Mentale Wahrscheinlichkeitslogik
Mental Probability Logic
Wissenschaftsdisziplinen
Informatik (10%); Mathematik (20%); Psychologie (70%)
Keywords
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Human reasoning,
Competence model,
Defeasible reasoning,
Probability logic,
Coherence,
Interval probabilities
Im Projekt wird meine Arbeit zur Entwicklung der "Mentalen Wahrscheinlichkeitslogik" fortgesetzt. Sie wird als eine neue psychologische Kompetenztheorie Theorie menschlichen Schließens entwickelt, die besonders unsichere und revidierbare Schlüsse berücksichtigt. Die Theorie postuliert, dass Menschen natürlichsprachliche "wenn-dann" Konstruktionen als hohe bedingte Wahrscheinlichkeiten interpretieren. Schlussfolgerndes Denken basiert auf der Anwendung von probabilistischen Schlussregeln, wie beispielsweise dem Probabilistische Modus Ponens. Die Rationalität menschlicher Schlussfolgerungen wird anhand von "Kohärenz" - der Grundbegriff der subjektiven Wahrscheinlichkeitstheorie - bewertet. Neben der Entwicklung der Theorie werden zehn psychologische Experimente zur empirischen Untersuchung der Vorhersagen der Mentalen Wahrscheinlichkeitslogik durchgeführt. Eine Reihe von prominenten Argument-Formen, sowie ein grundlegendes und zentrales System des "defeasible reasoning" werden empirisch untersucht.
Wie ziehen Menschen Schlussfolgerungen aus unsicheren und unvollständigen Annahmen? Was bedeutet Rationalität beim Schließen unter Unsicherheit? Beide Fragen wurden in einem wahrscheinlichkeitslogischen Rahmen nachgegangen. Wahrscheinlichkeitslogik untersucht wie Schlüsse aus unsicheren und unvollständigen Annahmen gezogen werden können. Die Konklusionswahrscheinlichkeiten liegen üblicherweise zwischen einer unteren und einer oberen Wahrscheinlichkeitsgrenze. Manchmal ist es nicht möglich aus den verfügbaren Annahmen Schlüsse zu ziehen: dann ist jeder Wahrscheinlichkeitswert aus dem Einheitsintervall zulässig. Aus den Wahrscheinlichkeiten, die Versuchspersonen in Experimenten angeben, lässt sich schließen, wie Menschen das Aufgabenmaterial verstehen und insbesondere wie Konditionale (Wenndann Sätze) interpretiert werden. Konditionale werden in der Psychologie und unabhängig davon in der Philosophie erforscht. Das Projekt nützte psychologische und philosophische Ansätze um neue theoretische und empirische Evidenz dafür zu entwickeln, dass unsichere Konditionale am besten als bedingte Wahrscheinlichkeiten aufzufassen sind. Viele Argumentformen wurden im Projekt zum ersten Mal empirisch untersucht: Die Ergebnisse zeigen, dass menschliche Schlussfolgerungen grundlegende Rationalitätsprinzipien welche das Zurückziehen von Konklusionen im Lichte neuer Evidenz regeln erfüllen. Weiters wurden im Projekt erstmals Interpretationsänderungen festgestellt: Während rund die Hälfte der Versuchspersonen bedingte Wahrscheinlichkeiten am Anfang der jeweiligen Experimente angeben, antworten fast alle am Ende mit bedingten Wahrscheinlichkeiten. Pionierarbeit wurde auch bei experimentellen Arbeiten zu Paradoxien des materialen Konditionals geleistet. Hier konnten neue Erklärungen dafür entwickelt werden, warum Menschen diese Paradoxien ablehnen, was wiederum für die bedingte Wahrscheinlichkeitsinterpretation spricht. Wie Menschen Konditionale negieren, wurde im Projekt im Rahmen der jungen Experimentellen Philosophie Bewegung untersucht. Weiters wurde die Rationalität klassischer Trugschlüsse beim Argumentieren unter Unsicherheit wahrscheinlichkeitstheoretisch erklärt sowie ein neues Argumentstärke-Maß entwickelt. All diese Arbeiten bilden die Grundpfeiler einer neuen Kompetenztheorie menschlichen Schließens, welche Mentale Wahrscheinlichkeitslogik (MWL) genannt wird. MWL leistet wichtige Arbeit an der Forschungsfront der aktuellen Psychologie des schlussfolgernden Denkens. Weiters konnten im Projekt grundlegende interdisziplinäre Bezüge hergestellt werden: Philosophie (formale und naturalisierte Erkenntnistheorie), Mathematik (Wahrscheinlichkeitstheorie) und Kognitionswissenschaft (Modellierung von unsicherem Schließen). Ergebnisse des Projekts wurden in 14 Artikeln und 37 Tagungsbeiträgen (davon waren 19 eingeladen) publiziert. Im Rahmen des Projekts wurden eine Doktorarbeit und drei Magisterarbeiten abgeschlossen. Die Projekthauptergebnisse zählen zur Grundlagenforschung. Die gewonnenen Erkenntnisse können in Schulungen zum Umgang mit unsicherem Wissen in verschiedensten Gebieten wie Medizin, Wirtschaft, Erziehung, Recht, Wissenschaft oder Politik umgesetzt werden.
