerante Arten, die Rückzugsbiotope in Habitaten mit niedrigem pH-Wert finden, als Säure-liebende Arten, die spezifisch an die hohen H+-Ionenkonzentrationen angepasst sind. Wir werden innerhalb dieses Projektes in vitro- und in situ-Experimente entwickeln, um zu untersuchen, ob acidotolerante Arten davon profitieren, dass der Konkurrenzdruck bei Säurestress vermindert ist. Wir wollen erstmalig die kombinierte Wirkung von Temperatur und pH-Wert bei unterschiedlichem Nahrungsangebot für planktische Ciliaten, Rotatorien und Crustaceen untersuchen. Da Hitzeschock-Proteine (HSP) als gemeinsamer Nenner für die Vermittlung der Stresstoleranz gegenüber Temperatur und pH vermutet werden, werden wir molekulare Markierungen entwickeln, um kleine HSP auf der Ebene der genomischen DNS und der mitochondriellen DNS in unseren Zielorganismen detektieren zu können. Wir werden weiters ein durchflusszytometrisches Protokoll entwickeln, um den zytosolischen pH zu messen und den externen pH-Wert bestimmen, bei dem die interne pH-Regulation zusammenbricht. Wir wollen unterscheiden zwischen genetisch fixierter, allgemeiner physiologischer Anpassung an saure Bedingungen (auf dem Artniveau) und Standort-spezifischen Merkmalen in ähnlichen Habitaten, die auf historische Ereignisse, d.h. kleinräumige genetische Veränderungen unterhalb des Artniveaus (Mikroevolution), zurückzuführen sind. Im zweiten Teil dieses Projektes werden wir daher das Biomasse-Größenspektrum und die wesentlichen Organismen unter Verwendung molekularer Methoden in drei sauren Tagebaurestseen und einem neutralen Referenzsee untersuchen. Diese vier Seen unterscheiden sich im Hinblick auf ihren pH-Wert, ihr Alter und/oder ihre geografische Lage. Diese Seen bieten eine der seltenen Möglichkeiten geeigneter Ökosystemmodelle, starke Habitat-spezifische Selektion zu untersuchen. Wir werden Freiland- und Laborexperimente entwickeln, um die Annahme zu überprüfen, dass die Verbreitung der Mikroorganismen (in sauren Tagebaurestseen) keiner historischen Erklärung bedarf, d.h. dass das Habitat im strengen Sinne als Filter gemäß Gleason`s individualistischem Konzept der Populationsökologie wirkt. Wenn wir genetische und physiologische Unterschiede auf dem Subspezies-Niveau finden, die nicht durch eine sich ändernde Umwelt erklärt werden können, werden wir die Hypothese zurückweisen, dass die Verbreitung der freilebenden Mikroorganismen unbegrenzt ist und dass ihre Verteilung ausschließlich aus den Eigenschaften des Habitats erklärt werden kann. Die Schlussfolgerungen, die sich aus diesem Projektteil ergeben werden, werden weitreichende Auswirkungen auf die allgemeine Ökologie und die gegenwärtige Diskussion über die Biodiversität der freilebenden Mikroorganismen haben.
Der pH-Wert ist ein wesentlicher Umweltfaktor, der in Süßwasserökosystemen zwischen <2 bis 12 schwanken kann. Die Biodiversität ist in sehr sauren Habitaten (pH <3), wie Tagebaurestseen, stark reduziert. Dort leben z.B. weder Fische noch Cladoceren ("Wasserflöhe"). Obwohl die Abnahme der Artenzahl für mehrere Stämme der Protisten (Einzeller) und Metazoen (Vielzeller) beschrieben wurde, waren die Muster und Prozesse der Anpassung und Toleranz an niedrige pH-Werte für Planktonorganismen nahezu unbekannt. Wir konnten innerhalb dieses Projektes einerseits experimentell nachweisen, dass Säure-tolerante Arten davon profitieren, dass der Druck durch Konkurrenz und Fressfeinde bei Säurestress vermindert ist. Andererseits haben wir sowohl bei den Einzellern als auch unter den Vielzellern (nämlich bei den Rotatorien) spezifisch angepasste, Säure-liebende (acidophile) Arten gefunden, die unter neutralen Bedingungen nicht lebensfähig sind. Mehrere dieser Arten waren bisher unbekannt und wurden bzw. werden von uns erstmals beschrieben (z.B. das Rädertierchen Cephalodella acidophila). Wir haben weiters erstmalig die kombinierte Wirkung von Temperatur- und pH-Stress bei unterschiedlichem Nahrungsangebot für planktische Flagellaten, Ciliaten und Rotatorien (Rädertierchen) untersucht. Durch die Kombination dieser 3 wesentlichen Umweltfaktoren wird die realisierte (=tatsächliche) pH-Niche aller untersuchten Organismen stark eingeschränkt. Diese Ergebnisse können vermutlich auf andere Habitate übertragen werden. Wir wollten unterscheiden zwischen genetisch fixierter, allgemeiner physiologischer Anpassung an saure Bedingungen (auf dem Artniveau) und Standort-spezifischen Merkmalen in ähnlichen Habitaten, die auf kleinräumige genetische Veränderungen unterhalb des Artniveaus (Mikroevolution) zurückzuführen