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Datenbank von ukiyo´e-Karikaturen 1855-1905

A database of Japanese ukiyo´e caricatures from 1855 to 1905

Sepp Linhart (ORCID: )
  • Grant-DOI 10.55776/P20148
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.11.2007
  • Projektende 30.06.2012
  • Bewilligungssumme 144.459 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Soziologie (50%); Sprach- und Literaturwissenschaften (50%)

Keywords

    Japan, Comic Pictures, History, Ukiyo'E, Caricatures, Nishiki'E

Abstract Endbericht

Dieses Projekt ist gedacht als eine Fortsetzung des FWF Projekts P 16503-G06, Japanische Holzschnittkarikaturen von 1842 bis 1905, das vom 15.3.2004 bis zum 30.9.2006 durchgeführt wurde. Die Ergebnisse dieses Projekts sind unter der Internetadresse http://www.univie.ac.at/Karikaturen zugänglich. Sein Ziel ist die Analyse und Beschreibung von rund 1000 ukiyo`e Karikaturen, die zwischen 1855 und 1905 gedruckt wurden und deren Hinzufügung zu den 532 Drucken, die sich bereits in der dreisprachigen Internetdatenbank befinden, so dass schließlich eine Datenbank mit rund 1500 Karikaturen aus dem Zeitraum 1855 bis 1905 der internationalen Gemeinschaft der Forscher und alle Interessierten frei zugänglich sein soll. Das Projekt basiert auf der Überzeugung, das japanische Holzschnitte (ukiyo`e) eine äußerst wichtige, aber noch kaum hinreichend erforschte Quelle für das Studium der Geschichte des Volkes während der Edo-Zeit sind. Da Holzschnitte ein rein kommerzielles Produkt für einen Markt waren, auf dem sich viele Anbieter konkurrierten, hatten sich die Hersteller an den Vorlieben und Interessen der potentiellen Käufer zu orientieren. Durch ein sorgfältiges Studium der Erfolge und Misserfolge einzelner Holzschnitte, Designer und Verleger sollten wir in die Lage kommen, auf indirektem Wege Einsichten in das Denken der zeitgenössischen Konsumenten von ukiyo`e vom 17. bis ins 19. Jahrhundert zu bekommen. Das eingereichte Projekt versteht sich solcherart als Beitrag zur Mentalitätengeschichte der bürgerlichen Stadtbewohner (chonin) von Edo (Tokyo). Während des letzten Abschnitts der ukiyo`e-Produktion ab den 1840er Jahren nach der Tenpo-Reform und den Einschränkungen, die sie über die Welt der ukiyo`e gebracht hatte, kam es zu einem paradigmatischen Wandel bei den Darstellungen: Bilder von Kurtisanen und Schauspielern, die bis 1842, als sie verboten wurden, die beliebtesten Motive gewesen waren, wurden nie wieder so beliebt. Andererseits hatten die Verbote des bakufu bewirkt, dass vermehrt satirische Bilder produziert wurden, und diese blieben auch nach der Lockerung der strengen Regierungsmaßnahmen in den 1850er und 1860er Jahren beliebt, genauso wie während der anschließenden Meiji- Periode (1868-1912). Während des Sino-japanischen Krieges von 1894/95 und des Russisch-Japanischen Krieges von 1904/05 wurde zahlreiche xenophobe Holzschnitte veröffentlicht, die den jeweiligen Feind heruntermachten, aber nach 1905 hörte das Genre zu existieren auf, weil Zeitungen und Zeitschriften seine Funktion übernommen hatten. Die Datenbank versucht sämtliche satirischen und komischen Bilder, die zwischen 1842 und 1905 kommerziell publiziert wurden, zusammenzufassen, damit dieser paradigmatische Wandel sichtbar wird. Erotische Drucke, die nur heimlich vertrieben wurden, und Privatdrucke (surimono) werden nicht berücksichtigt. Eines der größten methodologischen Probleme ist die Frage, was unter `Karikaturen` zu verstehen ist. Wir verwenden eine breite Definition und verstehen darunter alle Bilder aus dieser Periode, die sich über irgendetwas lustig machen, sowohl direkt als auch indirekt. Die Arbeit und die Forschung in diesem Projekt bestehen aus: 1. der Suche nach Bildern in privaten und öffentlichen Sammlungen weltweit; 2. der Analyse der Bilder nach den herkömmlichen Methoden: Datieren des Bildes, Bestimmen der Signatur, der Zensorensiegel, des Verlegerlogos und Lesen des Textes; 3. der Interpretation der Bilder; 4. der Übersetzung der Texte und Interpretationen ins Deutsche und Englische; 5. (bei Bildern aus einer Serie) dem Zusammenstellen aller Bilder einer Serie; 6. dem Bereitstellen der Resultate in der Internet-Datenbank für den allgemeinen Gebrauch.

