Sexuell selektierter Infantizid beim Braunbären
Sexually selected infanticide in brown bears
Wissenschaftsdisziplinen
Biologie (100%)
Keywords
-
Sexually Selected Infanticide,
Brown Bear,
Trophy Hunting,
Management
Sexuell selektierter Infantizid (SSI) ist wenn Männchen Jungtiere, aber nicht die eigenen Nachkommen töten um sich mit der Mutter zu paaren. SSI wurde vor allem bei sozialen Tierarten wie Primaten oder Löwen nachgewiesen, allerdings könnte dieses Verhalten bei nicht-sozialen Tieren in einer anderen Form vorliegen. Die vorliegende Studie basiert auf der SSI-Hypothese, dem indirekten Einfluss der Trophäenjagd auf SSI und den daraus resultierenden Auswirkungen auf die Populationsdynamik. Als Studienobjekt dient der Braunbär, weil es sehr überzeugende Hinweise für SSI bei dieser nicht-sozialen Tierart gibt. Es liegen auch konkrete Hinweise vor dass SSI mit Trophäenjagd auf Braunbären im Zusammenhang steht. Trotzdem ist SSI, der Mechanismus der dieses Verhalten auslöst und vor allem ob dieses Verhalten durch Menschen beeinflusst wird und ob man im Management darauf Rücksicht nehmen sollte, unter Forschern und Wildtiermanagern heftig umstritten. Die Ziele dieser Studie sind 1) schlüssig nachzuweisen dass SSI bei Braunbären vorkommt und dieses Verhalten zu dokumentieren; 2) den Einfluss von SSI auf die Fortpflanzung von Bärenweibchen und -männchen zu evaluieren; 3) den Einfluss von Trophäenjagd auf SSI zu quantifizieren und die Konsequenzen für die Populationsentwicklung zu modellieren; 4) den Effekt von Präsenz/Absenz von dominanten/wichtigen Individuen in vor allem kleinen Bärenpopulationen und die daraus resultierende Konsequenzen für das Populationsmanagement zu evaluieren. Die Methode dieser Studie stützt sich auf GPS-GSM Halsbandsender, genetische Vaterschaftsanalysen, und auf einen langjährigen Individuen- basierten Datensatz. Der Projektantragsteller wird mit dem Skandinavischen Braunbärenprojekt (SBBP) kooperieren. Das SBBP hat gegenwärtig ~70 Individuen in einem Untersuchungsgebiet besendert, davon sind 15 mit GPS-GSM Sendern versehen. Durch ein Aufstocken der GPS-GSM Sender können genau die Bewegungen sowie die räumlichen, zeitlichen und sozialen Beziehungen der Tiere untereinander festgestellt werden. Folgende Kooperation wurde mit dem SBBP vereinbart; das SBBP 1) gewährt vollen Einblick und Nutzung des Datensatzes; 2) finanziert die Analyse des gesamten genetischen Materials; 3) finanziert die Bezahlung der Bärenfangteams; 4) finanziert eine Empfangsstation für die GPS-GSM Daten und die für die GPS-GSM-Sender benötigten SIM- Karten. Der Projektantragsteller stellt folgendes zur Verfügung: 1) Finanzierung der Fangkosten sowie der für diese Studie benötigten GSP-GSM Halsbandsender; 2) Finanzierung der Kosten der SMS-Übertragung; 3) Finanzierung eines Doktoranden als Hilfe zur Ausführung der Studie. Alle Daten werden im Rahmen dieser Kooperation gemeinsam ausgewertet und publiziert. Diese Studie ist eine einzigartige Möglichkeit Infantizid, dessen Evolution und Mechanismen bei einer nicht soziallebenden Tierart in freier Wildbahn zu untersuchen. Das Verständnis dieses Verhaltens, der Einfluss der Jagd und die daraus resultierenden Einflüsse auf Reproduktion und Populationsdynamik sind von großer Bedeutung für das Management und Erhaltung der Art. Aber es gibt auch wichtige ethische Überlegungen. Die heutige Gesellschaft erwartet von Wildtiermanagern dass diese wissen wie sich Menschen und Jagd auf Tiere auswirken. Die Jagd hat nicht nur Auswirkungen auf Ökologie und das Verhalten einer Tierart, aber es gibt sogar Hinweise darauf dass Jagd einen evolutiven Einfluss hat. Daher gibt dieses Forschungsvorhaben auch Antworten von zukunftsweisender Bedeutung.