sind. Wir haben daher das Biomasse-Größenspektrum und die wesentlichen Organismen unter Verwendung molekularer Methoden in drei sauren Tagebaurestseen und einem neutralen Referenzsee in Österreich (bei Langau, NÖ) und Ostdeutschland (Lausitz) untersucht. Diese vier Seen unterscheiden sich im Hinblick auf ihren pH-Wert, ihr Alter und/oder ihre geografische Lage. Wir haben experimentell die Annahme überprüft, dass die Verbreitung der Mikroorganismen (in sauren Tagebaurestseen) keiner historischen Erklärung bedarf, d.h. dass das Habitat wie ein Filter wirkt, den nur die entsprechend vorangepassten Organismen passieren können. Wir fanden innerartliche genetische und physiologische Unterschiede sowie signifikante Wechselwirkungen zischen den Organismen und den Habitaten, in denen die Organismen tatsächlich leben oder potenziell vorkommen können. Mit anderen Worten, verschiedene Stämme derselben (Mikroben-)Art können sich in demselben Habitat unterschiedlich verhalten bzw. derselbe Stamm kann in ähnlichen (aber nicht identen) Habitaten unterschiedlich "erfolgreich" sein (=unterschiedliche Fitness aufweisen). Wir können daher die Hypothese zurückweisen, dass die Verbreitung der freilebenden Mikroorganismen ausschließlich aus den Eigenschaften des Habitats erklärt werden kann. Diese Schlussfolgerung ist von allgemeiner ökologischer Bedeutung.
- Thomas Berendonk, Technische Universität Dresden - Deutschland
- Ursula Gaedke, Universität Potsdam - Deutschland
Research Output
- 337 Zitationen
- 12 Publikationen
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2019
Titel Structures of three MORN repeat proteins and a re-evaluation of the proposed lipid-binding properties of MORN repeats DOI 10.1101/826180 Typ Preprint Autor Sajko S Seiten 826180 Link Publikation -
2016
Titel Functional ecology of aquatic phagotrophic protists – Concepts, limitations, and perspectives DOI 10.1016/j.ejop.2016.03.003 Typ Journal Article Autor Weisse T Journal European Journal of Protistology Seiten 50-74 Link Publikation -
2014
Titel Ciliates and the Rare Biosphere—Community Ecology and Population Dynamics DOI 10.1111/jeu.12123 Typ Journal Article Autor Weisse T Journal Journal of Eukaryotic Microbiology Seiten 419-433 Link Publikation -
2013
Titel Multiple environmental stressors confine the ecological niche of the rotifer Cephalodella acidophila DOI 10.1111/fwb.12104 Typ Journal Article Autor Weisse T Journal Freshwater Biology Seiten 1008-1015 Link Publikation -
2020
Titel Structures of three MORN repeat proteins and a re-evaluation of the proposed lipid-binding properties of MORN repeats DOI 10.1371/journal.pone.0242677 Typ Journal Article Autor Sajko S Journal PLOS ONE Link Publikation -
2019
Titel Living on the edge: reproduction, dispersal potential, maternal effects and local adaptation in aquatic, extremophilic invertebrates DOI 10.1007/s00027-019-0638-z Typ Journal Article Autor Weithoff G Journal Aquatic Sciences Seiten 40 -
2011
Titel The outcome of competition between the two chrysomonads Ochromonas sp. and Poterioochromonas malhamensis depends on pH DOI 10.1016/j.ejop.2011.01.001 Typ Journal Article Autor Moser M Journal European Journal of Protistology Seiten 79-85 Link Publikation -
2011
Titel The most acidified Austrian lake in comparison to a neutralized mining lake DOI 10.1016/j.limno.2011.01.002 Typ Journal Article Autor Moser M Journal Limnologica - Ecology and Management of Inland Waters Seiten 303-315 Link Publikation -
2011
Titel Combined stress effect of pH and temperature narrows the niche width of flagellates in acid mining lakes DOI 10.1093/plankt/fbr014 Typ Journal Article Autor Moser M Journal Journal of Plankton Research Seiten 1023-1032 Link Publikation -
2011
Titel Significant habitat effects influence protist fitness: evidence for local adaptation from acidic mining lakes DOI 10.1890/es11-00157.1 Typ Journal Article Autor Weisse T Journal Ecosphere Seiten 1-14 Link Publikation -
2010
Titel Lake morphometry and wind exposure may shape the plankton community structure in acidic mining lakes DOI 10.1016/j.limno.2009.11.002 Typ Journal Article Autor Weithoff G Journal Limnologica - Ecology and Management of Inland Waters Seiten 161-166 Link Publikation -
2012
Titel Systematics and species-specific response to pH of Oxytricha acidotolerans sp. nov. and Urosomoida sp. (Ciliophora, Hypotricha) from acid mining lakes DOI 10.1016/j.ejop.2012.08.001 Typ Journal Article Autor Weisse T Journal European Journal of Protistology Seiten 255-271 Link Publikation