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Der ´Franziszeische Kataster´ (1817) Kärnten/Bukowina

The Austrian land register (1817) Carinthia/Bukowina

Helmut Rumpler (ORCID: 0000-0002-3899-3947)
  • Grant-DOI 10.55776/P20219
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 01.01.2008
  • Projektende 31.03.2011
  • Bewilligungssumme 414.505 €

Wissenschaftsdisziplinen

Geschichte, Archäologie (70%); Humangeographie, Regionale Geographie, Raumplanung (10%); Wirtschaftswissenschaften (20%)

Keywords

    Landesvermessung, Agrarwirtschaft, Bodennutzung, Grundsteuer, Besitzrecht, Demografie

Abstract Endbericht

Der "Franziszeische Kataster" und das Grundsteuerpatent von 1817 sind eine zentrale Quelle für den sozioökonomischen Zustand der Länder Mitteleuropas an der Wende von der Feudalepoche zur bürgerlichen Industriegesellschaft. Der Kataster ist nicht nur ein Spiegelbild dieses Wandels, sondern war selbst ein wesentliches Element der ökonomischen Modernisierung. Der Kataster im engeren Sinn besteht aus mehreren Teilen. Die Hauptstücke sind das "Kartenwerk" und die "Operate" (Parzellenbeschreibungen) und "Schätzungselaborate" (Steuerklassifizierungen). Als Ergebnis der Besitzbeschreibung verzeichnet der Kataster sämtliche Grundbesitzer der Katastralgemeinde mit ihrem Beruf bzw. Stand und den Nummern der ihnen gehörenden Parzellen. Dieses Verzeichnis allein ist, trotz aller Unschärfen, eine unschätzbare sozialgeschichtliche Quelle. Als lokalgeschichtliche Quelle zwar vielfach bearbeitet, findet der vielgestaltige und daher schwer auszuwertende Quellenkomplex in den Gesamtdarstellungen zur Österreichischen Verwaltungs-, Wirtschafts- und Sozialgeschichte bis dato kaum eine angemessene Berücksichtigung. Die editorische Erschließung des Katasters - für die Karten in einer elektronischen Fassung , für die Akten in einer traditionellen Edition - als Quelle für flächendeckende und vergleichende Studien würde der Forschung mit einer mitteleuropäischen Perspektive neue Impulse verleihen. Die Wahl eines Projektes mit zwei Themen und zwei Teams, verbunden mit dem zusätzlichen, aber methodisch und sachlich gewinnbringenden Arbeitsaufwand der Koordination resultiert aus dem Anspruch, eine Pilotstudie zu erarbeiten, in deren Rahmen geprüft und realisiert werden soll, was auch für andere Kronländer der Habsburgermonarchie Anwendung finden kann. Zielsetzung ist zunächst die Ausarbeitung der Editionsprinzipien für Karten und Operate nach einem einheitlichen Konzept. Damit soll aber nur die notwendige und bis heute nicht zur Verfügung stehende Grundlage geschaffen werden für eine Auswertung in monografischer Form unter dem Leitthema: "Der gesellschaftlich-ökonomische Wandel von der Grundherrschaft zum Steuerbezirk" mit folgenden Inhalten: administrative und politische Rahmenbedingungen (technische und administrative Durchführung der Katasterarbeit), Sozialstruktur der mittel- und ostmitteleuropäischen Agrargesellschaft um 1800, Topografie der Kulturlandschaft, Bodenertrag und Steuerleistung, Agrargesellschaft und Frühindustrialisierung.