Das Paarungssystem einer Art ist ein Produkt der sexuellen Selektion und der spezifischen Umweltbedingungen. Weil Reproduktion eine der wichtigsten evolutiven Kräfte ist, ist das Verstehen des Paarungsystemes einer Art Voraussetzung für deren Ökologie und Verhalten, aber auch auschlaggebend für das Management und die Erhaltung dieser Art. Im Rahmen dieses Projektes haben wir das Paarungssytem des Braunbären (Ursus arctos) näher untersucht.Infantizid, das Töten von Jungtieren der eignen Art, kann unter drei Bedingungen eine männliche Fortpflanzungsstrategie sein: i) der Mörder tötet nicht seine eigenen Nachkommen; ii) die Mutter des toten Nachwuchses kommt früher in den Östrus als wenn ihr Nachwuchs nicht getötet worden wäre; der Mörder hat eine hohe Wahrscheinlichkeit der Vater der nächsten Nachkommen des Muttertieres zu sein welches davor ihr Jungen durch Infantizid verloren hatte. In dieser Studie fokussieren wir besonders auf die zweite Bedingung der sexuell selektierten Infantizid Theorie (SSI).Wir fanden starke Hinweise für die zweite Bedingung der SSI Theorie; verhaltensbiologische und endokrinologische Daten zeigen dass weibliche Bären sehr rasch (1-2 Tage) nach Jungenverlust in den Östrus kommen. Der Großteil (92%) der Weibchen kamen in den Östrus nach dem Jungenverlust in der Paarungssaison, paarten sich, und gebaren einen neuen Wurf im nächsten Winter. Jungenverlust während der Paarungssaison verkürzte den Zeitraum zwischen zwei Würfen um ca. 50%, woraus sich ein signifikanter Fortpflanzungsvorteil für Männchen ergibt.Im Verlauf der Studie von 2009-2011 fanden wir 8 Fälle von Infantizid, 3 Fälle von versuchtem Infantizid, und 1 Fall von Jungenverlust aus unbekannten Ursachen. Die Muster aller dieser Fälle deuten auf SSI als Todesursache hin. Alle Fälle fanden während der Paarungszeit statt, und in allen Fällen waren adulte Männchen involviert. Der Jungenverlust während der Paarungszeit betrug durchschnittlich 33%, und 92% aller Jungtiere starben durch Infantizid. Preliminäre genetische Daten stützen die Bedingung, dass Männchen niemals ihre eigenen Jungen töten, und dass sie der Vater der nächsten Nachkommen des Weibchens sind (Bedingung eins und drei der SSI Theorie).Wir untersuchten die Selektion von Habitatressourcen von unterschiedlichen Bärenklassen. Weibchen mit Jungen versuchten durch bewusste Wahl der Habitatressourcen andere Bärenklassen (vor allem adulte Männchen) währen der Paarungszeit räumlich und zeitlich zu vermeiden. Zum Beispiel hielten sich Weibchen mit Jungen zur Paarungszeit in Gebieten relativ nahe zu Menschen auf, vermieden Forststraßen, und umgingen dichte Vegetation und unübersichtliches Gelände. Adulte Männchen bevorzugten zur Paarungszeit Gebiete in der Nähe von Forststraßen, aber umgingen menschliche Siedlungen, und hielten sich vor allem in unübersichtlichem Gelände mit dichter Vegetation auf. Nach der Paarungszeit veränderten Weibchen mit Jungen ihre Habitatpräferenzen, und bevorzugten die gleichen Habitattypen wie die anderen Bärenklassen, zum Beispiel umgingen sie menschliche Siedlungen, und hielten sich bevorzugt in unübersichtlichen Gelände mit dichter Vegetation auf. Unsere Ergebnisse zeigen dass die Habitatwahl von Weibchen mit Jungen am besten durch die SSI Theorie erklärt werden kann. Die Habitatwahl von Weibchen mit Jungen während der Paarungszeit war mit Kosten für das Weibchen verbunden, da die während dieser Zeit bevorzugten Habitattypen Nahrungsressourcen von niedriger Qualität hatten als die andern Habitattypen.
