Nukleosynthese im Labor - Neutroneneinfang an Fe und Ni
Nucleosynthesis in the lab-neutron-capture on Fe and Ni
Wissenschaftsdisziplinen
Physik, Astronomie (100%)
Keywords
-
Nuclear Astrophysics,
Neutron Capture,
S Process,
N_Tof,
Ultra Metal-Poor Stars,
AMS
Das beantragte Projekt hat Präzisionsmessungen der Neutroneneinfangswirkungsquerschnitte von Eisen und Nickel zum Ziel und soll einen wesentlichen Beitrag liefern, um die vor kurzem gefundenen Unstimmigkeiten bei der s- Prozess-Nukleosynthese der Kerne im Massenbereich kleiner A = 120 aufzuklären. Diese Un-stimmigkeiten resultieren aus Ergebnissen jüngster Untersuchungen von r-Prozess-Elementen in ultra metall-armen Sternen. In diesen Sternen skalieren die Häufigkeiten von Elementen schwerer als Barium mit den r-Prozess-Häufigkeiten, die für unser Sonnensystem gefunden wurden. Für Elemente leichter als Barium (A<120) weisen sie hingegen eine systematische Abweichung von etwa 20% auf. Eine ähnliche Unstimmigkeit beobachtet man für reine s-Isotope, im Massenbereich leichter als Barium. Diese Befunde deuten darauf hin, dass die Standardbeschreibung der s-Prozess- Nukleosynthese unvollständig ist. Entweder liegt eine systematische Abweichung der experimentellen Daten vor (hauptsächlich bei den Neutronen-einfangswirkungsquerschnitten), oder es treten weitere, derzeit noch nicht berücksichtigte, Mechanismen auf. Der erste Punkt kann mit Präzisionsmessungen der Neutroneneinfangswirkungsquerschnitte untersucht werden, bei denen die verbesserte Kenntnis von Korrekturen für die Neutronenempfindlichkeit der Detektoren zu einer systematischen Verschiebung der aktuellen Werte führen könnte. Zur Klärung dieser Frage schlagen wir Messungen der Neutroneneinfangswirkungsquerschnitte an 54Fe und 62Ni vor, die sich beide am Beginn des s-Prozess-Pfades befinden. Zur Separation systematischer Fehler sind Experimente mit jeweils zwei unabhängigen Methoden geplant, (1) eine direkte Messung unter Verwendung der Neutronenflugzeitmethode und (2) eine komplementäre Messung unter Verwendung von Neutronenaktivierungsmethode und Beschleunigermassenspektrometrie (AMS). Eine besonders geeignete experimentelle Einrichtung für die direkten Neutroneinfangsmessungen stellt die n_TOF-Anlage am CERN dar, bei der speziell gefertigte C6 D6 Detektoren mit äußerst geringer Neutronenempfindlichkeit sowie ein 4pBaF2 Totalabsorptionskalorimeter zur Verfügung stehen, um Einfangereignisse im Neutronenenergie-bereich zwischen 0.1 und 500keV detektieren zu können. Die Antragsteller sind mit dieser Anlage bestens vertraut, da sie der n_TOF-Kooperation seit ihrem Beginn im Jahr 2000 angehören. Der vorliegende Antrag ist ein wesentlicher Teil des für n_TOF vorgesehenen wissenschaftlichen Programms und wurde bereits vom INTC-Komitee des CERN begutachtet und akzeptiert. Die zugehörigen Experimente sind für die nächste Messserie vorgesehen, welche voraussichtlich 2008 beginnt. Für die Messungen mit der Aktivierungsmethode werden die 54Fe Proben im astrophysikalisch relevanten Energiebereich am 3.7 MV Van de Graaff Beschleuniger des Forschungszentrums Karlsruhe bestrahlt und mit hoher Präzision mittels AMS am VERA-Beschleuniger in Wien analysiert. Unabhängig von diesem Antrag wird eine 62Ni Probe am Forschungs-zentrum Karlsruhe bestrahlt und an der AMS-Anlage in München analysiert werden. Wir erwarten, dass die Kombination der vorgeschlagenen Experimente die zuverlässigsten Werte der Neutroneneinfangs-wirkungsquerschnitte von 54Fe und 62Ni liefert und wesentlich zur Aufklärung der gegenwärtigen Unstimmig-keiten innerhalb des s-Prozesspfades beiträgt. Abseits der astrophysikalischen Relevanz dieser Messungen erhalten wir damit einen präzisen 55Fe Standard für allgemeine AMS-Messungen und stellen Daten zur Verfügung, die für die Materialcharakteristik in neuen Konzepten der Kerntechnik von Interesse sind.
