Metareferenz - ein transmediales Phänomen
Metareference - a Transmedial Phenomenon
Wissenschaftsdisziplinen
Kunstwissenschaften (60%); Sprach- und Literaturwissenschaften (40%)
Keywords
-
Self-Reference/Metafiction,
Music,
Intermediality,
Arts,
Literature,
Film
Die Analyse von Metaphänomenen in den Künsten und Medien war trotz ihrer weiten Verbreitung in diesen bisher zumeist auf die Literatur, besonders die seit den 1970er Jahren sog. `Metafiktion` beschränkt. Dabei wurde ein differenziertes, wenn auch keineswegs einheitliches oder abgeschlossenes analytisches Konzeptarsenal entwickelt, das in vielfältiger (u.a. rezeptions-theoretischer und funktionsgeschichtlicher) Weise Verwendung fand. Zu Brückenschlägen zwi-schen dieser Erforschung literarischer Metaphänomene und analoger Erscheinungen in anderen Medien kam es indes bisher kaum. Das transmedial ausgerichtete Projekt dient einer Ausbalancierung dieser Einseitigkeit und soll die Möglichkeiten einer Adaptation der literarischen Metafiktionsforschung auf die Analyse anderer Medien ausloten sowie in einem Rückkoppelungsprozeß auch literarische Metaphänomene in einem neuen Licht erscheinen lassen. Dabei soll in einem ersten Schritt eine Rekonzeptualisierung von `Metafiktion` auf semiotischer und kognitiver Basis erfolgen, so daß dieses Konzept transmedial einsetzbar wird. Hierauf aufbauend sollen sodann einzelne Medien hinsichtlich ihrer Metaisierungsfähigkeit vergleichend untersucht werden (v.a. Literatur, bildende Kunst, Film und Musik - wobei die bisher kaum erforschten Metaisierungsmöglichkeiten von [Instrumental-]Musik ein besonderes Innovationspotential bergen). In einem dritten Schritt sollen die systematisch gewonnenen Erkenntnisse für eine - künftig um weitere zu ergänzende - Fallstudie verwendet werden: die Postmoderne, in der Metaisierung geradezu ubiquitär geworden ist.
So heterogen Werke wie Cervantes Roman Don Quijote, Shakespeares Komödie A Midsummer Nights Dream, bestimmte Gemälde von Magritte, ferner Woody Allens Film The Purple Rose of Cairo oder auch Mozarts Sextett Ein musikalischer Spaß (KV 522) auf den ersten Blick wirken mögen alle weisen sie ein gemeinsames Merkmal auf: Sie besitzen eine mehr oder weniger deutliche Metadimension, d. h. sie beziehen sich auf und kommentieren ihre Natur als Texte oder mediale Artefakte, und damit referieren sie nicht auf Welt (sofern das zutreffen kann), sondern direkt oder indirekt auf sich selbst; sie sind mit anderen Worten metareferentiell. Metareferenz ist ein hochaktuelles Phänomen, das vor allem Literaturwissenschaftlern, meist unter dem Begriff Metafiktion, bekannt ist, mit anderen Medien Beschäftigten indes weniger vertraut sein dürfte. In der Tat wurde Metareferenz bislang am intensivsten im Kontext zeitgenössischer, postmoderner Literatur erforscht, wohingegen analoge Phänomene in anderen Gattungen, Künsten und Medien weit weniger Aufmerksamkeit erfuhren. Das gegenständliche FWF-Projekt zielte nun darauf ab, diese Forschungslücke zu schließen, indem es seiner Anlage nach die Grenzen einzelner Gattungen und Medien überschritt und dadurch Metaphänomene aus einer transmedialen, d. h. medienkomparativen Perspektive beleuchtet wurden, und zwar sowohl aus theoretischer wie kultur-historischer und funktionsgeschichtlicher Sicht.Was die theoretische Dimension von Metareferenz betrifft, war eines der Hauptergebnisse des Projektes, dass, ausgehend von der ursprünglich führenden literarischen Metafiktionsforschung, deren Konzepte erweitert und adaptiert wurden, eine gemeinsame Konzeptualisierung mit differenzierter Terminologie gefunden werden konnte, die sich als geeignet für die erwünschte transmediale Anwendung erwies. Dank des so entstandenen transmedialen und interdisziplinären Beschreibungsdiskurses konnten verwandte Phänomene in verschiedenen Medien präziser in den Blick genommen werden, als dies bislang mit herkömmlicher monomedialer Terminologie und