- Jon Swenson, Norwegian University of Life Sciences (NMBU) - Norwegen
Research Output
- 772 Zitationen
- 25 Publikationen
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2013
Titel Detection of pregnancy in a hibernator based on activity data DOI 10.1007/s10344-013-0728-5 Typ Journal Article Autor Friebe A Journal European Journal of Wildlife Research Seiten 731-741 -
2012
Titel Effects of different doses of medetomidine and tiletamine–zolazepam on the duration of induction and immobilization in free-ranging yearling brown bears (Ursus arctos) DOI 10.1139/z2012-046 Typ Journal Article Autor Painer J Journal Canadian Journal of Zoology Seiten 753-757 -
2012
Titel Faecal spectroscopy: a practical tool to assess diet quality in an opportunistic omnivore DOI 10.2981/12-036 Typ Journal Article Autor Steyaert S Journal Wildlife Biology Seiten 431-438 Link Publikation -
2012
Titel The influence of the regulation protecting families of brown bears from hunting for the bear population in Sweden. Typ Journal Article Autor Swenson Je Et Al Journal Report No. 2012:3 from the Scandinavian Brown Bear Research Project to the Swedish Environmental Protection Agency -
2015
Titel The relative importance of direct and indirect effects of hunting mortality on the population dynamics of brown bears DOI 10.1098/rspb.2014.1840 Typ Journal Article Autor Gosselin J Journal Proceedings of the Royal Society B: Biological Sciences Seiten 20141840 Link Publikation -
2012
Titel Habitat selection for regenerating clear-cut forests by brown bears: A comparative analysis between Alberta and Sweden. Typ Journal Article Autor Nielsen Sc Journal Report for Alberta Innovations-Biosolutions -
2011
Titel Causes of mortality among Swedish mortality, especially illegal killing, brown bears, 1984-2010. Typ Journal Article Autor Segerström P Et Al Journal Report 2011-3 from the Scandinavian Brown Bear Research Project to World Wide Fund for Nature -
2011
Titel Evaluation of long-term stress in distant and diverse populations of brown bears based on the determination of hair cortisol concentration. Typ Journal Article Autor Cattet M Journal Report for Alberta Innovations-Biosolutions -
2011
Titel The mating system of the brown bear Ursus arctos DOI 10.1111/j.1365-2907.2011.00184.x Typ Journal Article Autor Steyaert S Journal Mammal Review Seiten 12-34 -
2015
Titel Den entry behavior in Scandinavian brown bears: Implications for preventing human injuries DOI 10.1002/jwmg.822 Typ Journal Article Autor Sahlén V Journal The Journal of Wildlife Management Seiten 274-287 Link Publikation -
2012
Titel Subadult brown bears (Ursus arctos) discriminate between unfamiliar adult male and female anal gland secretion DOI 10.1016/j.mambio.2012.05.003 Typ Journal Article Autor Jojola S Journal Mammalian Biology Seiten 363-368 -
2012
Titel Advancements in the development of hair cortisol concentration as an indicator of long-term stress in brown bears. Typ Journal Article Autor Cattet M Journal Report for Alberta Innovations-Biosolutions -
2012
Titel Litter reductions reveal a trade-off between offspring size and number in brown bears DOI 10.1007/s00265-012-1350-3 Typ Journal Article Autor Gonzalez O Journal Behavioral Ecology and Sociobiology Seiten 1025-1032 -
2009
Titel L'infanticide à des fin de reproduction. Typ Journal Article Autor Zedrosser A Journal Chasse et nature -
2009
Titel Internal hydrocephalus combined with pachygyria in a wild-born brown bear cub DOI 10.1007/s10344-009-0282-3 Typ Journal Article Autor Kübber-Heiss A Journal European Journal of Wildlife Research Seiten 539-542 -
2009
Titel A Note on Opportunism and Parsimony in Data Collection DOI 10.2193/2008-509 Typ Journal Article Autor Bischof R Journal The Journal of Wildlife Management Seiten 1021-1024 -
2009
Titel Primiparity, litter size and litter survival in a species with sexually selected infanticide, the brown bear. Typ Journal Article Autor Swenson Je Et Al -
2008
Titel Movement patterns and seasonal home range overlaps as an indicator of mating strategies in male and female brown bears (Ursus arctos). Typ Journal Article Autor Spaedtke H Journal Mammalian Biology, (Special Issue) -
2010
Titel Brown bears possess anal sacs and secretions may code for sex DOI 10.1111/j.1469-7998.2010.00754.x Typ Journal Article Autor Rosell F Journal Journal of Zoology Seiten 143-152 -
2014
Titel Litter loss triggers estrus in a nonsocial seasonal breeder DOI 10.1002/ece3.935 Typ Journal Article Autor Steyaert S Journal Ecology and Evolution Seiten 300-310 Link Publikation -
2014
Titel Factors Affecting Date of Implantation, Parturition, and Den Entry Estimated from Activity and Body Temperature in Free-Ranging Brown Bears DOI 10.1371/journal.pone.0101410 Typ Journal Article Autor Friebe A Journal PLoS ONE Link Publikation -
2013
Titel Male reproductive strategy explains spatiotemporal segregation in brown bears DOI 10.1111/1365-2656.12055 Typ Journal Article Autor Steyaert S Journal Journal of Animal Ecology Seiten 836-845 Link Publikation -
2013
Titel Determinants of lifetime reproduction in female brown bears: early body mass, longevity, and hunting regulations DOI 10.1890/12-0229.1 Typ Journal Article Autor Zedrosser A Journal Ecology Seiten 231-240 Link Publikation -
2011
Titel Brown bear conservation and the ghost of persecution past DOI 10.1016/j.biocon.2011.05.005 Typ Journal Article Autor Zedrosser A Journal Biological Conservation Seiten 2163-2170 -
2011
Titel Resource selection by sympatric free-ranging dairy cattle and brown bears Ursus arctos DOI 10.2981/11-004 Typ Journal Article Autor Steyaert S Journal Wildlife Biology Seiten 389-403 Link Publikation