Das beantragte Projekt hat Präzisionsmessungen der Neutroneneinfangswirkungsquerschnitte von Eisen und Nickel zum Ziel und soll einen wesentlichen Beitrag liefern, um die vor kurzem gefundenen Unstimmigkeiten bei der s- Prozess-Nukleosynthese der Kerne im Massenbereich kleiner A = 120 aufzuklären. Diese Un-stimmigkeiten resultieren aus Ergebnissen jüngster Untersuchungen von r-Prozess-Elementen in ultra metall-armen Sternen. In diesen Sternen skalieren die Häufigkeiten von Elementen schwerer als Barium mit den r-Prozess-Häufigkeiten, die für unser Sonnensystem gefunden wurden. Für Elemente leichter als Barium (A<120) weisen sie hingegen eine systematische Abweichung von etwa 20% auf. Eine ähnliche Unstimmigkeit beobachtet man für reine s-Isotope, im Massenbereich leichter als Barium. Diese Befunde deuten darauf hin, dass die Standardbeschreibung der s-Prozess- Nukleosynthese unvollständig ist. Entweder liegt eine systematische Abweichung der experimentellen Daten vor (hauptsächlich bei den Neutronen-einfangswirkungsquerschnitten), oder es treten weitere, derzeit noch nicht berücksichtigte, Mechanismen auf. Der erste Punkt kann mit Präzisionsmessungen der Neutroneneinfangswirkungsquerschnitte untersucht werden, bei denen die verbesserte Kenntnis von Korrekturen für die Neutronenempfindlichkeit der Detektoren zu einer systematischen Verschiebung der aktuellen Werte führen könnte. Zur Klärung dieser Frage schlagen wir Messungen der Neutroneneinfangswirkungsquerschnitte an 54Fe und 62Ni vor, die sich beide am Beginn des s-Prozess-Pfades befinden. Zur Separation systematischer Fehler sind Experimente mit jeweils zwei unabhängigen Methoden geplant, (1) eine direkte Messung unter Verwendung der Neutronenflugzeitmethode und (2) eine komplementäre Messung unter Verwendung von Neutronenaktivierungsmethode und Beschleunigermassenspektrometrie (AMS). Eine besonders geeignete experimentelle Einrichtung für die direkten Neutroneinfangsmessungen stellt die n_TOF-Anlage am CERN dar, bei der speziell gefertigte C6D6 Detektoren mit äußerst geringer Neutronenempfindlichkeit sowie ein 4BaF2 Totalabsorptionskalorimeter zur Verfügung stehen, um Einfangereignisse im Neutronenenergie-bereich zwischen 0.1 und 500keV detektieren zu können. Die Antragsteller sind mit dieser Anlage bestens vertraut, da sie der n_TOF-Kooperation seit ihrem Beginn im Jahr 2000 angehören. Der vorliegende Antrag ist ein wesentlicher Teil des für n_TOF vorgesehenen wissenschaftlichen Programms und wurde bereits vom INTC-Komitee des CERN begutachtet und akzeptiert. Die zugehörigen Experimente sind für die nächste Messserie vorgesehen, welche voraussichtlich 2008 beginnt. Für die Messungen mit der Aktivierungsmethode werden die 54Fe Proben im astrophysikalisch relevanten Energiebereich am 3.7 MV Van de Graaff Beschleuniger des Forschungszentrums Karlsruhe bestrahlt und mit hoher Präzision mittels AMS am VERA-Beschleuniger in Wien analysiert. Unabhängig von diesem Antrag wird eine 62Ni Probe am Forschungs-zentrum Karlsruhe bestrahlt und an der AMS-Anlage in München analysiert werden. Wir erwarten, dass die Kombination der vorgeschlagenen Experimente die zuverlässigsten Werte der Neutroneneinfangs-wirkungsquerschnitte von 54Fe und 62Ni liefert und wesentlich zur Aufklärung der gegenwärtigen Unstimmig-keiten innerhalb des s-Prozesspfades beiträgt. Abseits der astrophysikalischen Relevanz dieser Messungen erhalten wir damit einen präzisen 55Fe Standard für allgemeine AMS-Messungen und stellen Daten zur Verfügung, die für die Materialcharakteristik in neuen Konzepten der Kerntechnik von Interesse sind.
- Universität Wien - 100%
- Andreas Pavlik, assoziierte:r Forschungspartner:in
- Christoph Heil, Gesellschaft für Schwerionenforschung mbH - Deutschland
- Franz Käppeler, Universität Karlsruhe - Deutschland
- Luis Tain, Departamento de Informática de Sistemas y Computadores - Spanien
Research Output
- 305 Zitationen
- 8 Publikationen
-
2017
Titel Precise measurement of the thermal and stellar Fe54(n,?)Fe55 cross sections via accelerator mass spectrometry DOI 10.1103/physrevc.96.025808 Typ Journal Article Autor Wallner A Journal Physical Review C Seiten 025808 Link Publikation -
2019
Titel Stellar and thermal neutron capture cross section of Be9 DOI 10.1103/physrevc.99.015804 Typ Journal Article Autor Wallner A Journal Physical Review C Seiten 015804 Link Publikation -
2019
Titel Comparison of methods for the detection of 10Be with AMS and a new approach based on a silicon nitride foil stack DOI 10.1016/j.ijms.2019.116175 Typ Journal Article Autor Steier P Journal International Journal of Mass Spectrometry Seiten 116175 -
2016
Titel Accelerator mass spectrometry measurements of the C13(n,?)C14 and N14(n,p)C14 cross sections DOI 10.1103/physrevc.93.045803 Typ Journal Article Autor Wallner A Journal Physical Review C Seiten 045803 Link Publikation -
2018
Titel Limits on Supernova-Associated Fe60/Al26 Nucleosynthesis Ratios from Accelerator Mass Spectrometry Measurements of Deep-Sea Sediments DOI 10.1103/physrevlett.121.221103 Typ Journal Article Autor Feige J Journal Physical Review Letters Seiten 221103 Link Publikation -
2012
Titel Definition of a standard neutron field with the 7Li(p,n)7Be reaction DOI 10.1103/physrevc.85.055809 Typ Journal Article Autor Lederer C Journal Physical Review C Seiten 055809 Link Publikation -
2015
Titel Abundance of live 244Pu in deep-sea reservoirs on Earth points to rarity of actinide nucleosynthesis DOI 10.1038/ncomms6956 Typ Journal Article Autor Wallner A Journal Nature Communications Seiten 5956 Link Publikation -
2013
Titel Stable platinum isotope measurements in presolar nanodiamonds by TEAMS DOI 10.1016/j.nimb.2012.03.036 Typ Journal Article Autor Wallner A Journal Nuclear Instruments and Methods in Physics Research Section B: Beam Interactions with Materials and Seiten 496-502 Link Publikation