Konzeptualisierung möglich war. Gleichzeitig konnten auf diese Weise erstaunliche Analogien, z. T. aber auch Differenzen zwischen den Medien in Bezug auf die Handhabung von Metareferenz zutage gefördert werden. Ein weiteres wichtiges Ergebnis im Bereich der Kultur- und besonders Mediengeschichte konnte aus der Beleuchtung der unmittelbaren Vergangenheit und Gegenwart (d. h. der letzten ca. 50 Jahre) gewonnen werden: Hier erhellten die im Rahmen transmedialer Metareferenztheorie durchgeführten Analysen eine bemerkenswerte Tendenz, die der Projektleiter als metareferential turn bezeichnete. Es ist in der Tat auffällig, in welch hohem Maß gerade in letzter Zeit Texte und Artefakte aller Art metareflexiv geworden sind, zum Teil bereits so sehr, dass Metareferenz zum Standardrepertoire nicht nur der Hochkunst, sondern auch der kommerziellen Unterhaltungskunst wie z. B. des Spielfilms oder auch von Comics geworden ist. Im Rahmen des Projektes wurden mehrere Gründe für diese neue Entwicklung ins Auge gefasst, u. a. die erhöhte Medienkompetenz heutiger Rezipienten und ihre Auswirkungen auf die Medienproduktion, aber auch langzeitliche evolutionäre Tendenzen in Richtung auf eine steigende Komplexion, Intellektualisierung und damit Selbstreflexion innerhalb medialer Artefakte.
- Universität Graz - 100%
Research Output
- 10 Zitationen
- 15 Publikationen
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2009
Titel Of Museums, Beholders, Artworks and Photography: Metareferential Elements in Thomas Struth's Photographic Projects 'Museum Photography' and 'Making Time'. Typ Book Chapter Autor Bantleon K -
2009
Titel Metareference across Media: Theory and Case Studies - Dedicated to Walter Bernhart on the Occasion of his Retirement. Typ Book Chapter Autor Eds. Studies In Intermediality 4. -
2009
Titel Preface. Typ Book Chapter Autor Metareference Across Media: Theory And Case Studies - Dedicated To Walter Bernhart On The Occasion Of His Retirement. Studies In Intermediality 4. -
2011
Titel The Metareferential Turn in Contemporary Arts and Media: Forms, Functions, Attempts at Explanation. Typ Book Chapter Autor Eds. Studies In Intermediality 5. -
2011
Titel Is There a Metareferential Turn? And If So, How Can One Explain It?. Typ Book Chapter Autor The Metareferential Turn In Contemporary Arts And Media: Forms -
2009
Titel Metareference across Media: The Concept, its Transmedial Potentials and Problems, Main Forms and Functions. Typ Book Chapter Autor Metareference Across Media: Theory And Case Studies - Dedicated To Walter Bernhart On The Occasion Of His Retirement. Studies In Intermediality 4. -
2011
Titel Preface. Typ Book Chapter Autor The Metareferential Turn In Contemporary Arts And Media: Forms -
2011
Titel From Readymade to 'Meta': Metareference in Appropriation Art. Typ Book Chapter Autor Bantleon K -
2011
Titel Metareference in Operatic Performance: The Case of Katharina Wagner's Die Meistersinger von Nürnberg. Typ Book Chapter Autor Bernhart W -
2011
Titel “Some weird kind of video feedback time warp zapping thing”: Television, Remote Controls, and Metalepsis DOI 10.1515/9783110252804.158 Typ Book Chapter Autor Thoss J Verlag De Gruyter Seiten 158-170 -
2011
Titel Unnatural Narrative and Metalepsis: Grant Morrison’s Animal Man DOI 10.1515/9783110229042.189 Typ Book Chapter Autor Thoss J Verlag De Gruyter Seiten 189-209 -
2010
Titel Metamusic? Potentials and Limits of 'Metareference' in Instrumental Music - Theoretical Reflections and a Case Study (Mozart, 'Ein musikalischer Spaß'). Typ Book Chapter Autor Bernhart W -
2010
Titel Christophorus, oder Die Vision einer Oper: Franz Schreker's Opera as a Metareferential Work. Typ Book Chapter Autor Berhnhart W -
2010
Titel Preface. Typ Book Chapter Autor Self-Reference In Literature And Music. Word And Music Studies 11. -
2010
Titel Self-reference in Literature and Music. Typ Book Chapter Autor Eds. Word And Music Studies 11