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Die Romanisierung des Alpe-Adria-Raumes

The Romanisation of the Adria-Alps-Area

Paul Gleirscher (ORCID: )
  • Grant-DOI 10.55776/P20598
  • Förderprogramm Einzelprojekte
  • Status beendet
  • Projektbeginn 02.01.2009
  • Projektende 01.01.2012
  • Bewilligungssumme 264.978 €
  • Projekt-Website

Wissenschaftsdisziplinen

Andere Technische Wissenschaften (16%); Biologie (19%); Geschichte, Archäologie (65%)

Keywords

    Gurina, Noricum, Keltsiche Zeit, Römische Okkupation, Romanisierung, Magdalensberg

Abstract Endbericht

Ausgangspunkt für das vorliegende Projekt sind die zwischen 2004 und 2008 durchgeführten, groß angelegten archäologischen Ausgrabungen im Bereich der Gurina-Siedlung bei Dellach im Gailtal (Kärnten). Dort waren bereits im ausgehenden 19. Jahrhundert bemerkenswerte, großteils bis heute unterschiedlich interpretierte Befunde und aufsehen erregende Kleinfunde (insbesondere Statuetten und Votivbleche mit Weiheinschriften) ans Licht gekommen, welche die zeitweise Bedeutung der Gurina-Siedlung im Kulturtransfer zwischen Oberitalien und dem Ostalpenraum bzw. den nördlich angrenzenden Gebieten angedeutet haben. Außerdem verdient das Siedlungskontinuum, das vom Beginn der Eisenzeit bis ans Ende der Römerzeit reicht und damit rund 1500 Jahre umfasst, Beachtung. Wie sich im Laufe der modernen Ausgrabungen zeigte, kam der Gurina-Siedlung während der Zeit am Übergang von der Keltenzeit zur Römerzeit eine wichtige Rolle im Kontakt zwischen der Händlersiedlung am Magdalensberg und dem Adriahafen Aquileia zu. Unter Anwendung neuer methodischer Ansätze denen zum einen auch die Produktions- und Verteilungsmechanismen während der frühen Römischen Kaiserzeit (besonders Münzen sowie schwarze und rote Terra Sigillata) und zum anderen neu zu erarbeitende Chronologievorstellungen zugrunde gelegt werden sollen, die auf der Untersuchung zahlreicher Grabfunde und Siedlungsschichten in Oberitalien basieren ist ein neues Bild sowohl der Datierung des Vordringens der Römer und deren Sachkultur in den Südostalpenraum, also nicht nur im Kärntner Raum sondern auch in Friaul und im nordwestlichen Slowenien zu erwarten. Ziel der Untersuchung ist es kurz gesagt, die siedlungsgenetische Entwicklung im Alpen-Adria-Raum im Zeitraum zwischen ca. 50 vor und 50 nach Christus neu zu beleuchten und aktuell zu bewerten, um so zugleich modellhaft das Bild der Besetzung und Provinzialisierung eines von Rom neu eroberten Gebietes darzustellen. Neben der abschließenden Bearbeitung der neu ergrabenen Funde und Befunde im Bereich der Gurina-Siedlung, soll in diesem Zuge auch das nur in Vorberichten veröffentlichte Fundgut vom Schröttelhofer Feld bei Oberdrauburg bearbeitet werden und beide Fundstellen mit größeren Komplexen im Drautal zwischen Aguntum bzw. Lavant und dem Magdalensberg bzw. der Gracarca verglichen werden. Zugleich ist es unumgänglich, die auf archäologischem Weg gewonnenen Ergebnisse mit jenem Forschungstand zu diskutieren, der sich auf die republikanischen und cäsarischen Koloniegründungen im Alpen-Adria-Raum bezieht und dem auch ein althistorischer Exkurs durch Prof. H. Graßl anzuschließen ist. Schließlich sollen im Zuge des Projektes selbstredend auch die anderen, im Bereich der Gurina-Siedlung ergrabenen Siedlungshorizonte ausgewertet werden. Daraus soll sich ein Bild ergeben, das sowohl den Stand als auch zukünftige Aufgaben der Forschung zu Fragen der Romanisierung im Alpen-Adria-Raum erkennen lässt.