Japanische Ukiyoe, Bilder der fließenden Welt der städtischen Bürger, können im Westen seit der ersten Hälfte des 19. Jhdt.s auf eine lange Geschichte der begeisterten Rezeption verweisen. Diese Rezeption konzentrierte sich auf Farbholzschnitte (nishikie) von Schönheiten, Schauspielern, Kriegern und Landschaften, für welche Künstlernamen wie Utamaro, Sharaku, Kuniyoshi und Hiroshige repräsentativ sind. Andere Ukiyoe-Genres wie Buchillustrationen, mit der Ausnahme von Hokusais Manga, und Ukiyoe-Gemälde erhielten nie diese Aufmerksamkeit, die den erwähnten Holzschnitten zu Teil wurde, die einen erheblichen Einfluss auf die französischen Impressionisten oder Künstler wie Jawlensky oder Klimt ausübten. In seiner eingehenden Studie des Ken-Spiels, für welche Ukiyoe-Holzschnitte eine wichtige Quelle darstellten, wurde dem Projektleiter die einseitige Rezeption dieser Holzschnitte bewusst. Humoristische Bilder und Karikaturen gesellschaftlicher und politischer Zustände, die vor allem nach 1842, dem Beginn der repressiven Tenpo-Reformen, florierten und oft sogar die anderen Genres an Beliebtheit übertrafen, wurden hingegen kaum rezipiert. Das nunmehr abgeschlossene Projekt, ein Folge-Projekt zum Projekt Datenbank von Ukiyoe- Karikaturen 1842 - 1855, das von 2004 bis 2007 bearbeitet wurde (P 16503-G06), versucht den spektakulären Wandel im Interesse der Ukiyoe-Holzschnitt-Konsumenten in Japan in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu dokumentieren. Es beschreibt und analysiert mehr als 1500 Holzschnitte in den drei Sprachen Deutsch, Englisch und Japanisch. Die auf den Holzschnitten oft reichlich vorhandenen Texte in Handschrift wurden transkribiert und übersetzt, und bei allen Bildern wurde versucht, ihre ursprüngliche Intention zu interpretieren. Die wichtigsten Ergebnisse des Projekts lassen sich wie folgt zusammenfassen: 1. Es existieren aus der ca. 60 Jahre umfassenden Periode, die behandelt wurde, viele tausend Karikaturen und humoristische Bilder, viel mehr als die Gutachter bei der Projekteinreichung aber auch der Projektleiter selbst ahnten. Das bedeutet, dass ab den 1840er Jahren bei den Konsumenten der Ukiyoe-Holzschnitte, den städtischen Bürgern, eine Schicht, die bisher als politisch apathisch eingestuft wurde, ein gesteigertes Interesse an gesellschaftlichen und politischen Fragen vorhanden gewesen sein muss. Die Ergebnisse dieses Projekts scheinen daher wichtig für eine Neuinterpretation des politischen Bewusstseins der japanischen Stadtbürger in den Jahren vor und nach der Meiji- Restauration. 2. Durch eine sorgfältige Dokumentation, Beschreibung und Analyse von mehr als 1500 Holzschnittkarikaturen bietet die für jedermann zugängliche Datenbank Historikern und Kunsthistorikern, aber auch Ukiyoe-Sammlern und Händlern relativ sichere Daten über Holzschnitte, deren Bedeutung bisher meist im Dunklen geblieben waren.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Wien - 100%

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