Research Output
- 443 Zitationen
- 17 Publikationen
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2012
Titel On Argument Strength DOI 10.1007/978-94-007-5357-0_10 Typ Book Chapter Autor Pfeifer N Verlag Springer Nature Seiten 185-193 -
2018
Titel A process model of the understanding of uncertain conditionals DOI 10.1080/13546783.2017.1422542 Typ Journal Article Autor Kleiter G Journal Thinking & Reasoning Seiten 386-422 Link Publikation -
2012
Titel Experiments on Aristotle's Thesis: Towards an Experimental Philosophy of Conditionals DOI 10.5840/monist201295213 Typ Journal Article Autor Pfeifer N Journal The Monist Seiten 223-240 -
2011
Titel How People Interpret Conditionals: Shifts Toward the Conditional Event DOI 10.1037/a0022329 Typ Journal Article Autor Fugard A Journal Journal of Experimental Psychology: Learning, Memory, and Cognition Seiten 635-648 -
2011
Titel Reporting on historical severe storms: Two examples of Utrecht (1674) and Abtenau (1796) DOI 10.1016/j.atmosres.2010.08.007 Typ Journal Article Autor Hauer K Journal Atmospheric Research Seiten 580-585 -
2011
Titel Uncertain deductive reasoning. Typ Journal Article Autor Kleiter Gd Journal K. Manktelow, Over, D. E., and S. Elqayam (Eds.), The science of reason: A Festschrift for Jonathan St B.T. Evans -
2011
Titel Editorial and interview with Wilfrid Hodges. Typ Journal Article Autor Pfeifer N Journal The Reasoner -
2011
Titel Systematic rationality norms provide research roadmaps and clarity. Commentary on Elqayam & Evans: Subtracting "ought" from "is": Descriptivism versus normativism in the study of human thinking. Typ Journal Article Autor Pfeifer N -
2011
Titel Probabilistic theories of reasoning need pragmatics too: Modulating relevance in uncertain conditionals DOI 10.1016/j.pragma.2010.12.009 Typ Journal Article Autor Fugard A Journal Journal of Pragmatics Seiten 2034-2042 -
2010
Titel The conditional in mental probability logic. Typ Book Chapter Autor Oaksford -
2013
Titel Formal Epistemology and the New Paradigm Psychology of Reasoning DOI 10.1007/s13164-013-0165-0 Typ Journal Article Autor Pfeifer N Journal Review of Philosophy and Psychology Seiten 199-221 -
2009
Titel How people interpret an uncertain If. Typ Journal Article Autor Fugard Ajb Journal T. Kroupa & J. Vejnarova (Eds.). Proceedings of the 8th Workshop on Uncertainty Processing, Liblice, CZ. -
2008
Titel A probability logical interpretation of fallacies. Typ Book Chapter Autor G. Kreuzbauer -
2008
Titel ProbNet09: The Logic of Causal and Probabilistic Reasoning in Uncertain Environments. Typ Journal Article Autor Kleiter Gd Et Al Journal 19-23 February (Summary). The Reasoner -
2015
Titel Genome-Wide Localization Study of Yeast Pex11 Identifies Peroxisome–Mitochondria Interactions through the ERMES Complex DOI 10.1016/j.jmb.2015.03.004 Typ Journal Article Autor Ušaj M Journal Journal of Molecular Biology Seiten 2072-2087 Link Publikation -
2009
Titel Framing human inference by coherence based probability logic DOI 10.1016/j.jal.2007.11.005 Typ Journal Article Autor Pfeifer N Journal Journal of Applied Logic Seiten 206-217 Link Publikation -
2009
Titel Mental probability logic DOI 10.1017/s0140525x09000442 Typ Journal Article Autor Pfeifer N Journal Behavioral and Brain Sciences Seiten 98-99