Die umfangreichen Studien zu den zwischen 2004 und 2008 durchgeführten archäologischen Ausgrabungen im Bereich der Gurina-Siedlung im oberen Gailtal (Kärnten) haben insbesondere eine neue Sichtweise der Eroberung des Ostalpenraumes durch Rom im Jahre 15 v. Chr. und zum Beginn der römischen Verwaltung in der neu eingerichteten Provinz Noricum erbracht, damit auch zur Form der Romanisierung des Gebietes. Ging man bisher in der Regel von einer "friedlichen Eroberung" des Ostalpenraumes - einer contradictio per se - mit intensiven politisch-wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den norischen Kelten und Rom seit dem 2. Jahrhundert v. Chr. aus, so erbrachten die neuen Studien Hinweise auf eine erhebliche militärische Präsenz zur Okkupationszeit, auf eine beträchtliche Veränderung der Siedlungsstruktur und auf die Einrichtung einer befestigten Stadt mit Verwaltungsbauten und ausgedehnten Wohnbezirken in der Zeit um Christi Geburt auf der Gurina. Sie dürfte nur kurz bestanden und um 15 n. Chr. in einer Naturkatastrophe, wohl einem Erdbeben, geendet haben. Fragmente vergoldeter lebensgroßer Bronzestatuen und der rechtwinkelig-axiale Aufbau der Stadt sprechen für eine gehobene Stellung der Gurina-Siedlung; zahlreiche römische militaria zeigen die Besatzungstruppen innerhalb der Stadt an. Die ersten Spuren römischer Siedler reichen bereits in die Okkupationszeit zurück und überlagern eine keltische Siedlung, die ihrerseits auf eine an den Beginn der Hallstatt- bzw. Eisenzeit zurückreichende Siedlung folgt. Ausgehend von den am Magdalensberg (Kärnten) in langjähriger Forschung erarbeiteten und den Raum am Caput Adriae seit langem prägenden Vorstellungen zur Datierung entsprechender Funde bzw. Fundplätze wurden der älteren römischen Gurina-Siedlung vergleichbare Fundspektren bisher in der Regel älter und damit noch in spätkeltische Zeit datiert. Um den neuen Datierungsansatz abzusichern, der zum Ergebnis kommt, dass die römische Besiedlung des Ostalpenraumes erst nach dessen Eroberung im Jahre 15 v. Chr. eingesetzt hat, wurden auch entsprechende Fundkomplexe in Oberitalien analysiert, die das gleiche Resultat erbrachten. Mit dem Abbrechen der keltischen Siedlungen und dem Ende der keltisch-norischen Kultur scheint es beim derzeitigen Forschungsstand in Noricum - im Gegensatz zu Gallien - in kultureller Hinsicht zu keinem "keltisch- römischen Mischhorizont" gekommen zu sein. In den Zentralorten und insbesondere am Magdalensberg lassen sich anhand von Inschriften in erster Linie oberitalisch-keltische und griechische Siedler nachweisen. Die Zuwanderer aus Oberitalien bestimmten die Trachtentwicklung im römischen Noricum und führten um die Mitte des 1. Jahrhunderts n. Chr. zur Kreation der norischen Tracht. Sie bildeten zugleich die Basis für die Romanisierung des Ostalpenraumes, deren Anknüpfungspunkte an die einheimische keltische Welt als gering einzuschätzen sind.

Forschungsstätte(n)
  • Landesmuseum Kärnten - 80%
  • Veterinärmedizinische Universität Wien - 20%
Nationale Projektbeteiligte
  • Gerhard Forstenpointner, Veterinärmedizinische Universität Wien , assoziierte:r Forschungspartner:in

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