Der Franziszeische Kataster als Kartenwerk und als Agrarstatistik war auch im europäischen Vergleich eine einmalige Kulturleistung und logistische Großtat. Ihn zu rekonstruieren und für weiterführende Forschung zugänglich zu machen, ist ein wesentlicher Beitrag zur "Entdeckung des Donauraumes". Diesem Ziel diente das 2010 abgeschlossene Startprojekt der Edition der Katastralgemeinden Kärntens und der Bukowina. Die archivalische Überlieferung ist, wie zu erwarten war, sehr unterschiedlich. Für Kärnten ist alles, auch über den Agrarbereich hinaus, dokumentiert. Das bedeutet im Hinblick auf die Forschungsperspektive, dass die Startbedingungen der "Agrarrevolution" und die Bedingungen für die "Industrielle Revolution" erschöpfend sichtbar gemacht werden können. Für die Bukowina sind die Mappen zwar lückenlos erhalten, die Statistik ist aber dünn, wobei unklar ist, ob schon bei der zeitlich spät einsetzenden Spezialaufnahme nur Generalsummen für die Steuerbezirke erstellt wurden, oder ob die besitzrechtlich irrelevanten Akten von den oft wechselnden Folgeregimen skartiert wurden. Zu beachten ist, dass in der Bukowina die Katastralschätzung zwar durchgeführt wurde, aber aufgrund des Widerstandes der Großgrundbesitzer im Landesausschuss und im Galizischen Landtag das beabsichtigte Endziel einer gerechten Grundsteuerbemessung zu Fall gebracht wurde. Als wissenschaftlich relevantes Ergebnis liegt in digitaler Form die Edition der zu Katastralgemeinden zusammengefügten Mappenblätter vor, gekoppelt mit einer jeder Katastralgemeindekarte beigefügten, die ökonomischen und organisatorischen Grunddaten ausweisenden "Kleinen Datenbank". Die kartographische Darstellung der Printversion zeigt die verschiedenen Kategorien der Kulturlandschaft (Acker, Garten, Wiese, Weide, Wald, Ödland). Die auf der Homepage des Projektes (www.franziszeischerkataster.at) abrufbare digitale Fassung liefert die Abbildung bis auf die Ebene der Grundparzellen mit den Verweisen auf die Besitzer. Die jeder Karte beigefügten Grunddaten ermöglichen einen ersten Einstieg in die Diskussion größerer Strukturfragen der ökonomischen und sozialen Probleme wie Kulturkosten, Wirtschaftsertrag und Steuerbemessung. Über die Struktur und Aussagekraft des Archivgutes informiert eine aktenkundliche und kartographische Untersuchung. Obwohl mit der Rückkehr zum "Provisorium" der josephinisch-leopoldinischen Steuerrektifikation die Lösung der Grundsteuerfrage vertagt wurde, war die Parzellenvermessung, Eigentumsbestimmung, Ertragsschätzung und provisorische Steuerschätzung doch eine wichtige Voraussetzung für die 1848 beschlossene Grundentlastung. Der Franziszeische Kataster bildete die besitzrechtliche und emotionale Grundlage für die Entstehung des modernen Bauerntums noch vor der Grundentlastung. Der Anstoß zur Eigenbewirtschaftung sowohl der Bauern wie der Grundherrschaften war eine der Ausgangsbedingungen für die "Agrarrevolution", der Agrarsektor wurde damit ein Teil der kapitalistisch-bürgerlichen Wirtschaftsform. Im weiteren historischen Zusammenhang bildete das Katasterwerk ein zentrales Element der vom Finanzminister Philipp Stadion und seinem Mitarbeiterkreis getragenen und von Metternich geförderten inneren Staatsreform im Kontext von ABGB (1811), Nationalbank (1816), Tafeln zur Statistik (1818) und Erster Österreichischen Sparkasse (1819). Die trotz Wiener Kongress und Heiliger Allianz ausbrechenden internationalen Konflikte und die damit wieder erstarkende ständisch- föderalistische Opposition haben einen unmittelbaren Erfolg zwar verzögertt, allerdings die Wende von der feudalen zur bürgerlichen Gesellschafts- und Wirtschaftsordnung nicht verhindern können.

Forschungsstätte(n)
  • Universität Innsbruck - 30%
  • Universität Klagenfurt - 70%
Nationale Projektbeteiligte
  • Johann Stötter, Universität Innsbruck , assoziierte:r Forschungspartner:in

Research Output

  • 127 Zitationen
  • 3 Publikationen
Publikationen
  • 2009
    Titel Synthesis and biological evaluation of a des-dihydropyran laulimalide analog
    DOI 10.1016/j.tetlet.2009.07.122
    Typ Journal Article
    Autor Gollner A
    Journal Tetrahedron Letters
    Seiten 5790-5792
  • 2009
    Titel The Laulimalide Family: Total Synthesis and Biological Evaluation of Neolaulimalide, Isolaulimalide, Laulimalide and a Nonnatural Analogue
    DOI 10.1002/chem.200802605
    Typ Journal Article
    Autor Gollner A
    Journal Chemistry – A European Journal
    Seiten 5979-5997
    Link Publikation
  • 2008
    Titel Total Synthesis of Neolaulimalide and Isolaulimalide
    DOI 10.1021/ol802075v
    Typ Journal Article
    Autor Gollner A
    Journal Organic Letters
    Seiten 4701-4704

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